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Rüstungsexporte Vorwurf Waffenschmuggel: Hamburger Speditionsfirma bestreitet Beteiligung

Dieses Bild, das aus einem Video stammt, zeigt das Frachtschiff "bana" unter libanesischer Flagge im Hafen von Genua. Behörden in Norditalien verhafteten den Kapitän wegen des Verdachts des internationalen Waffenhandels im Februar 2020.
Dieses Bild, das aus einem Video stammt, zeigt das Frachtschiff "Bana" unter libanesischer Flagge im Hafen von Genua. Behörden in Norditalien verhafteten den Kapitän wegen des Verdachts des internationalen Waffenhandels im Februar 2020.
© Uncredited/ / Picture Alliance
Die libanesische Abou-Merhi-Firmengruppe steht unter dem Verdacht, türkische Waffen in das Bürgerkriegsland Libyen geschmuggelt zu haben. Eine Firma in Hamburg hatte mit den Libanesen zu tun, aber bestreitet jede Beteiligung.

Eine Hamburger Speditionsfirma mit Verbindungen in den Libanon hat jetzt kategorisch bestritten, mit möglichen Waffenlieferungen an die Türkei zu tun gehabt zu haben. Man habe bereits im Jahr 2015 „sämtliche Geschäftsbeziehung“ zu der libanesischen Abou-Merhi-Gruppe "mit sofortiger Wirkung" beendet, erklärte ein Anwalt im Namen der in Hamburg ansässigen AML Ship Management GmbH auf Anfrage des stern.

Der Verdacht der Waffenlieferungen bezieht sich auf die mit der libanesischen Abou-Merhi-Gruppe verbundenen Frachtschiffe „Bana“ und „Single Eagle“, die ansonsten Gebrauchtwagen zwischen Europa und dem Nahen Osten verschiffen.  Wie der stern im Juni berichtete, wurde die „Bana“ im Februar von den Behörden im italienischen Genua festgesetzt und durchsucht. Laut Aussagen von Seeleuten soll sie Ende Januar türkische Waffen, darunter Panzerhaubitzen und Daimler-Militärfahrzeuge nach Libyen gebracht haben, unter Bruch eines UN-Waffenembargos. Laut Vernehmungsprotokollen, die stern und „Report München“ vorliegen, soll die „Bana“ in der Vergangenheit bereits zwei- oder dreimal weitere Rüstungsgüter aus der Türkei nach Libyen gebracht haben.

+++ Lesen Sie hier die ganze Recherche zu: "Waffen nach Libyen? Hamburger Firma beteuert Unschuld" +++

Die „Single Eagle“ und eine mögliche Rolle der Hamburger Firma wurden vergangene Woche in einem Bericht des Recherchebüros „Open Facto“ thematisiert. Eine Fahrt der „Single Eagle“ und geplante Zwischenstationen in Libyen hatte ein Geschäftsführer der AML Ship Management GmbH im Januar auf seiner Facebook-Seite annonciert.

Nach einer Anfrage des stern ließ er den Zugang zu den Informationen auf der Facebook-Seite sperren. Heute lässt sein Anwalt erklären, dass die Hamburger Firma als "reine Frachtagentin" Fahrten von Schiffen wie der "Single Eagle" angekündigt habe. Man habe "gleichwohl aufgrund der im Raum stehenden Verdachtsmomente die Zusammenarbeit mit der Reederei der 'Single Eagle', der African Mediterranean Lines, eingestellt".

Die AML Ship Management sei überdies "kein deutscher Ableger der AML Gruppe des Merhi Ali Abou Merhi" und sei dies auch "niemals" gewesen. Im Oktober 2015 hatte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen mehrere Angehörige und Firmen der Abou-Merhi-Familie verhängt. Auf der Liste standen damals auch zwei Personen mit deutschem Pass, außerdem die inzwischen aufgelöste Hamburger Firma Abou Merhi Linienagentur GmbH sowie der Gründer der AML Ship Management GmbH. Die US-Behörden hatten den Clan im Verdacht, der Hisbollah beim Drogentransport geholfen zu haben. Den Vorwurf ließen die Behörden aber dann wieder fallen.

Anders als heute von der Hamburger Firma beteuert, kam es seinerzeit allerdings zu keinem ganz klaren Schnitt. Der 2015 von den USA sanktionierte Gründer der AML Ship Management GmbH etwa wurde zwar dort im Oktober 2015 als Geschäftsführer abberufen, übernahm aber bereits im Dezember 2016 als Gesellschafter alle Anteile an der Firma.


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