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SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz in Interview: "Ich verdien' ganz gut, als reich würde ich mich nicht empfinden"

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) 
Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) 
© Maja Hitij / Getty Images
Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD) sieht sich nicht als reich. Das sagte er in einem Interview für die ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Seine Aussage sorgt für Hohn und Spott im Netz. Aber was verdient Scholz eigentlich?

Wie reich ist der Finanzminister? Diese Frage wurde Olaf Scholz (SPD) im "Nach-Bericht aus Berlin" gestellt. Das Format schließt sich an die ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" an und wird unter anderem auf YouTube übertragen. Hier können Zuschauerinnen und Zuschauer ihre Fragen einreichen. Es geht in dem knapp 20 Minuten langen Interview unter anderem um Themen wie die kommende Bundestagswahl, die Warburg Bank, rot-rot-grün und G20. Und am Ende diese Frage, gestellt von Moderator Oliver Köhr für die Zuschauer: "Wie reich sind sie persönlich, Herr Finanzminister?"

Kanzlerkandidat Scholz überlegt kurz und antwortet: "Ich verdien' ganz gut, als reich würde ich mich nicht empfinden." Köhr hakt nach, fragt, ob er sich in der oberen Mittelschicht sehe. Scholz: "Nein, so viel Geld, wie derjenige, der das für sich qualifiziert hat, verdiene ich nicht und habe ich auch nicht als Vermögen."

Kritik an Scholz im Netz

Olaf Scholz, nicht reich und nicht vermögend? In den sozialen Medien sorgt das für Kritik, Spott und Hohn. "Realitätsschwund", schreibt etwa die Hartz-IV-Kritikerin Inge Hannemann auf Twitter. "Ist der Bundesfinanzminister noch nah genug an dem Volk und an der Realität?", fragt ein User. Auf Instagram schreiben Userinnen und User zum Beispiel: "Na ja Flaschen sammeln muss er nicht" und "Gestörte Selbstwahrnehmung".

Einige interpretieren in Scholz Aussage aber einen Seitenhieb auf Friedrich Merz (CDU), der wie Scholz Ambitionen auf das Kanzleramt hat. Merz hatte 2018 in einem Interview mit der "Bild" eingeräumt, dass er Millionär sei, aber sich zur "gehobenen Mittelschicht" zähle.

Ob Seitenhieb oder Realitätsverlust: Was verdient Olaf Scholz als Bundesfinanzminister denn nun? Eine genaue Ziffer, auf Nachkommastellen genau, ist schwer zu nennen, denn es gibt mehrere Verdienste. 

Knapp 15.000 Euro im Monat – plus Zuschläge

Die Entlohnung von Bundesministern ist gesetzlich geregelt, im Gesetz über die Rechtsverhältnisse der Mitglieder der Bundesregierung (Bundesministergesetz). Demnach erhalten Minister ein Amtsgehalt in Höhe von "eineindrittel des Grundgehalts der Besoldungsgruppe B 11."

Nach der Besoldungstabelle 2020 für Beamtinnen und Beamte des Bundes erhält jemand in der Besoldungsgruppe B11 ein Grundgehalt von 14.749,49 Euro im Monat. Laut Bundesministergesetz kommen noch ein Ortszuschlag und eine weitere Entschädigung, wenn der Wohnort nicht zum Regierungssitz verlegt werden kann. Die Höhe dieser Bezüge hänge von familiären Verhältnissen ab, so das Recherchenetzwerk "Correctiv". Wenn die Minister gleichzeitig auch Abgeordnete sind, wird die Abgeordnetenentschädigung gekürzt. Nach Angaben von "Correctiv" erhalten Bundesminister und Bundesministerinnen zusätzlich eine Aufwandsentschädigung von mehr als 3600 Euro im Jahr. 

Scholz und SPD in Umfragen hinten

Das "Handelsblatt" schätzt, dass sich die gesamten Bezüge von Olaf Scholz auf etwa 20.000 Euro im Monat belaufen dürften. Hinzu käme aber noch der Verdienst seiner Frau Britta Ernst. Sie erhalte als Bildungs- und Jugendministerin in Brandenburg etwa 14.000 Euro pro Monat – plus Aufschläge. Mit diesen Bezügen gehört das Ehepaar Scholz und Ernst laut dem Einkommensrechner des Instituts der deutschen Wirtschaft zu den einkommensstärksten in Deutschland.

Olaf Scholz will bei der Bundestagswahl 2021 der nächste Bundeskanzler werden. Aktuelle Umfragen sehen seine SPD zwischen 14,5 und 16 Prozent. Die Union liegt bei 35 bis 36 Prozent. Laut einem RTL/ntv-Trendbarometer von Anfang September dieses Jahres würden sich 37 Prozent für Markus Söder (CSU), jeweils 17 Prozent für Scholz oder Robert Habeck (Grüne) entscheiden, wenn die Deutschen ihren Bundeskanzler direkt wählen könnten. 29 Prozent würden sich für keinen der drei entscheiden.

Weitere Quellen: "Süddeutsche Zeitung", Wahlrecht.de, Deutscher Beamtenbund (DBB)

rw

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