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Doppelspitze der Linkspartei: Landesverbände grätschen Parteivorstand dazwischen

Eigentlich war alles schon abgemacht: Nach dem Abgang von Lothar Bisky und Oskar Lafontaine sollten Gesine Lötzsch und Klaus Ernst die neue Doppelspitze der Linkspartei bilden. Doch ein Vorstoß der Landesverbände könnte das jetzt verhindern.

Das designierte Führungsduo der Linken, Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, steht wieder in Frage: Die Parteibasis wird in einem Mitgliederentscheid über das Modell der Doppelspitze abstimmen. Acht Landesverbände hätten sich am Freitag entschlossen, eine solche Mitgliederbefragung beim Parteivorstand zu beantragen, teilte die Linke in Berlin mit. Damit ist die laut Satzung vorgeschriebene Mindestzahl antragstellender Verbände erreicht und die Abstimmung muss stattfinden. Die 80.000 Mitglieder sollen nach Angaben eines Parteisprechers noch vor dem Rostocker Parteitag im Mai entscheiden.

Bisher sieht die Satzung vor, dass die Doppelspitze in diesem Jahr zu Ende geht. Der Vorstand strebte allerdings die Verlängerung des Führungsmodells an, nachdem sich nicht nur planmäßig der Vorsitzende Lothar Bisky zurückziehen will, sondern infolge seiner Krebserkrankung auch dessen Co-Vorsitzender Oskar Lafontaine. Die Ost-Berliner Ex-PDS-Frau Lötzsch und der bayerische Ex-WASG- Funktionär Ernst hatten die Partei gemeinsam aus dieser Führungskrise führen sollen.

Doppelspitze sollte Einheit der Partei gewährleisten

Unter den Antragstellern für den Mitgliederentscheid sind den Angaben zufolge, Landesverbände aus Ost- und Westdeutschland. Die Landesvorsitzenden von Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein, Thomas Nord, Klaus Lederer und Cornelia Möhring, wollen den Antrag am Montag den Journalisten in der Hauptstadt vorstellen.

Biskys Rückzug war seit langem geplant. Er ist inzwischen Abgeordneter im Europaparlament. Mit der Krebserkrankung ihres Aushängeschildes Lafontaine stürzte die Partei in eine Führungskrise, die sich mit seiner Rückzugsankündigung nach überstandener Operation noch verschärfte. Die Fortdauer des alten Führungsmodells mit Lötzsch und Ernst sollte die Einheit der noch jungen Partei gewährleisten - vor allem angesichts zunehmender Flügelkämpfe zwischen Reformern und Radikaloppositionellen, Ost- und West-Landesverbänden.

DPA / DPA