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Führungsdebatte in der Linkspartei: Gysi will Lafontaine an der Spitze

Linken-Fraktionschef Gregor Gysi hat sich im Streit um die Führung seiner Partei zu Wort gemeldet. Er schlägt Lafontaine als neue alte Parteispitze vor - und Dietmar Bartsch als Bundesgeschäftsführer. Gleichzeitig warnt er vor einem Auseinanderfallen der Partei.

Im Linken-Führungsstreit hat sich erstmals Fraktionschef Gregor Gysi klar für die Rückkehr von Oskar Lafontaine an die Parteispitze ausgesprochen. Zugleich forderte Gysi am Mittwoch, Lafontaine müsse seinen parteiinternen Widersacher Dietmar Bartsch als Bundesgeschäftsführer hinnehmen. "Oskar Lafontaine müsste auf Dietmar Bartsch zugehen und ihn als Bundesgeschäftsführer vorschlagen und akzeptieren. Und dann müsste Dietmar Bartsch auf Oskar Lafontaine zugehen und ihn als Parteivorsitzenden akzeptieren", erklärte Gysi.

Lafontaine sei "zweifellos ein herausragender deutscher und europäischer Politiker", hieß es in der Erklärung weiter. Bartsch sei ebenfalls "ein herausragender Politiker, hat aber nicht das gleiche Gewicht". Er sei aber "ein besserer Parteiorganisator". Gysi appellierte an beide, "aufeinander zuzugehen" und bot seine Hilfe an, "um Vertrauen zwischen ihnen herzustellen". Die Linke sei "in einer sehr schwierigen Situation", räumte er ein.

Unterschiedliche Strömungen in der Partei

Der Fraktionschef warnte vor einem Auseinanderfallen der Partei. Es gebe nach wie vor unterschiedliche Teile, "die sich bis heute nicht vereinigt, nicht zusammengefunden haben", sagte er mit Blick auf die Ost-West-Spaltung in der Partei. "Die politischen Ansätze, die politische Kultur, der Umgang mit der SPD - all das unterscheidet sie schon im Ansatz." Es gebe zwei Möglichkeiten, damit umzugehen: "Entweder man trennt sich oder man findet zusammen." Der Sieg der einen über die anderen oder umgekehrt sei "kein Weg zur Vereinigung, sondern läuft letztlich auf eine Trennung hinaus", mahnte er.

Gysi verwies zugleich darauf, dass nach dem Linken-Statut auch zwei Frauen die Partei führen könnten. "Es wird Zeit, dass sie sich selbst melden und Ansprüche artikulieren", sagte er.

Bartsch hält an Kandidatur fest

Lafontaine hatte am Dienstag seine Bereitschaft zur erneuten Kandidatur für den Linken-Chefposten erklärt, eine Kampfkandidatur gegen seinen Widersacher Bartsch aber abgelehnt. Bartsch wiederum hält bislang an seiner Kandidatur fest, die er bereits im November 2011 angekündigt hatte.

Bartsch ist derzeit stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Er war bereits von 2005 bis Anfang 2010 Bundesgeschäftsführer der Linken. Der 54-Jährige setzt sich für einen klaren Reformkurs der Partei mit einer Öffnung gegenüber der SPD ein.

fle/AFP / AFP
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