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SPD Kann Sigmar Gabriel wirklich Außenminister bleiben?

Sigmar Gabriel
Würde gern Außenminister bleiben, aber darf er auch? Sigmar Gabriel hat sich mit seinem vorschnellen Wutausbruch womöglich einen Bärendienst erwiesen
© Britta Pedersen / DPA
Nachdem Martin Schulz seinen Verzicht auf das Außenamt angekündigt hat, scheint halb Deutschland davon auszugehen, dass Sigmar Gabriel nun Außenminister bleibt. Dabei ist das keineswegs sicher.

Was für eine Woche für die SPD: Bei den Koalitionsverhandlungen der Union drei wichtige Ressorts abgetrotzt. Den Einzug von Martin Schulz ins Außenministerium angekündigt – und wieder abgesagt. Andrea Nahles als designierte Parteivorsitzende installiert. Und zwischendrin kurz mal Sigmar Gabriel aus dem Auswärtigen Amt gedrängt.

Noch ist völlig unklar, wie diese Kapriolen auf die gemeinen Parteimitglieder wirken mögen, die in den nächsten Tagen mit ihrem Votum über den Koalitionsvertrag abstimmen müssen. Kein Wunder, dass die Parteispitze nach den Eruptionen der vergangenen Tage nun ein Ende der öffentlichen Personaldebatten fordert. "Damit muss jetzt Schluss ein", sagte SPD-Vize Ralf Stegner der "Welt". Es habe sich in den vergangenen Tagen einmal mehr gezeigt, "dass öffentliche Personaldebatten der Partei nur schaden".

SPD muss weitere Personalie klären

Doch ob sie will oder nicht, in Wahrheit muss die Partei eine weitere Personalie klären: Wer soll nach dem Verzicht von Schulz denn nun Außenminister werden?

Auf dem ersten Blicks scheint die Antwort klar: Sigmar Gabriel, wer sonst? Schließlich hat er das Amt im vergangenen Jahr erfolgreich ausgefüllt. Seine Popularitätswerte sind in ungeahnte Höhen geschnellt. Er ist inzwischen nicht nur der beliebteste SPD-Politiker, sondern hat in Umfragen sogar die Kanzlerin überholt.

Das alles galt bis Donnerstagabend. Doch dann ließ Gabriel sich von der Funke-Mediengruppe in einer Art und Weise zitieren, die wirkte, als ob er alle Brücken zu seiner Partei und vor allem zu Martin Schulz abbrechen wollte: "Was bleibt, ist eigentlich nur das Bedauern darüber, wie respektlos bei uns in der SPD der Umgang miteinander geworden ist und wie wenig ein gegebenes Wort noch zählt.", klagte Gabriel. Schlimmer noch: Er instrumentalisierte seine kleine Tochter und machte öffentlich, dass die seinen – ja kann man überhaupt noch sagen: Parteifreund Schulz – als "Mann mit dem Haaren im Gesicht" tituliert hatte.

Gabriel? - "Ein guter Außenminister gewesen"

Da hat sich offenbar was angestaut bei Gabriel. Er hatte vor einem Jahr zugunsten von Schulz auf den Parteivorsitz und die Kanzlerkandidatur verzichtet, um das Außenministerium zu übernehmen. In Berlin wurde kolportiert, Schulz habe ihm das Außenamt auch bei einer erneuten SPD-Regierungsbeteiligung versprochen.

Angesichts dieses Affronts braucht es schon eine gehörige Portion Phantasie, sich Gabriel demnächst wieder in trauter Harmonie inmitten des SPD-Spitzenpersonals vorzustellen. Zumal sein Verhältnis zur designierten Parteivorsitzenden Andrea Nahles als belastet gilt. Zu Gabriels Zeit als Parteivorsitzender diente Nahles von 2009 bis 2013 vier Jahre als Generalsekretärin der SPD und hatte jede Menge damit zu tun, die gefürchteten Vorstöße des Parteivorsitzenden in halbwegs geordnete Bahnen zu lenken.

Kein Wunder, dass sich Partei-Vize Stegner in der "Welt" zur politischen Zukunft Gabriels eher schmallippig äußert: "Er ist gewählter Abgeordneter des Deutschen Bundestags." Zum Vorwurf Gabriels, bei den Sozialdemokraten werde respektlos miteinander umgegangen, erwiderte der Parteivize: "Die SPD kämpft für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, das ist wichtiger als Personen." In den ARD-"Tagesthemen" antwortete Stegner am Freitagabend auf die Frage, ob Gabriel ein guter Außenminister sei: Gabriel "ist ein guter Außenminister gewesen".

Immerhin: Der frühere SPD-Bundesminister Erhard Eppler geht davon aus, dass Gabriel Außenminister bleiben wird. "Ich bin sehr froh, dass Sigmar Gabriel nun seine Arbeit im Auswärtigen Amt fortsetzen kann. Die Idee, den populärsten Sozialdemokraten kaltzustellen, wäre eine raffinierte Form der Parteischädigung", sagte Eppler der "Welt am Sonntag". In der "Bild" wird ein Mitglied der Parteiführung mit den Worten zitiert: "Einen Profi wie Sigmar mit solchen Beliebtheitswerten im Volk rauszuwerfen, kann sich die Partei kaum leisten."

Und wonach klingt das jetzt? Na klar, nach einer Personaldebatte.


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