Peter Ramsauer zum Transrapid "Tiefensee darf kein Totengräber sein"


Edmund Stoiber ließ die Öffentlichkeit wissen, die Transrapid-Strecke zum Münchner Flughafen werde gebaut - aber Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee zog das Projekt wieder in Zweifel. Ja, wie nun? Im stern.de-Interview redet CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer Tacheles.

Herr Ramsauer, nach dem letzten Treffen der Parteispitzen der Großen Koalition sah es so aus als sei der Transrapid für München gesichert. Jetzt klingt das wieder anders. Was ist los?

Der Transrapid muss nicht für München oder für Edmund Stoiber oder Bayern gesichert werden, sondern für Deutschland. Ich versehe das mit einem starken doppelten Ausrufezeichen. Hier geht es um eine Welttechnologie. Der Transrapid ist keine stoibersche Marotte oder ein bayerisches Sonderprojekt, sondern eine Kernaufgabe für den Technologiestandort Deutschland.

Na ja, erstmal geht es drum, dass die Münchner, allen voran Edmund Stoiber, schneller zum Flughafen kommen.

Das ist richtig. Aber es geht doch hier nicht um Edmund Stoiber, sondern es ist ein nationales Technologieprojekt. Und es ist ein Bestandteil von transeuropäischen Netzen, wenn wir Infrastruktur zukunftsweisend gestalten wollen. Wenn man sich die Geschichte des Transrapid anschaut, dann ging es zunächst um ganz andere Projekte, zum Beispiel um eine Strecke von Berlin nach Hamburg oder Pläne für einen Metrorapid an Rhein und Ruhr. Aus all diesen Plänen ist zum Schluss aus Gründen der Praktikabilität und Nützlichkeit die Strecke zwischen Münchner Hauptbahnhof und Münchner Flughafen übrig geblieben. Niemand sollte jetzt behaupten, hier gehe es um eine bayerische Extrawurst.

Also muss der Bund mit bezahlen?

Und ob. Genau so wie es zwischen den Parteivorsitzenden letzte Woche vereinbart worden ist.

Glauben Sie noch daran, dass Kurt Beck und Franz Müntefering zu dem Projekt stehen? Oder setzt sich die SPD ab?

Nach meiner Kenntnis des Acht-Augen-Gesprächs hat es zum Transrapid quasi einen verbalen Handschlag der Einigung gegeben. Müntefering und Beck sind herausragende politische Profis, die bei einer so wichtigen Frage ihre Entscheidung nicht von Parteigrenzen oder ideologischen Verfestigungen abhängig machen, sondern für die das nationale Interesse im Vordergrund steht. Deswegen gehe ich davon aus, dass auch die SPD-Seite sich an diese Vereinbarung hält.

Das bedeutet?

Die Hälfte finanziert der Bund, ein Viertel hat der Freistaat Bayern zu tragen und das restliche Viertel wird auf mehrere Schultern verteilt.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee redet da ganz anders.

Ich bin überzeugt, dass sich auch ein zuständiger Fachminister an die politische Hauptvereinbarung der Parteivorsitzenden hält. Der deutsche Verkehrsminister muss wissen: Wenn er sich hier quer legt, dann wird diese Spitzentechnologie nicht weiter verfolgt werden können. Und dann müsste er sich den Vorwurf gefallen lassen, der Totengräber einer Weltspitzentechnologie in Deutschland zu sein.

Teilt Angela Merkel Ihre Position?

Ich kenne Angela Merkel als Kanzlerin und Kollegin, die absolut zu dem steht, was mit ihr vereinbart worden ist. Deswegen antworte ich auf Ihre Frage mit einem kurzen, knappen und klaren Ja.

Wenn es auch keine Marotte von Edmund Stoiber ist - will er sich zum Abschluss noch ein Denkmal setzen?

In keiner Weise. Wir handeln auch in dieser Frage aus deutschem Interesse. Wer anderes behauptet, redet Unsinn.

Interview: Stefan Braun, Hans Peter Schütz

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