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Plagiatsaffäre Schavan will trotz Verfahren in den Bundestag


Annette Schavan kämpft um ihren Doktortitel und die Wissenschaft streitet über das Verfahren. Dienstag berät die Uni über den möglichen Titel-Entzug. Für die Merkel-Vertraute wird es eng.

Bundesbildungsministerin #Link;http://www.stern.de/wirtschaft/job/annette-schavan-90278559t.html;Annette Schavan# (CDU) gibt sich in der Plagiatsaffäre kämpferisch: Die Vertraute von Kanzlerin #Link;http://www.stern.de/politik/deutschland/angela-merkel-90250943t.html;Angela Merkel# (CDU) will auch dann wieder für den Bundestag kandidieren, wenn an der Uni Düsseldorf am Dienstag offiziell ein Verfahren zur Aberkennung ihres Doktortitels eingeleitet werden sollte. In der Wissenschaft gibt es heftigen Streit über die Korrektheit des Verfahrens.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" hat die Promotionskommission der Hochschule inzwischen den Vorwurf der absichtlichen Täuschung abgeschwächt. Gleichwohl halte das siebenköpfige Gremium an seiner Forderung nach Einleitung eines Verfahrens gegen Schavan fest. Schavan habe bei ihrer vor 33 Jahren eingereichten Doktorarbeit in Kauf genommen, mit ihrer Zitierweise gegen gängige Regeln wissenschaftlichen Arbeitens zu verstoßen.

Die Ministerin will in jedem Fall wieder in den Bundestag und sich bereits an diesem Freitag für ein Direktmandat in ihrem CDU-Heimatverband Ulm/Alb-Donau nominieren lassen. "Ich trete am 25. Januar an. Das bin ich der Wissenschaft schuldig", sagte die 57-Jährige der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". CDU-Kreisgeschäftsführer Thomas Schweizer sagte der DPA: "Sie ist unangefochten Kandidatin für das Mandat." Gegenkandidaten gebe es bislang nicht. Laut "Spiegel" steht auch Merkel fest zu ihrer Vertrauten. Ein Rücktritt Schavans komme nicht infrage.

Kritik am bisherigen Vorgehen der Uni Düsseldorf

Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen forderte die Beachtung wissenschaftlicher Kriterien bei der Prüfung von Schavans Doktorarbeit. "Verfahrensrechtliche Korrektheit", wie dies der Universität in einem jüngsten Rechtsgutachten bescheinigt werde, sei notwendige Voraussetzung, aber allein "keine hinreichende Bedingung, um die Entscheidung über die Aberkennung eines Doktorgrades zu begründen", heißt es in der Allianz-Erklärung. Verklausuliert - aber dennoch erkennbar - wird in der Stellungnahme Kritik am bisherigen Vorgehen der Uni Düsseldorf geübt. In der Allianz arbeiten führende Forschungsorganisationen, wie DFG, MPG und Helmholtz, aber auch die Hochschulrektorenkonferenz und der Wissenschaftsrat zusammen.

Zu einem ordentlichen Verfahren gehört laut Allianz "das Mehr-Augen-Prinzip, die Trennung von Begutachten, Bewerten und Entscheiden sowie eine angemessene Berücksichtigung des Entstehungskontextes", heißt es mahnend in der Erklärung. Eine inhaltliche Bewertung könne nur auf der Basis einschlägiger fachwissenschaftlicher Expertise vorgenommen werden. Ein Zweitgutachten eines Fachwissenschaftlers wurde von der Uni allerdings bislang nicht angefordert.

Der bundesweite Philosophische Fakultätentag wies die Kritik der Allianz scharf zurück. Es verbiete sich "sachfremden Verdacht zu streuen", heißt es in der am Sonntag verbreiteten Erklärung. Es gehe im Fall Schavans nicht darum, "die Qualität einer Dissertation umfassend zu würdigen, sondern mit Hilfe allgemeiner, jederzeit für alle Fächer in den philosophischen Fakultäten üblicher Maßstäbe zu klären, ob nach den Regeln überhaupt eine promotionswürdige eigenständige Leistung vorliegt".

Unklar, ob Schavan bei Verlust ihres Titels im Amt bleibt

Zuvor waren bereits Aussagen einzelner Repräsentanten der deutschen Wissenschaft als einseitige Parteinahme pro Schavan verstanden worden und hatten in der Hochschul- und Forschungsszene für heftige Dispute gesorgt.

Ob Schavan im Fall der Aberkennung des Doktortitels im Amt bleiben kann, ist unklar. In Koalitionskreisen heißt es, verliere Schavan ihren Doktortitel, sei sie im Kabinett schwer zu halten - auch mit Blick auf den nahenden Bundestagswahlkampf. Die Eröffnung eines Verfahrens sei aber noch kein Rücktrittsgrund.

Die Plagiatsvorwürfe waren im April 2012 anonym auf einer Internetplattform erhoben worden. Vorgeworfen wird Schavan, Quellen nicht vollständig aufgelistet und zum Teil "verschleiert" zu haben. Auch geht es um wissenschaftliche Standardfragen - etwa wie weit eigene Gedanken und Erkenntnisgewinn von ähnlichen Ausführungen anderer Autoren abgegrenzt wurden.

DPA DPA

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