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Frankfurts Oberbürgermeisterin feiert ihren Abschied Die Ära Petra Roth geht zu Ende


Keine Frau stand so lange an der Spitze einer deutschen Großstadt wie die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth. Sie prägte den Deutschen Städtetag und wäre gerne Bundespräsidentin geworden. Daraus wurde nichts - nun feiert sie Abschied.

Bekannt ist Petra Roth als moderne Großstadtpolitikerin. Vollkommen zufrieden dürfte die CDU-Politikern allerdings nach 17 Jahren nicht ihre Rathaus-Karriere beenden, das Timing des Abschieds ist ein wenig unglücklich: Denn ihr liberales Image hat in den vergangenen Wochen mit den umstrittenen Verboten der "Blockupy"-Proteste und dem Polizeieinsatz erhebliche Kratzer abbekommen.

Und trotz eines geschickten politischen Schachzugs gelang es der 68-Jährigen nicht, ihren Wunschnachfolger ins Amt zu bringen, Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU). Sie unterstützte ihn kräftig, aber erfolglos: Rhein unterlag bei der OB-Wahl überraschend deutlich gegen den SPD-Kandidaten Peter Feldmann.

Auch Roth war in der einstigen SPD-Hochburg überraschend ins Amt gekommen, 1995 war das. Eigentlich eine Verlegenheitskandidatin der CDU, siegte sie in der ersten Direktwahl des Stadtoberhaupts gegen Amtsinhaber Andreas von Schoeler (SPD). Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl hatte sie gebeten, anzutreten.

Bei Banken und Bürgern respektiert

Mit ihrer direkten, burschikosen und jovialen Art hat sich Roth in ihrer Amtszeit bei Bankern und Bürgern Respekt verschafft. Keine andere Frau in Deutschland stand so lange an der Spitze einer Großstadt. Sie hielt sich mit wechselnden Stadtregierungen und gegen Widerstände aus der konservativeren Landespartei: "Ich kann Menschen zusammenführen", beschreibt sie ihr Erfolgsrezept.

Roth war nicht nur das erste direkt gewählte Stadtoberhaupt am Main, sondern auch die erste Frau auf diesem Posten überhaupt. Und sie führte die erste schwarz-grüne Koalition im Römer an. Mehr als zehn Jahre vertrat sie die Interessen der deutschen Städte im Bund - viele Jahre als Präsidentin und Vizepräsidentin des Deutschen Städtetags. Zweimal wurde Roth als mögliche Kandidatin für das Bundespräsidentenamt ins Gespräch gebracht. "Ich hätte es gemacht", verriet sie, nachdem sie Joachim Gauck längst mitgewählt hatte.

Verabschiedet wird Roth am Montag, 11. Juni, von CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel - am Ort der großen Feierlichkeiten der Stadt: in der Paulskirche. Vor dem Festakt könnte es allerdings laut werden. Die Fluglärmgegner und einige linke Gruppen haben Proteste angekündigt.

Nachfolgerpläne gehen nicht auf

Vor allem in ihrer ersten Zeit als OB witzelten viele noch über Pleiten, Pech und Pannen. Sie lernte daraus. Zuletzt galt die stets schick gekleidete Blondine als versierte Repräsentantin der Finanzmetropole. Ungenauigkeiten und Abschweifungen wurden der sportlichen, begeisterungsfähigen und authentischen Roth nachgesehen. Topbanker Josef Ackermann soll ihr während eines Fußballspiels einmal geradezu mütterlich zugeflüstert haben: "Kontrollieren Sie bitte Ihre Finger", als vor der Tribüne Fotografen - nach dem Victory-Schnappschuss Ackermanns - auf einen neuen Fehlgriff Ackermanns lauerten.

Gespür für politisches Kalkül zeigte die Witwe und Mutter zweier erwachsener Söhne bei ihrer überraschenden Ankündigung, das Amt ein Jahr früher abzugeben. Indem sie zugleich ihren Wunschnachfolger Rhein vorstellte, setzte sie den Koalitionspartner Grüne und die Oppositionspartei SPD unter Zugzwang. Allerdings folgten ihr die Bürger bei der Stimmabgabe nicht. Ein Grund: der Ausbau des Flughafens und die Haltung der CDU dazu.

Roth zählt den Ausbau trotzdem zu ihren erfolgreichen Projekten. Außerdem nennt sie die Sanierung des Mainufers, den Neubau der Europäischen Zentralbank, den geplanten Kulturcampus und den Wiederaufbau der Altstadt. Künftig will sie sich unter anderem für die Belange der Universität Tel Aviv in Europa einsetzen.

Ira Schaible, DPA DPA

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