VG-Wort Pixel

Pädophilie-Debatte der Grünen Trittin teilt aus, Beck steckt ein


Ein 25 Jahre alter Text zur Sexualität mit Kindern macht dem Grünen-Politiker Volker Beck zu schaffen. Parteichef Jürgen Trittin setzt in der Pädophilie-Debatte dagegen voll auf Attacke.

Im Zuge der Aufarbeitung pädophiler Verstrickungen der Grünen steht jetzt auch deren Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck in der Kritik. Hintergrund ist die nun gefundene Urfassung eines 1988 erschienenen pädophilie-freundlichen Buchbeitrags von Beck. Sowohl der "Spiegel" als auch der "Kölner Stadt-Anzeiger" hatten in ihrer Freitagsausgabe darüber berichtet. In dem Buchbeitrag hatte Beck dem "Spiegel" zufolge eine "Entkriminalisierung der Pädosexualität" als dringend erforderlich bezeichnet. Gegen Kritik an dem Aufsatz hatte sich Beck wiederholt mit dem Argument gewehrt, der Text sei seinerzeit vom Herausgeber des Buches verfälscht worden. Laut "Spiegel" sollen beide Texte jedoch nahezu identisch sein - im Gegensatz zu den Angaben Becks.

Der wies den vom "Spiegel" erhobenen Vorwurf der Täuschung "entschieden zurück". "Das jetzt gefundene Manuskript, das mir nicht mehr vorlag und an das ich keine genaue Erinnerung mehr hatte, bestätigt meine mehrfach geäußerte Annahme, dass der Text in der Buchveröffentlichung verändert wurde", erklärte der Grünen-Politiker. Zugleich distanzierte sich Beck erneut von der These, es könne bei Sexualkontakten zwischen Erwachsenen und Kindern theoretisch unterschieden werden zwischen "gewaltlosen Sexualkontakten mit Zustimmung und gewaltförmigen, schädlichen Sexualkontakten". Von dieser "falschen Grundannahme" sei sein damaliger Text geprägt gewesen. Er bitte erneut um "Entschuldigung für die damalige Verirrung".

Trittin attackiert Hasselfeldt

Unterdessen attackierte Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin seine Kritiker in der Union mit scharfen Worten. Die Grünen hätten im Bundestag 14 Jahre dafür kämpfen müssen, "dass Vergewaltigungen in der Ehe endlich unter Strafe gestellt werden", sagte Trittin dem "Hamburger Abendblatt". Dafür, dass Kinder nicht geschlagen werden dürften, habe die Partei 17 Jahre lang gekämpft, "alles gegen die Union und gegen deren Politiker wie zum Beispiel Gerda Hasselfeldt", sagte Trittin an die Adresse der Kritiker in der Pädophilie-Diskussion.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass Trittin 1981 für ein kommunalpolitisches Programm der Alternativen-Grünen-Initiativen-Liste (AGIL) verantwortlich gezeichnet hatte, in dem diese in Göttingen Straffreiheit für gewaltfreie sexuelle Handlungen mit Kindern gefordert hatte. Die Grünen sehen sich seit mehreren Monaten mit Vorwürfen konfrontiert, sie hätten Pädophilen-Organisationen in den 1980er Jahren unterstützt und teilweise ihre Forderungen mitgetragen.

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt hatte Trittin den Rückzug von der Spitzenkandidatur der Grünen nahegelegt. Trittin selbst bezeichnete die in dem damaligen Programm vertretene Position als falsch, verwies aber auch darauf, dass sich die Grünen davon längst distanziert hätten. Dem "Hamburger Abendblatt" sagte er nun erneut, die Grünen hätten "diese Fehler vor fast einem Vierteljahrhundert erkannt und korrigiert". Die Vorwürfe würden "ohne Rücksicht auf Wahltermine und Personen" aufgeklärt.

jwi/AFP AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker