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Jahrestag: Gedenken an die Befreiung vom Grauen

Vor 60 Jahren wurden die Konzentrationslager Bergen-Belsen, Sachsenhausen und Ravensbrück befreit. Bei Gedenkfeiern warnten Politiker und Überlebende eindringlich vor einem Erstarken von Rechtsextremismus.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel hat anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen mehr Unterstützung beim Kampf gegen den Rechtsradikalismus gefordert. Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung von Minderheiten stellten nach wie vor eine ernsthafte Gefahr da, sagte Spiegel am Sonntag bei der Gedenkfeier auf dem ehemaligen KZ-Gelände laut vorab verbreitetem Redetext. Um sie nachhaltig zu bekämpfen, brauche man "noch mehr Verbündete aus allen Teilen der Gesellschaft".

Auch die Angehörigen von Minderheiten müssten stärker als bisher gegen rechtsextreme Umtriebe in die Offensive gehen, und "eindeutige Gesten der Solidarisierung seitens der Mehrheitsgesellschaft einfordern", sagte Spiegel weiter. Die Tatsache, dass der Antisemitismus 60 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz nicht verschwunden sei, dürfe kein Anlass zu Resignation sein, sondern müsse zu einem entschlossenen "Jetzt erst recht!" herausfordern, sagte Spiegel dem Redemanuskript zufolge.

"Von einer Hölle in die nächste"

Die Häftlinge, die man seit dem Spätsommer 1944 aus anderen Konzentrationslagern nach Bergen-Belsen deportiert habe, seien "von einer Hölle in die nächste überstellt worden", betonte der Zentralratsvorsitzende. Auschwitz sei der Inbegriff des bürokratisch organisierten Massenmordes, "Bergen-Belsen der Inbegriff eines durch geduldetes Chaos verursachten Massensterbens". Bis zur Befreiung des KZs am 15. April 1945 seien durch Seuchen und Hunger 50.000 Häftlinge und 20.000 sowjetische Kriegsgefangene ums Leben gekommen. Rund 14.000 Männer, Frauen und Kinder seien noch nach der Befreiung des Lagers bis Ende Juni 1945 an den Folgen der Haftbedingungen gestorben.

An der Gedenkfeier auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslager nahmen auch rund 5.000 Überlebende des Lagers teil. Bei der Gedenkfeier sollten auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff und die ehemalige Präsidentin des Europäischen Parlaments, Simone Veil, sprechen, die zu den Überlebenden des Lager zählt.

AP / AP