HOME

Bahnreisen zu teuer und zu lang: Von wegen Klimaschutz: Die Bundesministerien fliegen und fliegen und fliegen

In den Bundesministerien und ihren Behörden gehören Inlandsflüge immer noch zum Dienstreisealltag. Das liegt am Preis und der Reisezeit – an beidem könnte die Regierung selbst etwas ändern. 

Ein ICE der Deutschen Bahn, ein Flugzeug von Eurowings – Ministerien setzen weiter auf Inlandsflüge

Weil die Bahn zu teuer und zu langsam ist – in den Bundesministerien wird bei Dienstreisen immer noch stark auf Inlandsflüge gesetzt

Die Bundesregierung geht in Sachen Klimaschutz mit schlechtem Beispiel voran. Zumindest, wenn es um innerdeutsche Dienstreisen der Ministerien und ihrer nachgeordneten Behörden geht. Das geht aus der Antwort des für die Erfassung von Dienstreisen zuständigen Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Zeitung "Welt" hervor.

Demnach unternahmen die Mitarbeiter der Regierung im vergangenen Jahr 229.116 Dienstreisen mit dem Flugzeug innerhalb Deutschlands, also über 900 am Tag, wenn man Wochenenden und Feiertage außen vor lässt. Für dieses Jahr zeichnet sich nach bisherigen Zahlen eine Steigerung der Zahl der Inlandsflüge ab.

Inlandsflüge oftmals billiger als Zugfahrten

Am flugreisefreudigsten waren 2018 den Angaben zufolge die Beschäftigten des Verteidigungsministeriums. Sie flogen insgesamt 13.437-mal innerhalb Deutschlands hin und her. Fünf Ministerien machten dem Bericht zufolge keine Angaben.

Für die Bundesministerien spielt die Strecke von Berlin zum Flughafen Köln/Bonn eine herausgehobene Rolle, da alle Ministerien jeweils einen Dienstsitz in aktuellen und der früheren Hauptstadt haben.

Eine Bahnfahrt zwischen Berlin und Bonn dauert um die fünf Stunden, dazu ist ein Umstieg nötig. Ein Direktflug benötigt dagegen nur gut eine Stunde – hinzu kommen aber Zeiten für den Weg zum und vom Flughafen, für die Sicherheitskontrolle und das Einchecken.

Neben der Zeitersparnis sind die Kosten ein weiteres Kriterium für die Nutzung von Flugzeugen: "Solange Bahntickets teurer sind als Flugtickets“, bestünden wenig Spielräume, sagte beispielsweise ein Sprecher des Bundesumweltministeriums der "Welt", das im vergangenen Jahr für innerdeutsche Dienstreisen 3200-mal auf das Flugzeug und 4900-mal auf die Bahn setzte, nachgeordnete Behörden eingeschlossen.

Die Regierung könnte etwas ändern

Seit 2014 jedoch gleiche die Bundesregierung die negativen Klimawirkungen der Dienstreisen aus, 2017 zahlte die Regierung etwa 1,7 Millionen Euro Kompensationsleistungen. Für 2018 liegen noch keine Zahlen vor. Neben der Zahlung des CO2-Ausgleichs, gaben mehrere Ministerien an, verstärkt auf Videokonferenzen setzen zu wollen, um das Klima zu schützen.

Der Inlandsflugverkehr ist laut Umweltbundesamt die klimaschädlichste Form der Fortbewegung. Um das Klima besser zu schützen, wird längst auch im politischen Berlin der Ruf laut, Bahnreisen attraktiver gegenüber dem Flugverkehr zu machen – für Ministerialbeamte und alle anderen Bürger, das hieße: Bahnstrecken ausbauen, Zugverbindungen verbessern, Fahrkartenpreise runter. All das könnte die Bundesregierung selbst veranlassen. Die Deutsche Bahn AG gehört zu 100 Prozent dem Bund.

Quellen: "Welt", UmweltbundesamtDeutsche Bahn, Eurowings, Nachrichtenagentur DPA

Lesen Sie auch:

wue