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Platzecks Hörsturz: Die Leiden des Herrn P.

Seit seiner Doppelfunktion als SPD-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident Brandenburgs rissen die Spekulationen nicht ab, dass sich Matthias Platzeck damit gesundheitlich übernimmt. Nach seinem Hörsturz könnte er einige Ämter abgeben.

Er war wohl der erste deutsche Ministerpräsident, der in Turnschuhen vereidigt wurde. Den heutigen SPD-Bundesvorsitzende Matthias Platzeck hatte 2002 eine Bänderdehnung beim Badminton zur Vereidigung in bequeme Treter gezwungen - eines von etlichen gesundheitlichen Problemen, die den 52-Jährigen in seiner Politiker-Laufbahn heimgesucht haben. Dieses Mal ist es ein Hörsturz, das klassische Alarmsignal des Körpers für Stress.

Spekulationen über zu hohe Arbeitsbelastung

In den vergangenen Jahren machten Sportunfälle, grippale Infekte, eine Lungenentzündung oder auch ein eingeklemmter Nerv Platzeck zu schaffen. Es kann den Strategen in der Potsdamer und Berliner Parteizentrale nicht gefallen, dass Platzeck jetzt erneut Schwäche zeigte - pikanterweise kurz vor einem Treffen zur Gesundheitsreform am Mittwoch.

Schon seit Monaten wird über eine zu hohe Arbeitsbelastung des Multifunktionärs spekuliert - was er selbst und die Partei immer wieder hartnäckig zurückweisen. So könnte es sein, dass Platzeck auf dem Landesparteitag am 1. Juli den Vorsitz der brandenburgischen SPD abgibt. Als möglicher Nachfolger gilt der 48-jährige Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Günter Baaske. Allerdings dürfte es nicht leicht fallen, den bisweilen hemdsärmeligen früheren Sozialminister in den eigenen Reihen durchzusetzen.

Kandidat für eine Kanzlerkandidatur

Nach 100 Tagen im Amt des SPD-Bundesvorsitzenden musste sich Platzeck als Kanzlerkandidat in spe teilweise herbe Kritik anhören. Von Profillosigkeit war da die Rede, von einem "Kuschel-Chef", dem es an Durchsetzungskraft und Härte fehle. "Ich kann lange Strecken gehen", sagt Platzeck zu dem Gegenwind. Und auf einen oft zitierten Satz von Ex-Kanzler Gerhard Schröder - "Nur die Harten kommen in den Garten" - bemerkt dessen Freund und Weggefährte selbstbewusst: "Ich halte mich für fähig, in den Garten zu kommen."

Allerdings wird nach seinem furiosen Landtagswahlsieg auch der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck (57), häufiger gefragt, ob er nicht SPD-Kanzlerkandidat werden müsse. Der wiederum betont, dass der Parteivorsitzende den Erstzugriff hat.

Entlastungen reichen oft nicht aus

Politiker und ihre Krankheiten - ein heikles Thema. Jürgen Leinemann hat das über Altkanzler Helmut Schmidt (87) in dem Buch "Höhenrausch" beschrieben. Einer wie Schmidt lasse sich nicht krankschreiben. "Der fehlt allenfalls mal ein paar Tage wegen einer leichten "Unpässlichkeit", wie sein Regierungssprecher sich ausdrückte, als sich der Chef einen Herzschrittmacher einbauen ließ.Mehr als ein Dutzend Mal war Schmidt als Bundeskanzler bewusstlos zusammengebrochen.

Auch wenn Platzeck schon seit längerem bei Terminen in Brandenburg deutlich kürzer tritt, reicht das zur Entlastung augenscheinlich nicht aus. Hier muss der SPD-Hoffnungsträger vor allem den harten Vergleich mit seinem Ziehvater und Vorgänger Manfred Stolpe aushalten: Der heute 69-Jährige war als Ministerpräsident allgegenwärtig und fehlte in seiner fast zwölfjährigen Amtszeit kaum einen Tag wegen Krankheit.

Von Ronald Bahlburg und Matthias Schröter/DPA / DPA