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Große Koalition: Der Wille ist da, die K-Frage aber auch

Sehr, sehr mühsam nähern sich Union und SPD einander an. In der Frage, wer Kanzler werden soll, bestehen beide Seiten auf ihre Kandidaten Merkel und Schröder. Laut einer Umfrage sind das aber nicht die Personen, die die Deutschen wollen.

Union und SPD sind knapp zwei Wochen nach der Bundestagswahl und trotz der ungelösten Kanzlerfrage auf dem Weg zu einer großen Koalition. Allerdings bestanden beide Seiten am Donnerstag in der wichtigsten Personalie offiziell auf ihren Positionen: Die SPD will an Gerhard Schröder als Kanzler festhalten, und für die Union kommt angesichts der Kräfteverhältnisse im Bundestag nur die CDU-Vorsitzende Angela Merkel als künftige Regierungschefin in Frage. Nachdrücklich dementiert wurden Meldungen, Schröder könne am Montag nach der Nachwahl in Dresden zurücktreten.

Wen möchten Sie als Kanzler?

Die Sozialdemokraten hielten an ihrem Ziel fest, nicht in eine große Koalition einzutreten, die von Merkel geführt werde, sagte SPD-Chef Franz Müntefering dem Fernsehsender RTL. Er wie auch ein Regierungssprecher wiesen Spekulationen über einen vorzeitigen Amtsverzicht Schröders zurück. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos meinte im Deutschlandfunk, Schröder werde am Montag bei einer SPD-Präsidiumssitzung seinen Amtsverzicht ankündigen. Auch FDP-Chef Guido Westerwelle erwartet, dass Schröder verzichtet. Dazu der Regierungssprecher: "Absoluter Unsinn und absoluter Quatsch."

Die Union will ungeachtet der Gespräche mit der SPD in jedem Fall den nächsten Bundestagspräsidenten stellen und den Sozialdemokraten hier nicht entgegen kommen. Die Unionsfraktion stellte klar, dass sie das protokollarisch zweithöchste Amt im Staat nicht als Verhandlungsmasse im laufenden Koalitionspoker ansieht, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer Norbert Röttgen der Nachrichtenagentur DPA.

Müntefering dokumentierte wie SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter Härte in der K-Frage. "Es gilt unsere Forderung - wir wollen regieren mit Gerhard Schröder als Kanzler." Er sei daran interessiert, dass das Bündnis aus SPD und Union zustande komme, relativierte Müntefering, schloss als mögliche Konsequenz aus einem Scheitern der Verhandlungen aber auch eine Neuwahl nicht aus. Der SPD-Chef wies zugleich Berichte zurück, er wolle Vizekanzler in einer großen Koalition werden. "Ich kann nicht verhindern, dass irgendwelche Leute Planspiele im Sandkasten machen."

Moderater im Ton dagegen Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD): Er sagte im ZDF, Union und SPD seien bei den Sondierungsgesprächen dabei, "die Differenzen zu überwinden, die uns im Wahlkampf getrennt haben". Die notwendigen Reformen seien nur mit Unterstützung des unionsdominierten Bundesrates möglich. Clement: "Aus diesem Grund ist eine große Koalition zwingend notwendig."

Die Deutschen favorisieren im Falle einer großen Koalition weder Schröder noch Merkel als zukünftigen Kanzler. Nach einer Forsa- Umfrage im Auftrag des Nachrichtensenders N-tv würden gut 29 Prozent Merkel als Kanzlerin bevorzugen - dicht gefolgt vom amtierenden Kanzler Schröder (28 Prozent). Knapp ein Viertel (23 Prozent) der Befragten wünschen sich einen ganz anderen Regierungschef.

Merkel versuchte im Koalitionspoker auch die "Jamaika"-Karte im Spiel zu halten. Sie sagte im Anschluss an ein Treffen mit der FDP- Spitze, eine große Koalition habe "eine sehr viel höhere Wahrscheinlichkeit" als ein "Jamaika-Bündnis" mit Grünen und Freidemokraten. Da es aber derzeit keine echten Koalitionsverhandlungen mit der SPD gebe, seien "die verschiedenen Optionen noch im Raum". Westerwelle wollte als Möglichkeit die Jamaika-Koalition nicht ganz ausschließen.

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Schäuble (CDU) lehnte ein Mitspracherecht der SPD bei der Kanzlerwahl ab. "Das ist doch alles dummes Zeug", sagte Schäuble am Donnerstag im RBB-Inforadio zu einem entsprechenden Vorschlag des früheren CDU-Generalsekretärs Volker Rühe.

DPA / DPA