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Neue Chefin der CSU-Landesgruppe: Gerda Hasselfeldt setzt sich durch

Die CSU-Landesgruppe hat eine neue Spitze: Erstmals führt mit Gerda Hasselfeldt eine Frau die Bundestagsabgeordneten der CSU. Die 60-Jährige gilt als ausgleichend - gegenüber der CSU-Zentrale in München will sie aber auch Eigenständigkeit beweisen.

Wenn die Buben sich matt setzen, kommt die Dame zum Zug. Nachdem insgesamt fünf Männer in den vergangenen Tagen um den Vorsitz der CSU-Landesgruppe im Bundestag gerungen hatten, hat CSU-Chef Horst Seehofer eine überraschende Lösung gefunden: Gerda Hasselfeldt übernimmt mit 60 Jahren als neue Landesgruppen-Vorsitzende ein Amt, das zu den Schlüsselpositionen in der schwarz-gelben Bundesregierung zählt. Am Montagabend wurde sie zur ersten Frau an der Spitze der CSU-Parlamentarier gewählt.

Ihre Rückkehr nach zwanzig Jahren in die erste Reihe der Politik hat die ehemalige Bundesgesundheits- und Bundesbauministerin Hasselfeldt Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zu verdanken. Weil dessen Rücktritt wegen der Plagiatsaffäre zu einer Kabinettsrochade führte, in deren Zuge der bisherige Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich Bundesinnenminister wurde, hatte die CSU plötzlich ein Personalproblem.

Und nicht nur das: Im Ringen um den Vorsitz über die 44 Bundestagsabgeordneten drohte den Christsozialen eine Zerreißprobe. Es konkurrierten unter anderem Generalsekretär Alexander Dobrindt, der parlamentarische Geschäftsführer Stefan Müller und Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt um den Posten, der immerhin Zutritt zum Koalitionsausschuss verschafft.

Parallel zu diesem Konkurrenzkampf der Männer beknieten einige CSUler Hasselfeldt, zur Not einzuspringen, um eine Kampfabstimmung und damit womöglich einen andauernden Streit unter den Christsozialen zu verhindern. Aus eigenem Antrieb hätte sich Hasselfeldt wohl nicht zur Verfügung gestellt. Zwar ist sie seit 2005 Bundestags-Vizepräsidentin und war in der Legislaturperiode davor stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion. Doch die für Aufsehen sorgenden politischen Initiativen überließ Hasselfeldt schon seit längerem anderen - nun wird sie wieder deutlich stärker gefordert sein, das Wort zu erheben.

Hasselfeldt wurde am 7. Juli 1950 im niederbayerischen Straubing geboren. Die verheiratete Mutter von zwei Kindern lebt aber seit längerem im Landkreis Fürstenfeldbruck nahe München. Hasselfeldt wuchs mit fünf Geschwistern auf und arbeite schon jung im Betrieb ihrer Eltern mit. Mit 19 Jahren trat sie in die CSU ein - schon ihr Vater war Mitglied. Über die Junge Union kam sie zur Frauen-Union, deren Landesvorsitzende sie 1991 wurde. Da saß sie schon vier Jahre im Bundestag - nächstes Jahr kann Hasselfeld Silberjubiläum als Bundestagsabgeordnete feiern.

Ihre politische Hochphase begann 1989, als Helmut Kohl sie im Zuge einer Kabinettsumbildung zur Ministerin für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau berief. Nach der Bundestagswahl 1990 wurde sie Gesundheitsministerin. Als glücklos wurde Hasselfeldt damals in Bonn erlebt, nach nur zwei Jahren und einigen erfolglosen Kämpfen um Reformen trat sie 1992 ermattet zurück.

Hasselfeldt gehe, ohne Wesentliches zu hinterlassen, urteilte die "Zeit" damals. "Es bleibt nur der sympathische Eindruck, dass sie nicht an ihrem zu großen Stuhl kleben blieb." Ihr Nachfolger Seehofer verlor dagegen kein schlechtes Wort über sie - nun folgte die überraschende Beförderung der CSU-Politikerin, die trotz einer Berufung ins Kompetenzteam von Angela Merkel vor der Bundestagswahl 2005 inzwischen fast in Vergessenheit geraten war.

AFP/DPA / DPA