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Politiker unter Plagiatsverdacht Guttenberg, Koch-Mehrin und Co.


Welcher Politiker hat bei seiner Doktorarbeit geschummelt? Die Beispiele häufen sich. Ein Überblick.
Von Nils Handler

Bernd Althusmann (CDU)

Dass ausgerechnet der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) verdächtigt wird, bei seinem Doktortitel geschummelt zu haben, ist äußerst peinlich. Denn die KMK regelt neben dem Schulsystem auch die bundesweite Forschung an den Hochschulen. Bernd Althusmann (CDU), sieht sich als Opfer einer Kampagne: "Die Vorwürfe sind inszeniert und seit Wochen vorbereitet." Kritiker wie die Vorsitzende des Bundestagsbildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), werfen Althusmann vor, er beschädige den Bildungsstandort Deutschland. Zurücktreten will der Niedersachse trotzdem nicht.

Veronica Saß

Auch Veronica Saß, Tochter von Edmund Stoiber, hat bei ihrer Doktorarbeit dreist abgekupfert. Die Macher der Seite "Guttenplag", die schon den ehemaligen Verteidigungsminister zu Fall gebracht hatte, gründete eigens einen Ableger namens "VroniPlag", der der Tochter des ehemaligen Bayrischen Ministerpräsidenten eklatante Fehler in ihrer Arbeit zum Thema "Regulierung im Mobilfunk" nachwies. So hatte die Juristin zum Beispiel einen Wikipedia-Artikel nahezu komplett übernommen, ohne dies kenntlich zu machen. Ihr wurde der Titel aberkannt.

Jorgo Chatzimarkakis, FDP

Als sein Doktortitel am 3. Juli bei Anne Will diskutiert wurde, kokettierte der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis damit, er habe das Zitieren ohne An- und Abführungszeichen in Oxford gelernt. Das würde die Texte "besser lesbar" machen. Natürlich schlug ihm sofort eine Welle der Empörung von Oxford-Studenten entgegen. Inzwischen hat ihm die Uni Bonn den Doktortitel aberkannt. Und Chatzimarkakis? Will eine neue Dissertation schreiben.

Margarita Mathiopoulos (FDP)

Die Plagiatsvorwürfe gegen die Doktorarbeit von Margarita Mathiopoulos kochen bereits zum zweiten Mal hoch, erstmalig flog sie durch einen Spiegel-Artikel im Jahr 1989 auf. Damals gestand ihr Doktorvater Karl Dietrich Bracher, dass seiner Doktorandin "bedauerliche Flüchtigkeitsfehler" unterlaufen seien, aberkannt wurde ihr der Titel deshalb aber nicht. Nun kündigte die Universität Bonn eine erneute Prüfung an, Grund sei eine "neue Sachlage". Die Politikwissenschaftlerin Mathiopoulos, die an mehreren Elite-Universitäten wie Harvard und Standford in den USA, sowie der Pariser Sorbonne studiert hat, gilt als Vertraute von Außenminister Westerwelle und berät ihn in außenpolitischen Fragen.

Matthias Pröfrock (CDU)

Der schwäbischen Jurist Matthias Pröfrock sitzt für die CDU im baden-württembergischen Landtag. Anfang des Monats erkannte die Universität Tübingen seinen Doktortitel ab. Plagiatsjäger der Internetplattform VroniPlag warfen dem CDU-Politiker vor, bis zu 50 Prozent seiner Doktorarbeit abgeschrieben zu haben, teils habe er dabei Texte aus dem Internet-Lexikon Wikipedia kopiert. Die Universität Tübingen kam zu dem Schluss, dass Pröfrock "keine selbstständige wissenschaftliche Arbeit" abgeliefert habe.

Silvana Koch-Mehrin (FDP)

Silvana Koch-Mehrin, die für die FDP im Europaparlament sitzt, plagte nach dem Verlust ihres Doktorgrades nicht etwa Reue, sie ging in die Offensive: "Meine Doktorarbeit ist nicht frei von Schwächen, nicht selten ungenau, oberflächlich und manchmal geradezu fehlerhaft", sagte sie - dies sei aber ihrer einstigen Alma Mater "seit elf Jahren bekannt" gewesen. Als die FDP-Politikerin kurze Zeit nach Aberkennung ihres Doktortitels Mitglied im Forschungsausschuss des EU-Parlaments wurde, hagelte es heftige Kritik aus der deutschen Forschungsgemeinschaft. Koch-Mehrin verzichtete daraufhin auf ihren Sitz.

Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU)

Freiherr Karl-Theodor von und zu Guttenberg ist mittlerweile der Archetyp des Plagiator. In seiner Salamischeibentaktik gab er zunächst lediglich zu, über "einige Fußnoten gestolpert" zu sein, strauchelte jedoch, als immer neue Vorwürfe ans Licht kamen und stürzte schließlich vom beliebtesten Bundespolitiker ins politische Nichts. Durch seinen Fall wurde das Internet-Wiki Guttenplag bekannt, dem für seine Enthüllungen mittlerweile der Grimme-Preis verliehen wurde. Im März leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein gegen Guttenberg wegen Verstöße gegen das Urheberrecht. Der gefallene CSU-Star plant derweil eine politische Auszeit für mindestens zwei Jahre, bisher hat er sich noch nicht entschieden, ob er die Zeit in London oder den USA verbringen will.


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