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Endspurt im Wahlkampf: Geht da noch was bei der SPD?

Martin Schulz hat nicht nur den Anspruch, Kanzler zu werden. Er will seine SPD auch zur stärksten Kraft bei der Bundestagswahl machen.
Umfragen geben dem derzeit wenig Chancen. Oder geht da noch was?

Seit Wochen kann die in Umfragen ihren Abstand auf die CDU nicht verringern. Zwischen 13 und 17 Prozentpunkte hinkt sie hinterher. Trotz allem hält Parteichef Martin Schulz daran fest, am Wahlabend Angela Merkels CDU zu überholen und stärkste Kraft zu werden. Rund drei Wochen sind es noch bis zur Bundestagswahl, die Zeit wird knapp. Ist das also ein Ding der Unmöglichkeit?

Gern verweist die Partei auf Malu Dreyer. Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz konnte im März 2016 die Staatskanzlei halten - und das mit einem überraschend hohen Vorsprung von mehr als vier Prozentpunkten, obwohl ihre SPD zwischenzeitlich bei Umfragen bis zu elf Zähler hinter Julia Klöckners lag. Gründe damals: Die Herausforderin machte in der Flüchtlingsdebatte keine gute Figur, die Regentin holte mit ihrer Persönlichkeit Sympathiepunkte.

SPD gegen CDU: TV-Duell leitete Wende ein

Noch ein Beispiel: Gerhard Schröder. Rund drei Monate vor der Bundestagswahl 2005 lag der SPD-Kanzler in Umfragen mehr als 20 Punkte hinter seiner Herausforderin Merkel. Je näher die Entscheidung rückte, desto mehr legten die Sozialdemokraten zu. Drei Wochen vor der Wahl - also in etwa zum jetzigen Zeitpunkt - lag der Abstand bei etwa 13 Zählern. Nach dem TV-Duell schrumpfte er dann immer weiter.
Am Ende lagen die Sozialdemokraten fast gleichauf mit der Union - gerade einmal ein Prozentpunkt trennte sie.

SPD will Endspurt hinlegen

Einen solchen Endspurt will die SPD noch einmal hinlegen, auch wenn sie diesmal nicht aus der Position des Regierungschefs agiert.
Allerdings will - anders als damals bei Schröder - seit Wochen der Abstand zu einfach nicht geringer werden.

Kann Schulz wirklich noch etwas reißen? "Sehr schwer", sagt die Politikwissenschaftlerin Evelyn Bytzek von der Universität Koblenz-Landau. Es sei in diesen letzten Wochen nahezu unmöglich, noch über Themen zu punkten. "Wenn sie kein Ereignis haben, das zu ihren Gunsten wirkt - wie etwa eine Parteispendenaffäre -, wird das schwierig." Außenpolitische Vorfälle wiederum wirkten in der Regel zugunsten der Regierung.

Kann Schulz im TV-Duell punkten?

Schröder attackierte damals die in seinen Augen "ungerechte"
Steuerpolitik Merkels - offensichtlich ein Wahlkampfschlager, auch im TV-Duell. Doch dass aus dem Schlagabtausch am Sonntag im Fernsehen großes Kapital schlagen kann, sehen Experten eher skeptisch.

Zwar habe er die Chance, von den Unentschlossenen frühere SPD-Wähler zu wecken, sagt Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner im Deutschlandfunk. Dann seien "nochmal drei Punkte für die SPD drin".
Das könnte Merkel zwar die Koalitionsoption Schwarz-Gelb verhageln - ist für Schulz' Anspruch, Kanzler zu werden, aber bei weitem zu wenig. Auch Politologin Bytzek sieht kaum mehr Potenzial: "TV-Duelle reißen selten etwas um." Profilierungsmöglichkeiten für den Herausforderer: eher gering.

Umfragen sind ungenau

Bei den vergangenen Wahlen gerieten auch die Forschungsinstitute immer wieder in die Kritik. Sie hatten Schwierigkeiten, das Wählerverhalten genau vorherzusagen. Kann Schulz also hoffen, dass er womöglich am Ende besser abschneidet als prognostiziert? "Ich würde sagen: Nein", so Bytzek. Umfragen könnten zwar insofern verzerrt sein, als Leute möglicherweise nicht sagten, wen sie wählen. "Das betrifft aber in erster Linie Umfrageergebnisse extremer Parteien - nicht die der SPD."

kg/DPA

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