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Söders Exit-Plan: Schulen, Spielplätze, Biergärten, Restaurants, Hotels: Bayern prescht bei Corona-Öffnungen vor

Bislang agierte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in Sachen Lockerungsdebatte eher zurückhaltend – lieber zu lange alles geschlossen halten als zu früh wieder alles öffnen. Am Dienstag dann die Kehrtwende.

Bayern setzt die strengen Corona-Regeln Schritt für Schritt außer Kraft: Wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag mitteilte, sollen die Lockerungen nahezu alle Lebensbereiche seiner Landsleute betreffen. Spielplätze, Schulen, Gaststätten, Biergärten, Hotels, Campingplätze, Altenheime – alles wird wieder geöffnet.

Die Maßnahmen und Zeitpläne im Überblick.

1. Gastronomie

Da es draußen weniger Ansteckungen gebe, habe die Landesregierung entschieden, die Außengastronomie als Erstes zu öffnen, sagte Söder am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München. Dies werde ab 18. Mai unter strengen Auflagen erfolgen, Kellner müssten etwa Masken tragen.

In weiteren Schritten sollen in Bayern dann auch weitere Bereiche der Gastronomie geöffnet werden. Ab dem 25. Mai dürfen laut dem Beschluss Restaurants öffnen. Die Gästezahl muss aber begrenzt bleiben, es gibt Vorgaben für die Desinfektion und gesonderte Tische etwa für Familien.

2. Hotellerie

Zu Pfingsten, ab dem 30. Mai, wird der Betrieb von Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätzen erlaubt. Die Wellnessbereiche oder Schwimmbäder der Unterkünfte dürfen aber nicht öffnen.

3. Kindergärten

Ab kommenden Montag dürfen in Bayern bestimmte Kinderbetreuungseinrichtungen wieder öffnen, unter anderem Waldkindergärten und Tagespflegeeinrichtungen mit bis zu fünf Kindern. Die Hälfte aller Krippen- und Kindergartenkinder soll bereits bis Pfingsten wieder in die Kitas können. Niedersachsen hatte Ähnliches angekündigt, will die Zielmarke aber erst eine Woche später erreichen.

4. Schulen

Mitte Juni sollen alle bayerischen Schüler wieder in die Schule gehen können – "wenn das Infektionsgeschehen es zulässt", sagte Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Dienstag. Es solle geteilte Klassen und kleine Gruppen geben mit höchstens 15 Schülern. Außerdem sollen sich Präsenzphasen mit Lernen zu Hause abwechseln, damit Klassen im Wechsel in der Schule sind. Es soll aber "soviel Schule wie möglich" geben. Außerdem soll eine Maskenpflicht auf den Fluren und dem Schulhof, nicht aber im Unterricht gelten. An den Ferienzeiten soll sich nach Angaben Piazolos nichts ändern. "Die Ferien bleiben."

Die weitere schrittweise Öffnung der Schulen soll am 11. Mai zunächst mit den Jahrgängen starten, die im kommenden Jahr ihren Abschluss machen, sowie mit den Viertklässlern der Grundschulen. Am 18. Mai sollen die 1. Klassen folgen, die 5. Klassen der Mittelschulen sowie die 5. und 6. Klassen der Realschulen und Gymnasien. Alle weiteren kommen dann nach den Pfingstferien.

5. Einzelhandel

Ab kommenden Montag dürfen auch alle Geschäfte wieder öffnen, also auch alle größeren. Die bisherige Beschränkung auf eine Verkaufsfläche von maximal 800 Quadratmetern entfällt.

6. Familien

Bereits ab Mittwoch ist es erlaubt, eine Person außerhalb des eigenen Hausstands und auch enge Familienangehörige zu treffen oder zu besuchen. Ab dem Wochenende sind dann auch wieder Besuche in Krankenhäusern und Pfelgeeinrichtungen von einer festen Kontaktperson erlaubt – unter strikten Hygiene- und Schutzmaßnahmen.

7. Spielplätze, Museen, Gedenkstätten und Co.

Ab diesem Mittwoch werden die Spielplätze in Bayern wieder freigegeben. Ab kommenden Montag folgen dann Zoos, botanische Gärten, Museen, Bibliotheken, Galerien, Ausstellungen und Gedenkstätten. 

Söder: "Heute ist Zeit zum Handeln"

Seit dem 21. März hatte es bundesweit zur Reduzierung der Ansteckungsgefahr mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 Ausgangsbeschränkungen gegeben, diese waren zwischenzeitlich immer wieder verlängert und der Infektionslage entsprechend angepasst worden.

In Bayern sind laut Söder aktuell nur noch rund 6400 Menschen am Coronavirus erkrankt. Alleine im Vergleich zur vergangenen Woche habe sich die Zahl der Erkrankten halbiert. Nun sei es daher entscheidend, aus der Krise herauszukommen, langsam und sicher - das bleibe das oberste Gebot. "Heute ist Zeit zum Handeln", betonte der CSU-Chef. "Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für ein vorsichtiges Öffnen. Die Erfolge sind eindeutig."

Das bayerische Konzept sei mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) abgestimmt. Söder betonte mit Blick auf die Konferenz von Bund und Ländern am Mittwoch, dass der bayerische "Pfad der Vernunft" auch für andere Länder eine Blaupause sein könne, die wie Bayern nicht überstürzt handeln wollten.

Zuvor hatte bereits Sachsen-Anhalt seine Kontaktbeschränkungen gelockert, auch Niedersachsen ging in die Öffnungsoffensive, Mecklenburg-Vorpommern – Urlaubsland wie Bayern – hatte ebenfalls die Öffnung seiner Hotels für Ende Mai angekündigt.

mik / DPA / AFP