Parteitag der Linken in Rostock Personelle Neuaufstellung mit Rückenwind aus NRW


Linksfraktionschef Gregor Gysi sieht nach dem Einzug seiner Partei in den Landtag von Nordrhein-Westfalen gute Voraussetzungen für den Parteitag am Wochenende in Rostock.

Linksfraktionschef Gregor Gysi sieht nach dem Einzug seiner Partei in den Landtag von Nordrhein-Westfalen gute Voraussetzungen für den Parteitag am Wochenende in Rostock. Kurz vor Beginn der zweitägigen Konferenz rief er die Delegierten dazu auf, der vom Vorstand nominierten neuen Führungsriege eine "reale Chance" zu geben. "Ich bin relativ optimistisch und hoffe, dass wir das vernünftig hinbekommen", sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Die Linkspartei will sich am Samstag in Rostock personell neu aufstellen. Die Berliner Haushaltsexpertin Gesine Lötzsch und der bayerische Gewerkschafter Klaus Ernst sollen als Nachfolger von Oskar Lafontaine und Lothar Bisky an die Parteispitze gewählt werden. Als Bundesgeschäftsführer kandidieren die Bundestagsabgeordneten Caren Lay und Werner Dreibus, die Dietmar Bartsch ablösen sollen.

Die Partei hat der neuen Führungsstruktur bereits in einer Urabstimmung mit großer Mehrheit zugestimmt. Diese Entscheidung und der Einzug in den nordrhein-westfälischen Landtag würden den Parteitag "ungemein" erleichtern, sagte Gysi. "Wenn die Urabstimmung gegenteilig ausgegangen wäre oder wenn wir nicht eingezogen wären - das hätte alles zu Chaos und Durcheinander geführt."

Er rechne damit, dass der Erfolg von 5,6 Prozent bei der NRW-Wahl auch die Zustimmung zur neuen Doppelspitze positiv beeinflussen werde, sagte Gysi. Vor allem das Ergebnis für Ernst wird mit Spannung erwartet. Bei der letzten Vorstandswahl 2008 hatte er als stellvertretender Vorsitzender nur 59,2 Prozent der Stimmen erhalten.

Gysi sagte, selbst bei nur einer Stimme Mehrheit könnte Ernst das Amt übernehmen. "Wenn man das erste Mal zum Parteivorsitzenden gewählt wird, dann muss man auch mit einer knappen Mehrheit leben", sagte er. "Beim zweiten Mal muss man sagen: Jetzt müsste ich es eigentlich schaffen, dass ich zulege, weil ich mir Vertrauen erarbeitet habe."

Die Gefahr, dass er oder die scheidenden Parteivorsitzenden Lafontaine und Bisky dem neuen Führungsduo künftig die Show stehlen könnten, sieht Gysi nicht. "Da ich ja will, dass die neue Führung stark wird, da ich ja will, dass sie ihre Rolle als Parteivorsitzende wirklich spielen können, bin ich ja kein Konkurrent für sie", sagte er. "Im Unterschied zu meinem Ruf machen mir Fernsehtalkshows auch nur begrenzt Spaß." Deswegen sei er froh, wenn er sich solche Aufgaben teilen könne.

Er gehe davon aus, dass auch Lafontaine nach seinem Ausscheiden aus dem Spitzenamt "gelegentlich seine Meinung zu bundespolitischen Fragen sagen" werde. Das sei auch wichtig, betonte Gysi. "Die neue Führung wird das zum Teil annehmen und manchmal eben auch nicht annehmen."

DPA DPA

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