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Seehofers Privatleben: Wie "Bild" sich um die Ehe kümmert

Kehrt Horst Seehofer nun zu seiner Frau zurück? Oder bleibt er bei der schwangeren Geliebten? Die "Bild"-Zeitung hat getitelt, der CSU-Politiker sei wieder bei seiner Frau - ohne eindeutige Belege. Das politische Berlin schüttelt den Kopf - auch über die Hintergründe der Berichterstattung.

Von Hans Peter Schütz

Mit Kopfschütteln kommentiert das politische Berlin die angeblich neueste Entwicklung in Sachen Horst Seehofer. "Seehofer wieder bei seiner Frau", hatte "Bild" in dicken Lettern gemeldet. Belege dafür konnte das Blatt nicht präsentieren außer der Tatsache, dass sich der Agrarminister von seiner Ehefrau Karin zu einem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen hatte begleiten lassen. Er selbst war für das Blatt auf entsprechende Anfragen nicht zu sprechen.

Gute Kontakte zu höchsten CSU-Kreisen

Das verwundert nicht. Denn als Autorin des Artikels zeichnete die "Bild"-Journalistin Verena Köttker, die auch an der Enthüllung der heimlichen Liaison Seehofers mit der Mitarbeiterin eines Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion wesentlich mitgewirkt hatte. Weshalb sollte Seehofer, so Kenner der Situation, ausgerechnet mit der Zeitung kooperieren, die als Erste das Verhältnis mit der Geliebten Seehofers und deren Schwangerschaft transportiert hatte? Hinzu komme, dass inzwischen feststehe, dass die Journalistin Köttker intensive Kontakte zu jenen höchsten CSU-Kreisen pflege, die nach Seehofers Meinung ganz gezielt die Indiskretion gestreut haben, um ihm politisch im Kampf um den CSU-Vorsitz zu schaden. Die Veröffentlichung könne sehr wohl den alleinigen Zweck verfolgt haben, Seehofer zu einer Stellungnahme zu zwingen, um ihn dann in der politischen Auseinandersetzung mit Erwin Huber um den CSU-Vorsitz zu beschädigen. Vermutlich sei die Veröffentlichung ein Versuch der Gegner Seehofers in der CSU, eine Diskussion wieder zu verschärfen, die zuletzt in der Öffentlichkeit kaum mehr eine Rolle gespielt hatte.

Bisher hatte Seehofer stets erklärt, er werde in einer persönlichen Mitteilung bekannt machen, wenn er seine familiären Verhältnisse geklärt habe. Immer hat er dabei vermieden, einen Zeitpunkt zu nennen. Er lasse sich auch durch die Ende Juni anstehende Geburt des Kindes seiner Geliebten nicht unter Zeitdruck setzen, hat er gegenüber Vertrauten gesagt. Die Betroffene, Frau F., geht sehr selbstbewusst mit der Affäre um. Sie sammelt und kommentiert locker die Zeitungsausschnitte, die über sie und Seehofer berichten und freut sich erkennbar auf das Baby.

Die Mitnahme seiner Ehefrau zum EU-Agrarministertreffen dürfe nicht überinterpretiert werden, heißt es im Landwirtschaftsministerium. Frau Seehofer habe schon vor längerer Zeit den Wunsch geäußert, zusammen mit ihrem Mann zu dem Treffen in Mainz zu reisen. Denkbar sei doch auch, dass Seehofer dazu bereit gewesen sei, um die immer noch nicht geklärte Situation nicht noch zusätzlich zu verschärfen. Kenner der innerfamiliären Situation Seehofers berichten, dass der langjährige Seitensprung des Mannes Ehefrau Karin bis heute psychisch stark belastet. Auch seine Beziehung zu den drei Kindern sei durch die Ehekrise ihrer Eltern erheblich gestört.

Bundespolitik erst noch lernen

In Gesprächen über seinen "Wahlkampf" gegen Huber hatte Seehofer wieder Optimismus erkennen lassen, den Kontrahenten auf dem Parteitag im Herbst schlagen zu können. Nach einigen Patzern Hubers, der einmal Edmund Stoiber als neuen Chef der Hans-Seidel-Stiftung ins Gespräch gebracht hatte, sah sich Seehofer in seiner Meinung bestätigt, dass die CSU in der großen Koalition und in Berlin nicht von einem Mann vertreten werden könne, der als Minister zumindest bis 2009 in München gebunden sei und der "Bundespolitik erst noch lernen muss." Allein in einem Bündnis mit ihm könne der designierte Stoiber-Nachfolger Günther Beckstein bei der nächsten Landtagswahl auch nur annähernd in die Nähe der 60 Prozent kommen, die Stoiber zuletzt erreicht hatte. Nur auf der Basis eines sehr guten Wahlergebnisses könne die CSU-Landesgruppe dann in Berlin sich jenes Gewicht auch gegenüber Kanzlerin Merkel erhalten, das sie bis heute gehabt habe. Schon jetzt sei der Einfluss der CDU-Vorsitzenden auf die politischen Positionen der CSU-Landesgruppe größer als jemals zuvor von einem CDU-Kanzler.