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Plagiatsaffäre Guttenberg: Falscher Doktor, harte Strafe - der Fall Kasper

Beide sind in der Union, beide haben bei ihrer Doktorarbeit abgekupfert. Aber im Gegensatz zu Karl-Theodor zu Guttenberg hat es Andreas Kasper richtig erwischt.

Von Sebastian Wolfertstetter

Seit Tagen steht das Telefon von Andreas Kasper nicht still. Es sind Journalisten. Sie wollen wissen, was ihn, Andreas Kasper aus Lemgo, von Karl-Theodor zu Guttenberg unterscheidet. Warum er büßen musste, der Bundesverteidigungsminister hingegen weiter machen kann. Der Jurist Kasper beantwortet Fragen, will sich aber nicht zitieren lassen. Er würde jetzt gerne seinen neuen Job machen. Seine zweite Chance nutzen. Nachdem ihn der erschwindelte Doktortitel die politische Karriere gekostet hat.

Andreas Kasper, 35, Parteimitglied der CDU, ist vorbestraft. Im Mai 2010 brummte ihm die Staatsanwaltschaft Göttingen 90 Tagessätze zu je 100 Euro auf. Ein Gutachter hatte im Verfahren zu Protokoll gegeben, Kaspers juristische Doktorarbeit sei passagenweise ein "Flickenteppich aus den Texten anderer Autoren". Es waren genau 11 Fremdautoren, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen zu stern.de. Wegen der hohen Anzahl sei die Staatsanwaltschaft von Vorsätzlichkeit ausgegangen. Das sei wie beim Autofahren, erklärt der Sprecher: Wer ein Schild mit dem Tempolimit 80 nicht beachte, mache einen Fehler. Wer das dritte Schild ignoriere, handele vorsätzlich. Karl-Theodor zu Guttenberg ist laut Guttenplag durch einen ganzen Schilderwald geheizt.

Tolle Arbeit, sagt auch die SPD

Andreas Kasper, 35, Vater von zwei Kindern, war einmal Büroleiter der niedersächsischen Sozialministerin. Ein fescher, eloquenter Typ mit einem bubenhaften Lächeln. Nach einer Kabinettsumbildung sucht sich Kasper einen neuen Job - im Juni 2008 wird er Vorsteher des Landesverbandes Lippe, ein Spitzenbeamter, der monatlich 7200 Euro verdient. In seiner neuen Funktion kümmert er sich um die Wälder, Immobilien, Denkmäler und Kultureinrichtungen des früheren Fürstentums Lippe. Selbst politische Gegner sind begeistert. "Andreas Kasper hat in seiner Tätigkeiten als Vorsteher des Landesverband Lippe tolle Arbeit geleistet", sagt Reiner Brinkmann, Geschäftsführer des SPD-Kreisverbandes Lippe zu stern.de. Fachlich sei der Mann tiptop gewesen. Die Neue Westfälische schrieb, Kasper habe als der "neue König von Lippe" gegolten. Ein Überflieger, dem der Erfolg einfach so in den Schoß fällt.

Und dann geht alles ganz schnell. Anfang 2009 räumt Kasper ein, dass seine Doktorarbeit, die er an der Uni Göttingen abgelegt hat, unter Plagiatsverdacht stehe. Er lasse seinen Titel mit sofortiger Wirkung ruhen. Im Juni 2009 entzieht ihm die Uni den Titel offiziell. Im September schaltet sich die Staatsanwaltschaft ein - aus eigener Initiative. Wegen massiver Urheberrechtsverletzung.

Einstimmig gewählt, einstimmig abgewählt

Kaspar war einstimmig zum Verbandsvorsteher gewählt geworden. 2010 wird er einstimmig abgewählt. Auch seinen Parteifreunden war die Sache zu heiß geworden.

Bei der Staatsanwaltschaft Hof, die für die Plagiatsaffäre Karl-Theodor zu Guttenberg zuständig ist, liegt eine Strafanzeige vor. Ermitteln wird sie vorerst nicht. Man wolle erst die Überprüfung der Dissertation durch die Uni Bayreuth abwarten, heißt es.

Mitarbeit: Lutz Kinkel
  • Sebastian Wolfertstetter