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Guttenbergs Rücktritt Ein Komet verglüht


Er hatte zum Schluss keine Wahl mehr: Karl-Theodor zu Guttenberg musste zurücktreten. Er hinterlässt einen politischen Scherbenhaufen, den nun die Kanzlerin wegzufegen hat.
Ein Kommentar von Lutz Kinkel

Er stieg alleine die Steintreppe im fahlen Licht des Bundesverteidigungsministeriums hinab. Und er ging die Treppe auch wieder alleine hoch. In den wenigen Minuten dazwischen erklärte Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Rücktritt. Er kam spät, aber er war zwingend. Die Kritik hatte immer höhere Wellen geschlagen, auch in den eigenen Reihen, die Position der Kanzlerin war nicht mehr eindeutig zu orten. Über ihren Regierungssprecher ließ sie am Montag noch ausrichten, Guttenberg genieße ihr Vertrauen. Gleichzeitig sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan, dass sie sich für die Plagiatsaffäre schäme. Das ist in Berlin als Signal aufgefasst worden, dass Angela Merkel beginnt, sich von Guttenberg zu distanzieren. Schavan ist nicht irgendwer. Sie ist Kabinettsmitglied und, wichtiger noch: eine enge Vertraute Merkels. Zu Guttenberg muss gespürt haben, dass er sich nur noch auf politischem Treibsand bewegte.

Und es war klar, dass seine Lage nicht besser werden wird. Es liegen mehrere Strafanzeigen gegen Guttenberg vor, in einem vergleichbaren Fall ist ein Schwindeldoktor verurteilt worden - er ist nun vorbestraft. Auf Guttenberg wartet auch der Abschlussbericht der Uni Bayreuth, der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit den Plagiatsvorwurf bestätigt. Das wäre das amtliche Siegel, dass Guttenberg Bundestag und Öffentlichkeit belogen hat. Und es läuft die Prüfung des Bundestagspräsidiums, ob er sein Abgeordnetenmandat missbraucht hat, weil er Studien des Wissenschaftlichen Dienstes in die Doktorarbeit kopiert hat. Kurz: Es war absehbar, dass der Skandal immer drängendere Formen annehmen, dass er Guttenberg die politische Luft rauben wird. Er hatte nur die Wahl, dem Verfall seiner Autorität weiter zuzusehen - oder das Feld zu verlassen.

Aus dem Nichts der Gremien

Mit dem Rücktritt Guttenbergs endet - vorläufig - die erstaunlichste Karriere, die das politische Deutschland je gesehen hat. Ein Mann, der gleichsam aus dem Nichts der Ausschüsse und Gremien kam und innerhalb von zwei Jahren vom CSU-Generalsekretär zum Wirtschaftsminister, dann zum Verteidigungsminister emporstieg, zum ungekrönten Liebling der Massen, zum potentiellen Kanzlerkandidaten. Als Metapher passt nur die des Kometen: eine plötzliche Erscheinung, die enorme Strahlkraft entwickelt und ebenso plötzlich erlischt. Das ist auch das Resultat der beispiellosen Virtuosität, mit der Guttenberg sich in den Medien zu inszenieren wusste.

Nun sollen es, wie bei nahezu allen anderen Rücktritten auch, wieder einmal die Medien gewesen sein, die den Rücktritt unumgänglich gemacht haben. Diese Ausrede hätte sich ein Popstar wie Guttenberg wahrlich sparen können. Er ist gescheitert, an sich selbst, an seinem überbordenden Ehrgeiz, der ihn in stillen Stunden dazu verleitet hat, Respekt, Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit hintanzustellen. Dieses Problem hat sich so tief in die Wahrnehmung seiner Person gebohrt, so fundamental den Standpunkt der Christdemokratie in Frage gestellt und so ernsthafte Sorgen um die Ergebnisse der anstehenden Landtagswahlen ausgelöst, dass nur der Rücktritt blieb.

Der Fall Merkel

Guttenberg lobte sich noch in seiner Rücktrittserklärung dafür, dass er sein Haus bestellt und die Bundeswehrreform bestens vorbereitet habe. Tatsächlich hinterlässt er einen gewaltigen Scherbenhaufen, zu dem die Kanzlerin mit ihren machttaktisch motivierten Manövern in der Plagiatsaffäre selbst mit beigetragen hat. Nun hat sie ihn wegzufegen. Alleine.


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