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Maybrit Illner: "Steinewerfer-Typen gibt's nicht mehr"

Politik ist spannend, sagt Maybrit Illner. Wenn nur diese Politiker nicht wären. Die ZDF-Moderatorin im stern-Gespräch über Talk in Zeiten der Großen Koalition, Kampf um Quoten und die Angst vor der Endzeitstimmung.

Eine Ihrer letzten Sendungen hieß: "Zu alt für den Job! Zu jung für die Rente?" Fürchten Sie, dass sich Ihnen diese Frage bald selbst stellt?

Klingt wie eine Variation von "Too Old To Rock'N'Roll, Too Young To Die"! - Im ZDF kann man in Würde altern.

Wir fragen eher der Quoten wegen. Die sind nicht sonderlich gut. Kann das zum Anfang vom Ende für "Berlin Mitte" werden?

Einspruch. Die Sendung, die Sie zitieren, hatte rund 2,4 Millionen Zuschauer. Und das um elf Uhr abends. Das ist wirklich gut.

Unbestreitbar ist, dass die politischen Talkshows ein Problem haben. Sabine Christiansen reagiert. Sie versucht es mit weniger Politikerköpfen. Was macht Maybrit Illner?

Wieder Einspruch. Wir hatten ein tolles erstes Halbjahr, ein etwas anstrengendes zweites, werden im Jahresschnitt aber erneut über zwölf Prozent Marktanteil liegen. Das ist das komplette Gegenteil von "problematisch". Unruhig ist es eher bei der ARD. Oder bring ich da was durcheinander?

Der Reiz, sich Woche für Woche die immer gleichen Politiker anzusehen, hat dennoch stark abgenommen. Lässt Sie das kalt?

... deshalb bieten wir das seit Jahren nicht mehr an. Viel von der jetzigen Debatte ist wirklich eine Mediendiskussion.

Sind Sie Politikerin geworden? Die erklären Kritik auch immer so.

(lacht) Der Trend geht dahin, dass Politiker Moderatoren werden, nicht umgekehrt. Ich teile nur die These nicht, dass sich die Menschen grundsätzlich nicht mehr für Politik interessieren. Sie interessieren sich nicht für den streckenweise irrwitzigen Streit der Politiker, wohl aber für Fragen, die ihr Leben gravierend betreffen ...

Und deshalb müssen Sie nichts ändern?

Machen wir. Wir haben in den vergangenen Monaten einiges ausprobiert, um uns und unser Publikum zu testen ...

Also doch die Suche nach einem neuen Weg?

Natürlich suchen wir immer nach neuen Wegen. Wir sind näher an den Menschen. Wir wollten aber auch mal sehen, ob mal ein einziger Gast die Sendung trägt, Franz Beckenbauer zum Beispiel, der nicht nur weltmeisterlich kickte, sondern auch weltmeisterlich eine WM ins Land holte. Wir haben getestet, ob wir mehr gesellschaftliche Themen machen sollen.

Und was haben Sie gelernt?

Zum einen war es gut, das auszuprobieren. Ansonsten hätten Sie uns doch wegen mangelnder Kreativität kritisiert. Zum anderen hat sich gezeigt: Je dichter wir an den Sorgen der Menschen sind, umso erfolgreicher ist die Sendung. Wir konfrontieren die Kauders und Strucks der Republik eben auch mit der Hartz-IV-Empfängerin. Diese Sendung hatte 14,5 Prozent Marktanteil.

Aus dem Talk unter Politikern wird ein Streitgespräch zwischen oben und unten?

Sagen wir, zwischen jenen, die entscheiden, und jenen, die mit diesen Gesetzen leben müssen. Beunruhigend ist doch die wachsende Kluft zwischen dem, was die Leute als Lösung ihrer Probleme empfinden würden, und dem, worauf sich die Große Koalition bisher verständigen konnte.

Was dazu führt, dass das Publikum die üblichen Verdächtigen aus Parteien und Verbänden nicht mehr hören will.

Die Verantwortlichen sollen uns schon Rede und Antwort stehen. Aber sie sollen eben nicht unter sich bleiben, sondern sich mit klugen und leidenschaftlichen Gegenspielern auseinandersetzen müssen. Wir setzen schon seit vier Jahren nicht mehr nur Berufspolitiker auf unsere fünf Stühle. Das wäre zwar schnell gemacht, aber dann gäbe es vermutlich die Sendung nicht mehr. Und ungefähr genauso lange hören wir schon die Abgesänge auf die politische Talkshow.

Hat der Einzug der Großen Koalition Ihnen das Leben schwer gemacht?

Sie hat es verändert. Der Unterhaltungswert des politischen Personals ist gesunken. Anders als nach der Wahl von Rot-Grün vor acht Jahren. Da hatte sich beispielsweise einer vom Taxifahrer zum Außenminister hochgearbeitet - ein 68er mit dem Image des "Steinewerfers". Solche Typen gibt's weniger. Deshalb kümmern wir uns jetzt weniger um die Politikverkäufer und konzentrieren uns auf die Probleme.

Die Wahlbeteiligung sinkt, die Politikverdrossenheit steigt. Sind die Talkshows Teil des Problems oder Teil der Lösung?

Wir sind nicht die Verursacher des Dilemmas. Und wir wären gern Teil der Lösung. Deshalb laden wir auch nicht in einen Salon ein, in dem abgehoben geplaudert wird. Sondern in eine Werkstatt, in der es darum geht, nach den besten Lösungen zu suchen. Wir wollen klar zeigen, wo die Interessenunterschiede liegen, wie die Lobbys arbeiten. Warum setzt sich wer womit durch? Wem nutzt das? Wem schadet das? Wo läge die beste Lösung - für den Wähler, nicht den Lobbyisten ...

Und?

Echte Lösungen sind Mangelware. Über die "Genialität" der Gesundheitsreform ist ja schon viel geschrieben worden. Nehmen wir also zur Abwechslung mal die "Rente mit 67". Die Novelle wird verkündet, prompt folgen die Ausnahmen. Erste Ausnahme: Wer auf 45 Beitragsjahre kommt, darf früher raus. Zweite Ausnahme: Altersteilzeit. Wer sich bis zum Stichtag meldet, darf mit 62 raus! Und zu guter Letzt: Die Gehaltsumwandlung wird erschwert. Begründung: Sie hat zu gut funktioniert. Das ist polylogisch. Und parallel dazu "bitten" wir die Wirtschaft mit neuen Steuermillionen, doch noch den einen oder anderen 55-Jährigen einzustellen ...

Wenn man Ihnen zuhört, dann sind Sie die wahre Opposition zur Großen Koalition.

Pardon, ich habe nur den Inhalt einer Gesetzesinitiative beschrieben und was es bei den Leuten auslöst: Verunsicherung!

Nein, Sie tun, was eigentlich die Aufgabe von Westerwelle, Gysi, Künast und Co. wäre.

Hier und jetzt, aber doch nicht in der Sendung. Die Opposition hat es sicher schwerer. Aber wir können die Kollegen ja nicht als Troika in jede Sendung einladen ... Die reizvolle Frage lautet: Wen setzen wir neben Koalition und Opposition auf die Stühle drei bis fünf?

Den Rentner, den Kranken, die Mutter, den Lehrer?

(lacht) Na ja, wir haben ja nur drei Stühle über. Wir könnten also einen kranken Lehrer einladen, eine Mutter und einen Rentner. Oder die Mutter eines Lehrers und einen Rentner. Aber mal wieder seriös: Zwei Entwicklungen sind doch spannend. In allen Parteien wird die Frage diskutiert: Mit wem wollen wir noch solidarisch sein? Außerdem gibt es keine monolithischen Blöcke mehr: hier die Wirtschaft, da die Gewerkschaft; hier links, da rechts. Viele ritualisierte Feindschaften haben sich schlicht erschöpft. Politiker, Bürger, Mittelstand und "Prekariat" beobachten, wie der Luxusliner Deutschland Kurs nimmt auf den Eisberg Globalisierung.

Donnerwetter. Hier spricht ja die neue Politikerin.

In der Schule nannte man das Bildbeschreibung. Mehr habe ich gerade auch nicht geliefert. Ich glaube, dass wir in hochpolitischen Zeiten leben und es fatal wäre zu sagen: Lassen wir einfach alles laufen. Machen wir noch eine Volksmusiksendung mehr.

Was sind Sie eigentlich: Volkshochschullehrerin, Showstar oder Politdompteurin?

(Pause)

Sie sprachlos? Das freut uns.

Eigentlich würde für meinen Job das Not-Abitur reichen. Oder: gesunder Menschenverstand. Oder einfach, um einen weniger verdächtigen Begriff zu gebrauchen: Denkwilligkeit.

Wollen Sie nichts bewirken?

Ich will eine gewisse Wachheit erhalten, das Interesse der Bürger für Politik. Ich möchte verhindern, dass am Ende die große Apathie ausbricht, das Endzeitgefühl: Die da oben machen sowieso, was sie wollen. Es gibt in "Winnie Puuh" diesen genialen Charakter: I-Aah, der fatalistische Esel. Ich würde gern der I-Aahisierung des Deutschen Volkes entgegenwirken.

Statt seichter Themen weiter harter Stoff?

Kommt darauf an, wie man "hart" definiert. Die demografische Entwicklung etwa ist ein Dauerbrenner. Wir überlegen immer wieder, wie wir solche Themen halbwegs verdaulich diskutieren können. Das machen wir mit der "Super Nanny" Katharina Saalfrank, dem Rentner vom Verein "Jahresringe" und eben auch mit Politikern.

Im nächsten Jahr bekommen Sie einen starken Gegner: Günther Jauch. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie hörten, dass er Nachfolger von Christiansen wird?

Ich hab mir sofort Haldol verschreiben lassen, eine Gehaltserhöhung verlangt und eine Kur in Bad Füssing gemacht. So, und jetzt mal wieder seriös: Günter Jauch hat sich nicht den "hochattraktiven" Sendeplatz am Donnerstagabend gesichert, sondern den Timeslot nach dem "Tatort". Außerdem ist er Sabine Christiansens Nachfolger, nicht meiner.

Was lesen Sie aus der ARD-Entscheidung? Weitermachen oder umdenken?

Zunächst mal lese ich daraus, dass ein Sender mit neun Landesanstalten in seinen eigenen Reihen keinen Christiansen-Erben findet. Da pflegt das ZDF seine Marken besser.

Wie oft schauen Sie sich an, was die Konkurrenz von Beckmann über Kerner bis Sandra Maischberger zeigt?

Ich empfinde die Kollegen nicht als Konkurrenten. Alle drei machen Unterhaltungssendungen, in denen Menschen porträtiert werden. Wir porträtieren gesellschaftliche Sachverhalte. Talk ist nicht gleich Talk.

Keine Antwort auf unsere Frage: Schauen Sie nun die Konkurrenz?

Ich sehe mir die Nachrichten an. Natürlich. Aber auch meine Mitbewerberin in der ARD ...

Sabine Christiansen.

Klar! Ich habe auch schon "Simpsons" auf Pro Sieben und "Nikola" auf RTL gesehen.

Wer ist eigentlich der schönste Moderator im ganzen Land?

Na, das ist ja 'ne süße Frage.

Sicher. Und Ihre Antwort?

Harald Schmidt. Als Mann ist er mir aber zu klein. Mein Gatte misst 1,96 Meter! Außerdem hat er mehr gelesen.

Und was ist mit Frank Plasberg von "Hart aber fair"?

Plasberg hätte die Nachfolge von Sabine Christiansen verdient. Aber das steckt der schon weg.

Sind Männer belastbarer als Frauen?

(lacht) Männer sind überhaupt toll.

Ihre männlichen Kollegen sind dauernd auf Sendung - die moderieren Talkshows, WM-Finale, Gala-Veranstaltungen ... Maybrit Illner sieht man dagegen nur am späten Donnerstagabend. Stört Sie das?

Na ja, ich hab halt nich' so eine Spaßsendung, die man mal so nebenbei macht. "Berlin Mitte" ist hartes Brot. Ich kümmere mich ums "Kerngeschäft", moderiere Diskussionen, Preisverleihungen wie zuletzt den "Viktor-Klemperer-Preis" oder Charity-Veranstaltungen, nicht nur für das Deutsche Rote Kreuz. Das reicht.

Sie hätten keine Lust, zum Beispiel mal ein WM-Finale zu moderieren?

Also, da gibt es nun wirklich echte, preisgekrönte Helden der Sportreportage. Außerdem war ich schon mal Sport-Mieze und hab mich entliebt. Genauso wie ich mich eines Tages von der Politik entlieben könnte.

Anders als viele Kollegen scheinen Sie auch keine Zeit für Werbung zu haben.

Das entscheidet jeder für sich selbst. Für mich als Moderatorin einer politischen Sendung kommt das nicht infrage. Mal ganz davon abgesehen, ob meine Chefs mir das erlauben würden. Ich frage die gar nicht erst.

Hatten Sie Angebote?

Von probiotischer Ernährung bis hin zu sehr schicken, sehr schnellen Autos, die ich sogar gut finde. Nur, wie soll ich einen Vorstandschef "verhören", wenn ich zeitgleich für Produkte seiner Firma werbe? Glaubt doch kein Mensch!

Fangfrage zum Schluss: Schröder oder Merkel - wer ist besser?

Ich betrachte Politiker nicht als Gesamtkunstwerk, sondern gucke mir lieber einzelne Entscheidungen an, aber ...

... schon wieder so 'ne Politiker-Ausrede.

Schröder bräuchte mehr Platz. Und Frau Merkel? Ich versuch's mal damit: In der Antike gab es die Technik des "verpflichtenden Lobes". Einen Wunsch an den Herrscher verpackte man in ein ausführliches Lob beim Amtsantritt. In diesem Sinne würde ich Angela Merkel sagen: Sie haben ja schon tolle Sachen geleistet. Das Volk wartet aber auf mehr ...

Ist das alles?

Na ja, Angela Merkel hat bisher alle personellen Schlachten gewonnen, aber fast keine inhaltlichen. Ein Berliner Taxifahrer sagte neulich zu mir: "Die is als Maggie Thatcher anjetreten, und jetze spielt se Mutter Beimer."

Interview: Stefan Braun, Jan Rosenkranz / print
Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.
Füllhorn Rente 63 ?
Wer 2018 NEU in den Ruhestand ging a) und die „abschlagsfreie Rente 63“ mit mindestens 45 Versicherungsjahren kassierte, erhielt im Schnitt 1265 Euro monatlich, 1429 Euro (als Mann) bzw. 1096 Euro (als Frau) RENTE. b) und wer die „normale“ Altersrente kassierte, erhielt monatlich im Schnitt 950 Euro, 1080 € (als Mann) bzw. 742 Euro (als Frau) RENTE. Nach Adam Riese bedeutet das, das erst Zeiten ab dem 18. LJ für die Rentenversicherung gewertet werden, dass männliche Nicht-Akademiker über 45 Arbeitsjahre hinweg mehr als 25 Euro monatlich pro Stunde verdient haben müssten. sprich: ab 1973 ! (zu DM-Zeiten 50 DM Stundenverdienst ! ... als Nicht-Akademiker ??) Meine Erfahrung ist, dass man mit 18 zur Armee musste und das anschließende Studium frühestens im 25 LJ beenden konnte -- also in 1981 ! (25 + 45 = 70. LJ mit Altersrente ohne Abzüge). Ergebnis: erst in 2026 könnten vergleichbare Akamdemiker (nach 45 Vers.Jahren) in VOLLE Rente gehen. PS: Nach Rechnung der „Die Linke“ bräuchte man über 37 Jahre hinweg einen Stundenverdienst von mind. 14,50 Euro (29 DM), um NICHT auf die „Grundsicherung für Altersrentner“ angewiesen zu sein; also den statistischen Wert von 800 Euro mtl. Rentenbezug zu überschreiten. Wer erkennt den Zaubertrick der „abschlagsfreien Rente 63“ ? Wer kennt den Zaubertrick, in weniger Zeit, mit weniger Ausbildung, maximale Top-Renten-Ergebnisse zu erzielen ? (welches nicht einmal die gierigsten Börsenbanker und Versicherungsmakler in einer Demokratie für realisierbar hielten) ?