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Gauck nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten: "Angst ist nicht mein Lebensthema"

Der neue Bundespräsident Joachim Gauck räumt mit ein paar Vorurteilen gegenüber seiner Person auf: In seinem ersten Interview sprach er nun über Occupy, den Sozialstaat und zu hohe Erwartungen.

Der neue Bundespräsident Joachim Gauck hat sich zufrieden über sein Wahlergebnis in der Bundesversammlung geäußert. In der ARD-Sendung "Farbe bekennen" sagte er am Sonntagabend: "Ich bin sehr glücklich. Alles andere wäre auch in der Nähe von DDR-Wahlergebnissen gewesen." Mehr als 100 Delegierte aus dem Lager der Unterstützer Gaucks hatten sich der Stimme enthalten.

Auf die Frage, ob er Angst vor den hohen Erwartungen habe, sagte Gauck: "Angst ist nicht so mein Lebensthema gewesen." Er sei sicher, dass sich das einpendeln werde.

Ungeachtet seiner Betonung des Freiheitsbegriffs sei er auch ein Befürworter des Sozialstaats. "Soziale Gerechtigkeit gehört dazu", sagte Gauck. Es dürfe nicht sein wie in den USA, wo es keinen Sozialstaat gebe. Der "rheinische Kapitalismus", also das westdeutsche Sozialstaatsmodell der Nachkriegszeit, werde von ihm keineswegs abgelehnt. "Ich möchte nicht, dass der Sozialstaat beschädigt wird."

"Kann die Haltung der Occupy-Bewegung verstehen"

Der neue Bundespräsident relativierte auch seine umstrittenen Äußerungen über die bankenkritische Occupy-Bewegung. Er habe nicht die Proteste insgesamt als "albern" bezeichnet, wohl aber das Projekt, die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt/Main zu besetzen. "Ich kann die Haltung verstehen, aber ich hätte gerne ein paar Inhalte."

In seinem Verhältnis zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht Gauck kein Problem. "Ich habe Grund anzunehmen, dass sie mich schätzt." Er habe keinen Anlass zum Misstrauen. Warum Merkel seine Präsidentschaft zweimal zu verhindern versuchte, kann sich Gauck nicht erklären. "Ich weiß nicht, was wirklich in ihr vorgegangen ist." Ähnlich äußerte er sich im ZDF: Wichtig sei für ihn, dass "wir uns in die Augen schauen" und Vertrauen haben konnten.

"Werde Reform des Ehrensolds prüfen"

Gauck hält das Amt des Bundespräsidenten durch den Rücktritt seines Vorgängers Christian Wulff wegen einer Kette von Vorwürfen nicht für beschädigt. "Unsere Politiker sind nicht immer nur begnadet. Das muss die Bevölkerung akzeptieren." Die Forderung, den umstrittenen Ehrensold für ehemalige Bundespräsidenten zu reformieren, werde er prüfen, sagte Gauck.

Zur Position seines Vorgängers, wonach der Islam auch zu Deutschland gehöre, sagte Gauck: "Ich werde nicht Christian Wulffs Worte benutzen - aber gehen Sie davon aus, dass mir die Tendenz am Herzen liegt."

Zu anderen inhaltlichen Fragen seiner Präsidentschaft wollte Gauck noch nicht Stellung nehmen, etwa zu einer möglichen Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Dennoch ließ er für die Forderung Sympathie erkennen: Manchmal sei Geld unerlässlich, manchmal würden dadurch aber auch Innovationen blockiert. Insgesamt sei es notwendig, "mehr Fantasie" zu entwickeln.

"Ich bin nicht ideologisch festgelegt"

Zu der Frage, ob er seiner das bisher verweigerte Bundesverdienstkreuz verliehen werde, sagte Gauck, er wolle zunächst prüfen, warum das noch nicht geschehen sei. "Ich bin da nicht ideologisch festgelegt."

nik/DPA / DPA