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20 Jahre Mauerfall - Interview mit Stephan Krawczyk: "Vielen hängt die Ostalgie zum Hals raus"

Ex-Stasi-Spitzel in Landesparlamenten, ein Minderwertigkeitsgefühl im Osten. Im Interview spricht Liedermacher Stephan Krawczyk über den Spitzelstaat DDR, dessen Erben - und die Mauer in den Köpfen.

Herr Krawczyk, was machen Sie am 9. November? Trinken Sie ein Gläschen Champagner?
Nun, Champagner vielleicht nicht. Ich neige eher zum Bier. Damit kann man kräftiger anstoßen. Es gibt ja auch Grund zum Feiern. Dass an der innerdeutschen Grenze nicht mehr geschossen wird, ist ein großer Schritt aus der Barbarei zurück zur Kulturnation.

Stasi-Spitzel sind längst wieder in Amt und Würden, sitzen sogar im Parlament, wie zum Beispiel Kerstin Kaiser, Fraktionsvorsitzende der Linken im Brandenburger Landtag. Geht das für Sie in Ordnung?
Nein, natürlich nicht. Was für eine Frage. Dass sich die PDS damals umbenannt hat in "Die Linke" war ein cleverer Schachzug. Der Name lässt die Leute schnell vergessen, dass diese Partei die Nachfolgerin der SED ist. Stasi-Spitzel haben ihre Mitmenschen verraten und in Kauf genommen, dass sie Repressalien erdulden mussten, ins Gefängnis geworfen oder schlimmstenfalls sogar ermordet wurden. Daran gibt es nichts zu deuteln und zu entschuldigen. Wer bestimmte Grundsätze einmal verraten hat, ist dazu unter Umständen wieder fähig. Die Möglichkeit, Macht zu missbrauchen, anderen das Leben schwer zu machen, bietet jedes öffentliche Amt.

Aber die PDS hat sich - wenn auch nach Zögern - für die Mauertoten entschuldigt.
Das war Kosmetik. In Wirklichkeit schweigt die Linke die Vergangenheit tot oder ignoriert sie weiter. Folgendes Beispiel: Die Linke im Erfurter Landtag hatte auf ihrem Kopfbogen lange Johann-Sebastian-Bach-Straße stehen, obwohl die Straße schon lange nach Jürgen Fuchs benannt ist, dem DDR-Schriftsteller, der im Stasiknast wahrscheinlich bestrahlt wurde und vor zehn Jahren an den Folgen dieser ungeheuerlichen Tat gestorben ist.

64 Prozent aller sogenannten Ossis fühlen sich angeblich als Menschen zweiter Klasse. Können Sie das nachvollziehen?
Jedes vierte Kind im Osten lebt in Armut. Das darf von der Gesellschaft nicht hingenommen werden. Es gibt genügend Gründe, sich als Mensch zweiter Klasse zu fühlen, wenn man arm ist. Aber ich denke, bei den 64 Prozent sind auch viele dabei, die sich schon allein deshalb als Menschen zweiter Klasse fühlen, weil sie die falschen Filme sehen, in denen ihnen ein Luxusleben vorgegaukelt wird, und mit dementsprechend falschen Vorstellungen herumlaufen.

Nachdem die erste Euphorie über den Fall der Mauer verebbt war, schwappte eine Ostalgie-Welle über den Osten. Haben Sie dafür eine Erklärung?
Euphorie ist ein das Bewusstsein trübender Zustand. Als man daraus erwachte, hätte man gern jemand gehabt, der einen an die Hand nimmt und durch das neue Leben führt. Dafür war aber keiner zuständig - und deshalb war es für viele ein böses Erwachen in Veränderungen, vor die man im Kinderzimmer DDR niemals gestellt worden wäre. Also wünscht man sich die alten Verhältnisse plötzlich wieder zurück. Aber das ist natürlich keine mündige Haltung der Geschichte gegenüber. Man darf eben nicht vergessen, dass es nur ein Zehntel der Gesellschaft war, das auf die Straße gegangen ist. Für den großen Rest waren die Veränderungen keinesfalls gewollt. Gewollt im Sinne von einem darauf gerichteten Willen, der eine Handlung nach sich zieht. Wer sich permanent nach einer Zeit zurücksehnt, die vorbei ist, lebt nicht im Hier und Jetzt. Aber wo lebt er denn dann? In einer Vergangenheit, die es so nicht gab?

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck sagte: "Im Jahr 2009 sind zwei Jahrzehnte seit unserer friedlichen Revolution vergangen. Und wer sich 20 Jahre ernsthaft bemüht hat, unser Gemeinwesen zu gestalten und die Demokratie voranzubringen, hat ein Recht darauf, dass seine gesamte Lebensleistung gewürdigt wird." Was halten Sie davon?
Gehört zur gesamten Lebenszeit nicht auch die Mitläufer- oder Täterzeit in der DDR? Was gibt es daran für Herrn Platzeck zu würdigen? Ach ja, er will Ruhe haben in seinem Bundesland. Der Zuspruch, den die Linke erfährt, zeigt doch deutlich, dass die Menschen vergessen wollen, was am Sozialismus gestunken hat. Sie sehnen sich nach der Heilung ihrer Vergangenheit. Doch durch Verdrängung wird es zu keiner Heilung kommen, nur zur Verklärung, Beschönigung, Lüge. Keine guten Voraussetzungen, um heute Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. Die Linke übernimmt nicht die Verantwortung für die Vergangenheit, wie will sie die Gegenwart verantwortlich mitgestalten? Mich jedenfalls überkommt ein Ekelgefühl, wenn ich sehe, wie Ex-Stasi-Spitzel sich jetzt wieder in öffentliche Ämter drängen.

Sie stehen zurzeit in Potsdam auf der Bühne. Das Stück "Staatssicherheiten" lässt Opfer erzählen, wie sie in der DDR gelitten haben. Das Stück wurde mit dem Friedrich-Luft-Preis ausgezeichnet. Ein Kritiker aber höhnte, in diesem Stück würde der "Stasi-Opfer-Verein" seinen "Stasi-Komplex" aufarbeiten. Trifft Sie das?
Ach, Kritiker nehmen doch häufig eine Haltung ein, mit der sie von oben herab auf Dinge und Menschen schauen. Sie haben es natürlich auch leicht, waren nicht selbst betroffen, mussten die DDR nicht aushalten. Sie scheren sich nicht um die Würde der Opfer. Wichtiger ist für mich aber, wie das Publikum das Stück aufnimmt. Bislang waren alle Vorstellungen ausverkauft. Stehende Ovationen sind nicht selten. Die Menschen wollen aus berufenem Munde authentische Berichte hören. Das bietet unser Stück. Es gibt sehr viele Menschen, denen die Ostalgie zum Hals heraushängt, nämlich all jene, welche die Geschichtslüge nicht nötig haben.

Nach dem Fall der Mauer war oft die Rede von der Mauer in den Köpfen der Menschen. Steht die 20 Jahre später noch?
Die steht noch. Bei manchen. Und die werden sie wahrscheinlich mit ins Grab nehmen. Es dauert vielleicht noch ein zwei Generationen, bis die Mauer als Teil des hiesigen Lebens vergessen sein wird.

Unterscheiden Sie eigentlich selbst zwischen Ossis und Wessis? Und wenn ja, was nervt Sie an so genannten Wessis am meisten?
Ich habe die Leute nie danach eingeteilt, ob sie nun im Westen oder Osten geboren sind. Das ist ein Klischee, das irgendwann aufkam und modern wurde. So ein Klischee schafft Fronten und Streit. Die Medien haben was zu berichten. Ich nehme jemanden nur als Wessi wahr, wenn er ihn auch raushängen lässt. Das kommt vor und hängt, wie so vieles, vom Charakter ab.

Erkennt man Sie eigentlich noch auf der Straße?
Ja. Erst gestern wieder.

Was ist passiert?
Eine Frau sah mich an und meinte: ,Sind Sie nicht...' Ich sagte ja. Und radelte weiter.

Stephan Krawczyk hat gerade ein neues Buch herausgebracht: "Der Himmel fiel aus allen Wolken" - Eine deutsch-deutsche Zeitreise. Evangelische Verlagsanstalt, 2009, ISBN: 978-3374027095. 239 Seiten, 17,80 Euro.

Kerstin Herrnkind
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(