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Pressestimmen

G20-Gipfel: "Ein Debakel für die deutschen Polizeikräfte"

Die Bilder des G20-Gipfels in Hamburg gehen um die Welt. Internationale Medien gewichten die Ereignisse unterschiedlich. Während sich britische Medien vorwiegend um das Verhältnis Trump-Merkel kümmern, konstatiert die italienische Presse "ein Debakel für die deutschen Polizeikräfte". 

Polizeivideo zeigt Ausschreitungen in der Schanze

Von Hamburg im Kriegszustand und einem Debakel für die deutschen Polizeikräfte schreibt die italienische Presse mit Blick auf die Krawalle um den G20-Gipfel. Britische Blätter beschäftigen sich mit der Machtverteilung zwischen Washington und Berlin. Ein Überblick: 

In Italien diskutiert die Presse vor allem die Ausschreitungen zum G20-Gipfel in Hamburg:

"Corriere della Sera" (Mailand): "Der Gipfel von Hamburg schließt mit einem Debakel für die deutschen Polizeikräfte, die es nicht geschafft haben, Sicherheit auf der Straße zu gewährleisten. Das könnte sich in ein politisches Problem für Angela Merkel verwandeln."

"La Repubblica" (Rom): "Das Herz eines Hamburgs, das sich seit drei Tagen im Kriegszustand befindet, ist die Geisel des Terrors. Zwischen den Vierteln Sternschanze, Altona und St. Pauli brandschatzen tausende G20-Gegner die zweitgrößte Stadt Deutschlands.(...) Es gibt keine dominierende politische Idee, keine gemeinsamen Ziele, keine historische Ideologie, kein rechts und kein links. (...). Es gibt einen einzigen gemeinsamen Zweck: die Attacke auf 'ein System, das uns ausschließt und uns demütigt'."

In Großbritannien diskutieren Zeitungen über die Positionen des US-Präsidenten Donald Trumps und Bundeskanzlerin Angela Merkel:

"Times": "Der US-Präsident hat sich mit seiner Entscheidung für den Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen, das gestern von 19 der G20-Staaten bekräftigt wurde, von seinen Amtskollegen abgewendet. (...) Angela Merkel, die als G20-Gastgeberin bei der Begegnung mit Wladimir Putin ihre Technik des Augenrollens perfektionierte, wird von einigen als die wahre Führerin der freien Welt gepriesen. Das ist nicht ernst zu nehmen. Merkel hat den Vorteil politischer Langlebigkeit, aber sie hat nie eine Neigung gezeigt, über die europäische Bühne hinauszugehen. Ihr Ziel ist es, die Europäische Union zu verteidigen und zu bewahren, die vorteilhaft für die deutschen Exporteure ist. (...)"

"The Observer": "Schlagzeilen haben in jüngster Zeit nahegelegt, dass Angela Merkel als Führerin der westlichen Welt angesehen werden sollte - statt Donald Trump. Für viele ist Merkel de facto zur Präsidentin Europas und zur globalen Bannerträgerin fortschrittlicher Politik geworden. Das ist eine schwere Bürde. Aber irgendwie ist das auch einfältig. Merkel selbst weist die Rolle der Retterin klugerweise von sich. (...) So hätte Trump - statt sich vor einer mit Bussen herangeschafften Menschenmenge in Warschau als Vorkämpfer der westlichen Zivilisation zu brüsten - seiner Führungsrolle gerecht werden können, indem er bedingungslose Friedensgespräche mit Nordkorea eröffnet oder sich glaubhaft für einen palästinensischen Staat eingesetzt hätte. (...)"

Die Schweizer "Neue Zürcher Zeitung am Sonntag" verteidigt die Arbeitsweise der G20 gegenüber der Demonstranten:

"(...) Doch all die wütenden Demonstranten täuschen sich. Als das G20-Treffen 1999 aus der Taufe gehoben wurde, ging es in erster Linie darum, die Globalisierung zu zähmen. (...) Auch die Kritik der Demonstranten am angeblich diktatorischen Vorgehen zielt ins Leere. Bisher galt an G20-Gipfeln das Konsensprinzip, also eben nicht das Recht des Stärkeren. Das ist oft sehr harzig und resultiert in Wortwolken, deren Tragweite nur Eingeweihte verstehen. Aber das Resultat ist eine Politik des steten Tropfens, der den Stein höhlt, getragen von Nationen, die zwei Drittel der Weltbevölkerung und vier Fünftel der globalen Wirtschaftsleistung repräsentieren."

Polizeivideo zeigt Ausschreitungen in der Schanze


Die französische Zeitung "Le Monde" online analysiert das Treffen zwischen Trump und Putin und die Folgen für Frankreichs Rolle auf der internationalen Bühne:

"Auch wenn es noch schwierig vorherzusehen ist, wie sich die russisch-amerikanische Beziehung in den kommenden Monaten entwickelt, vor allem wegen der Unvorhersehbarkeit Herrn Trumps: Die Annäherung der beiden Anführer nötigt Paris, seine Rolle zu überdenken. Die Spannungen der vergangenen Monate zwischen Moskau und Washington hatten Herrn Macron die Gelegenheit gegeben, als möglicher Mittelsmann und Vermittler aufzutreten, während Frau Merkels Beziehungen mit Herrn Putin und Herrn Trump schwieriger wurden. (...) Es geht jetzt darum, zu vermeiden, dass Frankreich erneut außen vor bleibt, vor allem beim Thema Syrien, wo sich eine amerikanisch-russische Einigung für einen Waffenstillstand im Süd-Westen des Landes abzeichnet (...)." 

Nach G20-Gipfel: Jetzt kann Hamburg endlich aufräumen


pg / DPA