HOME

Reaktionen auf Steinbrück-Kandidatur: Gefährlicher Gegner

Verhaltene Freude bei den Grünen, Häme bei den Linken, und der Kanzlerin ist's, wie sie sagt, egal: Die voraussichtliche Kür von Peer Steinbrück zum SPD-Kanzlerkandidaten löst gemischte Gefühle aus.

Die Grünen haben die erwartete Kür von Ex-Finanzminister Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten der SPD begrüßt. "Es ist gut für den Wahlkampf und schlecht für Bundeskanzlerin Angela Merkel, wenn die SPD heute ihre lähmende Kandidatenfrage klärt", sagte der Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin. In der Parteispitze wurde die Personalie als Zeichen dafür gewertet, dass die SPD nun wirklich um die Kanzlerschaft kämpfen wolle. Hintergrund ist, dass Steinbrück ausgeschlossen hat, ein Ministeramt unter Kanzlerin Merkel anzunehmen.

Bei den Linken hingegen stößt die voraussichtliche Steinbrück-Kür auf klare Ablehnung. "Steinbrück ist der Offenbarungseid der SPD", sagte die stellvertretende Parteivorsitzende Sahra Wagenknecht der "Frankfurter Rundschau". "Er ist das Eingeständnis, dass sie weiterhin für schlechte Renten, niedrige Löhne und lasche Bankenregulierung steht." Mit dem 65-Jährigen bekomme Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) "einen Herausforderer, der in keinem wesentlichen Punkt für eine andere Politik steht".

Die Kanzlerin selbst hat nach Worten von Regierungssprecher Steffen Seibert "überhaupt keine Vorlieben" für einen bestimmten Kanzlerkandidaten der SPD. "Die Bundeskanzlerin wird sich jedem Kandidaten stellen", sagte Seibert am Freitag auf die Frage nach ihrem künftigen Herausforderer. Merkel werde im Wahlkampf klarmachen, was die Bundesregierung geleistet habe "und ihre Ideen für eine gute deutsche Zukunft" vorstellen.

Kann Steinbrück Merkel schlagen?

Kubicki sieht Kandidatur positiv

Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki Steinbrücks absehbare Nominierung positiv. "Steinbrück ist derjenige, mit dem die Liberalen am ehesten reden können", sagte Kubicki der "Rheinischen Post". Eine Ernennung des früheren Bundesfinanzministers sei zwar noch kein Signal für eine Ampelkoalition - "aber wenn es zur Nominierung von Steinbrück kommt, dann ist das das Zeichen, dass die SPD ernsthaft stärkste Partei werden will".

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hingegen sieht den Kandidaten Steinbrück skeptisch. Bei vielen Themen gebe es eine "deutliche Diskrepanz" zwischen dem früheren Finanzminister und der sozialdemokratischen Basis, sagte Bahr der "Saarbrücker Zeitung".

Unionsfraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer bezeichnete die Entscheidung am Freitag als "Troikadämmerung": "Gabriel kann nicht, Steinmeier will nicht - da blieb nur einer übrig", schrieb der CDU-Politiker im Kurznachrichtendienst Twitter. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, twitterte zunächst: "Hoffe, das ist eine Ente." Später schickte er hinterher: "Als Nordrhein-Westfale sach ich ma so: Das lässt viel Raum für die Grünen."

Parteienforscher: Steinbrück ist für Merkel am gefährlichsten

Nach Einschätzung mehrerer Parteienforscher wird die SPD mit Steinbrück den für Merkel schwierigsten Herausforderer aufstellen. "Steinbrück ist sicher der gefährlichste Kandidat, weil er die Wähler in der bürgerlichen Mitte ansprechen kann", sagte der Politologe Gero Neugebauer."Er kann am besten im Lager der Unions-Wähler wildern", pflichtet ihm der Politikwissenschaftler Gerd Langguth bei. Tns-Emnid-Geschäftsführer Klaus-Peter Schöppner bezeichnete als am wichtigsten, "dass die SPD überhaupt die Elend-Kandidatendiskussion beendet hat".

kng/DPA / DPA