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Passagier-Kontrollen: Körperscanner schon bald in Betrieb

Sie sind nach wie vor umstritten, doch sie werden wohl kommen: Schon bald dürften auch an deutschen Flughäfen Ganzkörperscanner im Einsatz sein. Das Bundesinnenministerium prüft neue Geräte.

Ein von der Bundespolizei weiterentwickelter Ganzkörperscanner soll noch im Januar dem Bundesinnenministerium vorgestellt werden. Das in der Bundespolizeiakademie in Lübeck modifizierte Gerät macht laut eines Berichts des Nachrichtenmagazins "Focus" Intimbereiche von Fluggästen unkenntlich. Es berücksichtige Persönlichkeitsrechte und gesundheitliche Aspekte. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte dazu: "Entsprechende Geräte werden derzeit in Lübeck getestet."

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte bereits am vergangenen Mittwoch erklärt, er befürwortete den Einsatz von Ganzkörper-Scannern an Flughäfen für den Fall, dass sie die Persönlichkeitsrechte der Passagiere "vollumfänglich wahren" und gesundheitlich unbedenklich seien. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte der CDU-Politiker, derzeit würden neuartige Geräte entwickelt, die die Körperstrukturen der Passagiere unklarer darstellten, gefährliche Gegenstände aber dennoch erkennen könnten. Ob und wann solche Geräte zur Serienreife gelangten, werde sich im Laufe des Jahres entscheiden.

Eine Frage von Monaten

De Maizières Parteifreund Wolfgang Bosbach rechnet damit, dass Körperscanner noch in diesem Jahr auf allen deutschen Flughäfen eingeführt werden. "Nach meiner Einschätzung werden wir in einem halben Jahr mit Testversuchen auf deutschen Flughäfen beginnen können", sagte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er sei zuversichtlich, dass der Testbetrieb zeigen werde, dass die Persönlichkeitsrechte der Passagiere gewahrt blieben. "Wenn alles glatt läuft, könnte einige Monate später der Normalbetrieb beginnen."

"In Zeiten des Massentourismus können wir auf Körperscanner nicht verzichten", ergänzte der CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl. Er gehe fest davon aus, dass die Technik ohne Gefahren für Gesundheit und Persönlichkeitsrechte einsetzbar sei. Mediziner hatten zuletzt Bedenken gegen den Einsatz der sogenannten Nacktscanner an Flughäfen erhoben. Aus Sicht des Vorsitzenden der Strahlenschutzkommission, Rolf Michel, könnte die Röntgenstrahlung langfristig Krebs und Leukämie erzeugen.

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Klaus Jansen, relativierte zudem den Nutzen der Scanner und warnte davor, sich nur auf die Technik zu verlassen. Die Scanner könnten zum Beispiel Sprengstoff im Körper nicht erkennen, sagte Jansen am Samstag im Deutschlandfunk. Das Problem der Terrorbedrohung würde damit nicht gelöst, sondern lediglich verlagert.

Verkaufsverbote in Duty-free-Shops?

Ende Januar will Innenminister de Maizière im Innenausschuss mit den Experten des Bundestages beraten, welche Maßnahmen für mehr Sicherheit zu ergreifen seien. Neben der Frage der Körperscanner soll es auch um das Thema Duty-Free-Shops gehen. Gewerkschaften von Polizisten und Piloten haben bereits ein Verkaufsverbot für Rasierklingen, Feuerzeuge, hochprozentigen Alkohol einschließlich Parfüm im besonders gesicherten Abflugbereich gefordert.

"Jenseits der Sicherheitsschleusen bekommen mögliche Attentäter in Duty-free-Shops und Restaurants alles, was sie für den Bombenbau brauchen", sagte der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Er forderte von der Europäischen Union ein EU-weites Verkaufsverbot für potenziell gefährliche Stoffe. Zudem sollten Restaurants im Abflugbereich kein Metallbesteck ausgeben dürfen. "Die Sicherheitsinteressen der Bürger müssen Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben." Auch der Sprecher der Piloten-Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerk, beklagte erneut, dass Passagieren bei der Kontrolle harmlose Wasserflaschen abgenommen würden, sie hinter der Schleuse aber oft brisante Waren kaufen könnten. Zwar könne man mit Rasierklingen kein Flugzeug sprengen, aber die Besatzung angreifen, so Handwerk.

Die neuerliche Diskussion um die umstrittetenen Durchleuchtungsgeräte, die ohne Modifikation den menschlichen Körper in allen Einzelheiten abbilden können, war durch die Tat eines aus Nigeria stammenden islamistischen Extremisten ausgelöst worden, der an seinem Körper Sprengstoff an Bord einer amerikanischen Passagiermaschiene schmuggeln konnte. Der Mann, der Kontakte zum Terrornetz al Kaida gehabt haben soll, konnte erst in letzter Sekunde durch den beherzten Einsatz eines Passagiers daran gehindert werden, das Flugzeug in die Luft zu sprengen.

AP/AFP/DPA/dho / AP / DPA