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Hitler-Vergleich: Linke nennt Helmut Schmidt "alterssenil"

Eskalation im Streit zwischen Helmut Schmidt und der Linken: Nachdem der Altkanzler ihren Parteichef Oskar Lafontaine in einem Atemzug mit Adolf Hitler genannt hatte, schlagen Linkspolitiker mit ungewöhnlich scharfen Worten zurück, wettern gegen den "Verfall von Sitten und Moral".

Vertreter der Linken haben Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) für seine Vorwürfe gegen Linksparteichef Oskar Lafontaine scharf kritisiert. "Seine Worte sind ungeheuerlich. Da kann ich nur sagen: alterssenil", wetterte der stellvertretende Parteivorsitzende Klaus Ernst in der "Passauer Neuen Presse". "Es ist an der Zeit, dass er nichts mehr sagt. Dass ein ehemaliger Bundeskanzler der SPD sich so äußert, zeigt den Verfall von Sitten und Moral in dieser Partei."

Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Bodo Ramelow, sprach von einem "unsäglichen Missgriff" Schmidts. Ramelow sagte: "Schmidt will Lafontaine dämonisieren, aber dabei verharmlost er Adolf Hitler." Mit der "ingenieurtechnischen Ermordung von Millionen Menschen" sei Hitler der Repräsentant eines weltweit singulären Verbrechens. "Es kann nicht sein, dass aus Hass und Ressentiments gegen einen früheren SPD-Bundesvorsitzenden ein solcher Vergleich hergestellt wird."

Der in dem Vergleich genannte Lafontaine selbst hat mit demonstrativer Gelassenheit reagiert. "Helmut Schmidt hat auch Charisma", aber man solle "seine Worte auch nicht mehr so wichtig nehmen", sagte Lafontaine in Berlin. "Wir gehen zur Tagesordnung über", erklärte er.

Schmidt hatte in der "Bild am Sonntag" die rhetorischen Fähigkeiten des früheren SPD-Chefs in einem Atemzug mit denen Adolf Hitlers erwähnt: "Auch Adolf Nazi war ein charismatischer Redner. Oskar Lafontaine ist es auch." Zudem verglich der Altkanzler Lafontaine mit dem französischen Rechtspopulisten Jean-Marie Le Pen.

Umwelt-Staatssekretär Michael Müller (SPD) verteidigte Schmidt. "In der Vergangenheit war Lafontaine in der Ausländer- und Asylfrage nie ein Parteilinker. Er scheute auch nicht vor Begriffen wie Fremdarbeiter zurück, die historisch sehr fragwürdig besetzt sind", sagte Müller der Tageszeitung "Die Welt".

Für Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) beglich der Altbundeskanzler mit seinen Äußerungen eine alte Rechnung: "Das erinnert ja durchaus an eine Attacke von Oskar Lafontaine vor 20 Jahren auf Helmut Schmidt, wo er gesagt hat: Die Sekundärtugenden Fleiß und Disziplin reichen nicht, mit denen konnte man auch das Nazi-Reich aufbauen", sagte Thierse im MDR. "Also insofern steht es eins zu eins zwischen Helmut Schmidt und Oskar Lafontaine."

DPA/AP / AP / DPA