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NDP-Fraktion: Die Schweriner Rechtsausleger

Die NPD hat bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern 7,3 Prozent der Stimmen erreicht und stellt künftig sechs Abgeordnete im Landtag. stern.de hat ihre Biografien recherchiert.

Von Anton Maegerle und Martin Knobbe

Unter den künftigen NPD-Abgeordnete im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern ist zum Beispiel Michael Andrejewski. Er war schon Anfang der 90er Jahre in dem Bundesland als Rechtsextremer aktiv - kurz bevor in Rostock-Lichtenhagen ein Asylantenheim brannte. Nach Informationen von stern.de war Andrejewski, der aus Hamburg stammt, 1992 für ein Flugblatt der Aktion "Rostock bleibt deutsch" verantwortlich. Es wurde in einer angeblichen Auflage von 100.000 Exemplaren in den Neubauvierteln von Rostock verteilt. Titel des Flugblattes: "Widerstand gegen die Ausländerflut."

Die NPD war jedoch nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern erfolgreich, sie konnte auch in Berlin punkten: Die Partei zieht in vier der zwölf Berliner Bezirksparlamente ein. Insgesamt stellt sie elf Bezirksverordnete, jeweils drei in Hellersdorf-Marzahn, Lichtenberg und Treptow-Köpenick, sowie zwei in Neukölln. Unter anderem haben der Bundesvorsitzende der NPD, Udo Voigt, und der in der Szene bekannte rechtsextreme Liedermacher Jörg Hähnel ein Mandat erhalten. In die Bezirksversammlung Treptow ist außerdem der NPD-Landesvorsitzende Eckart Bräuniger gewählt worden, der Anfang der 90er Jahre als Söldner der kroatischen Armee gekämpft hatte. Das Berliner Landesamt für Verfassungsschutz stuft Bräuniger, ehemals Mitglied der zwischenzeitlich verbotenen "Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei" (FAP), als "gewaltbereiten Führungsaktivisten" ein.

Der SPD-Generalsekratär Hubertus Heil sagte nach dem Wahlerfolg der NPD: "Rechtsextreme Verbrecher gehören nicht in den Landtag, sondern vor Gericht." Daraufhin kursierten auf rechtsextremen Seiten Bedrohungen gegen den Politiker: "So könnten wir uns vorstellen, dass Typen von seinem Schlage, die ihr Land und ihr Volk in den Ruin treiben und in fremde Kriege verwickeln, mit einem Strick um den Hals an die nächste Laterne gehören", schreibt ein Neonazi aus Stralsund.

Udo Pastörs, NDP-Landesvorsitzende, will "deutsche Familien" ansiedeln

Jahrgang 1952, Uhrmachermeister und Juwelier, ehemals Geschäftsführer einer Edelmetallhandelsgesellschaft. Stellvertretender NPD-Landesvorsitzender, NPD-Mitglied seit 2000. Udo Pastörs, der vom niedersächsischen Bad Zwischenahn nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen ist, hat nach Recherchen von stern.de in der Gegend um Lübtheen zusammen mit seiner Frau rund 50 Hektar Land gekauft, das nach seinen Vorstellungen mit "deutschen Familien" besiedelt werden soll. Sein Wohnhaus in der kleinen Gemeinde Benz-Briest wollte er nach dem Muster eines "Wehrhofes aus dem Memelland" gestalten. Das Landesamt für Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern charakterisiert Udo Pastörs als "NPD-Altkader mit guten Verbindungen zur Neonaziszene". Der Spitzenkandidat ist namentlich im Verfassungsschutzbericht des Landes Niedersachsen 1997 erwähnt. Grund: Er war Unterzeichner der Hetzschrift "Aufruf an alle Deutschen zur Notwehr gegen die Überfremdung - Der Völkermord am Deutschen Volk". 1998 schrieb er in einem Brief über den Holocaust-Leugner Ernst Zündel, dieser habe "in der Vergangenheit Unglaubliches geleistet". Über Adolf Hitler sagte Pastörs in einem Gespräch mit dem stern: "Er hat ja wahnsinnige Pflöcke eingerammt, auf fast allen Gebieten, er ist ja ein Phänomen gewesen, dieser Mann, militärisch, sozial, ökonomisch. Ich bewerte das jetzt nicht. Ich stelle das nur fest."

Tino Müller, Mitglied der Neonazi-Vereinigung "Heimatbund Pommern"

Jahrgang 1978, Maurer. NPD-Kreisvorsitzender Uecker-Randow, seit Dezember 2005 NPD-Mitglied.

Müller war bislang einer der Führungsköpfe der Neonazi-Truppe "Soziales und Nationales Bündnis Pommern", Sprecher der Bürgerinitiative "Schöner und sicherer wohnen", die viele Rechtsextreme als Mitglieder und 2000 Unterschriften gegen den Bau eines Asylbewerberheimes im Zentrum Ueckermündes gesammelt hat. Müller gehört der Neonazi-Vereinigung "Heimatbund Pommern" an.

Michael Andrejewski, ideologischer Brandstifter in Rostock

Jahrgang 1959, Jurist, Hartz IV-Empfänger. Seit Juni 2004 NPD-Kreistagsabgeordneter von Ostvorpommern und NPD-Stadtrat von Anklam, erster stellvertretender NPD-Kreisvorsitzender Ostvorpommern-Greifswald.

Andrejewski engagiert sich auch ehrenamtlich im "Förderverein Nicolaikirche". Seine politische Laufbahn startete Andrejewski als Gründungsmitglied und stellvertretender Vorsitzender der NPD-nahen Partei „Hamburger Liste für Ausländerstopp“ (HLA), die 1982 gegründet wurde. Die HLA erzielte bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg in den Jahren 1982 bis 1991 Ergebnisse zwischen 0,4 und 0,7 Prozent. 1989 amtierte Andrejewski als Sprecher der Hamburger Hochschulgruppe der DVU.

1992 zeichnete er verantwortlich für ein Flugblatt der Aktion "Rostock bleibt deutsch", das in einer angeblichen Auflage von 100.000 Exemplaren in den Neubauvierteln von Rostock verteilt wurde. Titel des Flugblattes: "Widerstand gegen die Ausländerflut". In dem Text an die "Lieben Rostocker Landsleute" heißt es: "Seid nicht so vertrauensselig, wie wir es im Westen gewesen sind, als uns die Politiker versicherten, es würden nur Ausländer kommen, und das auch nur als Gastarbeiter auf Zeit. Heute haben wir 6 Millionen. Sie nennen sich Einwanderer und erzählen uns, Deutschland gehöre jetzt auch ihnen." In dem Flugblatt wurde auch zur Gründung einer Bürgerinitiative aufgerufen, die „deutsche Interessen" in Rostock vertreten solle. Kontaktadresse war die Postfachanschrift der HLA in Hamburg.

Im August 1992 gingen die Bilder von brennenden Asylantenheimen um die Welt, in Rostock-Lichtenhagen gab es pogromähnlichen Überfälle auf Nicht-Deutsche. Unter dem Beifall vieler Anwohner warfen hunderte Rechtsextremisten Brandbomben und Steine auf das elfgeschossige "Sonnenblumenhaus".

Im Dezember 1992 wurde der HLA-Ableger "Aktion Mecklenburg/Vorpommern bleibt unser" gegründet. Andrejewski, der zeitgleich als HLA-Vize amtierte, wurde Landesvorsitzender der Aktion.

Stefan Köster, verurteilt wegen schwerer Körperverletzung

Jahrgang 1973, Betriebswirt, Versicherungskaufmann. NPD-Bundesgeschäfsführer, NPD-Landesvorsitzender Mecklenburg-Vorpommern, seit Sommer 2004 NPD-Kreistagsabgeordneter von Ludwigslust.

Köster engagierte sich früh in einer Bürgerinitiative gegen Braunkohleabbau in der Griesener Gegend. In seiner Jugend war Köster Mitglied der 1994 vom Bundesminister des Innern verbotenen Neonazi-Truppe "Wiking-Jugend". Am Rande des NPD-Landesparteitages Schleswig-Holsteins im Dezember 2004 hat Köster mutmaßlich auf eine am Boden liegende Frau eingetreten, die zu einer Gruppe von Gegendemonstranten gehörte und die NPD-Anhänger fotografiert hatte. Das Amtsgericht Itzehoe hat Stefan Köster wegen gemeinschaftlich schwerer Körperverletzung zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Köster hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Birger Lüssow, Mitglied der "Aktionsgruppe Festungsstadt Rostock"

Jahrgang 1975, Energieelektroniker, seit Oktober 2005 NPD-Mitglied.

In einer Studie der Universität Greifswald wird Lüssow der Kameradschaft "Aktionsgruppe Festungsstadt Rostock" zugerechnet.

Raimund Borrmann, der Anti-Multikulti

Jahrgang 1960, lernte Koch und studierte Philosophie, er arbeitete in Museen, zeitweilig als Projektmitarbeiter der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, derzeit als selbstständiger Unternehmer.

Borrmann sagt, nach einem halbjährigen Studienaufenthalt in Lyon sei er zur Überzeugung gekommen, dass eine multikulturelle Gesellschaft zum Scheitern verurteilt sei. Deshalb sei er in die NPD eingetreten.