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Pädophilie-Debatte der Grünen: Verständnisvoll bis Ende der 80er

Das Pädophilie-Kapitel der Grünen zog sich deutlich länger als bisher bekannt. Wie stern-Recherchen belegen, trafen sich Grüne-Abgeordnete bis Ende der 80er Jahre mit Pädophilen-Aktivisten.

Die Grünen standen weitaus länger in Kontakt mit einer Pädophilen-Organisation als bisher bekannt. Das zeigen stern-Recherchen. Demnach zeigten sich die Grünen im Niedersächsischen Landtag noch im Sommer 1989 offen gegenüber den Forderungen Pädophiler. Der Vorsitzende der Fraktion war damals Jürgen Trittin. Trittin hatte im August in einem Interview über pädophile Strömungen innerhalb seiner Partei gesagt, das "war insbesondere in NRW eine große Debatte".

Trittins Leute standen damals im Kontakt mit der Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität (AHS). So zumindest berichtet es ein Ministerialdirigent des Niedersächsischen Kultusministeriums in einer Broschüre der AHS. Der hohe Beamte nahm selbst an dem Treffen teil. Die AHS war die Nachfolgeorganisation der DSAP, einer Kaderorganisation der Pädophilen in Deutschland.

Weniger Strafen, mehr Zusammenarbeit

Am 20. Juli 1989 nahmen drei AHS-Vertreter eine Einladung der Grünen nach Hannover an und trafen die beiden Landtagsabgeordneten Peter Hansen und Marion Schole. Zuvor hatte die AHS den Grünen ihr Papier zur Sicherheitsverwahrung von Sexualstraftätern im Strafvollzug geschickt.

Es ging um eine Lockerung des Strafrechts, für das sich Pädophilen-Aktivisten schon lange einsetzten. In dem Bericht von dem Treffen heißt es weiter: "Die Abgeordneten der Grünen sprachen auch allgemeine Probleme der Bestrafung Pädophiler an; hier liegt nach eigenem Bekunden ein Schwerpunkt ihres Interesses. Es wurde vereinbart, den Kontakt untereinander aufrecht zu erhalten. Es bestehe, so die Grünen, eine grundsätzliche Bereitschaft, im Sinne der AHS-Positionen politisch tätig zu werden." Ihre Position zum Thema Sex zwischen Kindern und Erwachsenen hatte die AHS ein Jahr zuvor öffentlich gemacht. "Auch pädosexuelle Kontakte gehören zu solchen Handlungen, die trotz Ungleichheit der Partner gleichberechtigt und einvernehmlich gestaltet werden können", schrieb die Organisation in einer Broschüre.

Die Frage des stern, ob er sich an das Treffen seiner Abgeordneten erinnern könne, ließ Trittin durch seinen Pressesprecher beantworten: "Eine Beantwortung solcher Einzelfragen zu Sachverhalten, die mehr als 30 Jahren zurückliegen" sei "so kurzfristig nicht möglich".

Wigbert Löer