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Gauck-Partnerin Daniela Schadt Tränen für die "First Freundin"


Daniela Schadt ist die neue "First Freundin" in Bellevue - ihre Kollegen in Nürnberg vermissen schon jetzt die herzliche, unprätentiöse Journalistin. Wer ist die medienscheue Medienfrau?
Von Katharina Miklis

Der Elch ist weg. Daniela Schadt hat alle ihre persönlichen Dinge bereits abgeholt. Auch den kleinen Knautsch-Elch, der jahrelang auf ihrem Rechner in der Redaktion der "Nürnberger Zeitung" saß. "Er hat ihr bei jedem Kommentar, den sie für uns geschrieben hat, zugeschaut", sagt Chefredakteur Raimund Kirch etwas wehmütig. "Jetzt begleitet er sie nach Berlin".

Einen Tag nach der Wahl des Bundespräsidenten hat sich die Aufregung in den Redaktionsräumen in Nürnberg gelegt. Gestern, als Kollegin Schadt, Partnerin von Joachim Gauck, zur "First Freundin" aufstieg, war die gesamte Wochenendbesetzung vor den Redaktions-Bildschirmen versammelt, erzählt Kirch stern.de. Auch der Chefredakteur verfolgte die Wahl mit den Kollegen in der Redaktion. "Es war schwer, sich vom Fernseher zu lösen. Kaum hatte man sich abgewandt, rief wieder jemand durch die Gänge: 'Da ist Daniela'. Und wieder standen wir alle vor dem Bildschirm."

Emotionaler Abschied in der Kantine

Zwei Wochen ist es her, da kam Daniela Schadt, ehemalige Innenpolitik-Chefin der "Nürnberger Zeitung", ein letztes Mal in die Redaktion, um Abschied zu nehmen. Ihren Job als Journalistin wird sie aufgeben. Die Entscheidung ist ihr nicht leicht gefallen. "In der Kantine bildeten sich Trauben um sie", erinnert sich Chefredakteur Kirch an ihren letzten Besuch. "Es war, als würde sie Hof halten." Auch Kollege Christian Ebinger erinnert sich an einen emotionalen Abschied: "Alle Kollegen kamen noch ein letztes Mal an ihrem Schreibtisch vorbei, quetschten sie aus. Daniela hat das genossen." Nun ist der Schreibtisch der 52-Jährigen leer. Ihr alter Platz, mit Blick auf den Willy-Brandt-Platz, ist aufgeräumt. Für viele Kollegen ist es immernoch unwirklich, die jahrelange Mitarbeiterin plötzlich auf der großen Politikbühne zu sehen. "Spätabends habe ich gestern ein Foto von Daniela mit Frank-Walter Steinmeier und Gauck vor einem Berliner Restaurant auf die Titelseite eingebaut", erzählt Newsdesk-Leiter Ebinger. "Da wurde mir klar: Sie ist jetzt auf einer ganz anderen Ebene - mit den ganz großen der Welt."

Wer ist die Frau, die Bettina Wulff als First Lady im Schloss Bellevue ablöst? Wer ist die Frau an der Seite von Joachim Gauck? Schon vor knapp zwei Jahren, als der 72-Jährige um den Posten des Bundespräsidenten kandidierte, überforderte seine 20 Jahre jüngere Freundin die Reporter, die die private Daniela Schadt suchten. Die Journalistin meidet das Rampenlicht. Homestorys oder Tattoo-Enthüllungen, wie man sie von Bettina Wulff gewohnt war, sind von der zierlichen Frau mit dem Pagenkopf eher nicht zu erwarten. Dass sie sich vor zwei Jahren von einem Boulevard-Reporter entlocken ließ, dass der Jochen "spitzenmäßige Buletten" brät, ist eher die Ausnahme. Dass sie gerne und bei Wind und Wetter Fahrrad fährt, viel liest und klassische Musik hört, sind die wenigen bekannten und wenig pikanten Details aus ihrem Privatleben.

"Wenn Not am Mann war, war Daniela da"

Die Kollegen von der "Nürnberger Zeitung" verbergen nicht ihre Bewunderung für die schlagartig bundesweit gefragte Mitarbeiterin. Als "analytische Denkerin" und "brillante Schreiberin" wird sie bezeichnet. Als Medienprofi und Koryphäe in der Russlandpolitik mit Hang zu leidenschaftlichen Kommentaren. Nicht nur unter den Kollegen auch bei den Nürnberger Zeitungslesern soll die herzliche und charmante Frau mit dem ansteckenden Lachen eine große "Fangemeinde" haben. Kollege Ebinger, der bei dem Blatt für die Dienstpläne zuständig ist, vermisst schon jetzt die unprätentiöse, fleißige Kollegin, "die nie auf die Uhr geguckt hat. Wenn Not am Mann war, war Daniela da".

Nun schwankt die Stimmung in den Redaktionsräumen an der Marienstraße zwischen Bedauern, dass man die Politikjournalistin an Bellevue verliert - und einer großen Portion Stolz. Die letzten Wochen sollen sehr emotional gewesen sein. "Es flossen auch Tränen", verrät Chefredakteur Kirch.

Kennengelernt haben sich Gauck und die 52-jährige gebürtige Hessin bei einem seiner Vorträge zur deutschen Einheit vor zwölf Jahren in Nürnberg. Damals war er schon zehn Jahre von seiner Frau "Hansi" getrennt, mit der er vier Kinder hat. Schadt warf ihr Leben nicht über den Haufen, nachdem sie Gauck kennengelernt hatte. Sie zog nicht zu ihm nach Berlin sondern blieb in Nürnberg bei ihrem Lokalblatt, bei dem die studierte Germanistin als Volontärin startete und bis heute ein Vierteljahrhundert beschäftigt war. Auch geheiratet wurde nicht - noch nicht.

Jetzt startet ein neues Leben für Daniela Schadt. Ein Leben, das die "First Freundin" ohne Glamour fortführen wird, wie sie es auch im Frankenländle gelebt hat: bodenständig, herzlich, bescheiden. Nicht mal ein neues Kleid hatte sich die Nürnbergerin für die Bundespräsidentenwahl gekauft. Das graue Kostüm, das sie am Sonntag trug, hatte sie schon mehrfach an, verriet sie. Typisch Daniela, sagen die Kollegen. "Ich werde womöglich ein paar neue Aktzente setzen, aber keine großen Umstürze planen", sagte Schadt über ihre neue Position der "Nürnberger Zeitung". Dort wünscht man der beliebten Kollegin nur das Beste - und dass sie Kontakt hält. Jederzeit dürfe sie zurückkommen, betont der Chefredakteur. Und auch für ihren Glücks-Elch würde man gerne wieder einen Platz finden.


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