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stern-Umfrage: Linke schlägt SPD im Saarland

Triumph für Oskar Lafontaine: Im Saarland liegt seine Linkspartei mit 24 Prozent einen Punkt vor der SPD, gleichzeitig verliert die CDU kräftig. Das belegt die aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des stern. Sie zeigt auch, in welcher Wählergruppe die meisten Lafontainisten zu finden sind.

Von Lutz Kinkel und Matthias Weber

Oskar Lafontaine rollt die politische Landschaft auf. Im Saarland ist seine Linkspartei bereits zweitstärkste Kraft. Das zeigt die Forsa-Umfrage im Auftrag des stern. Demnach käme die Linkspartei bei Landtagswahlen auf 24 Prozent, die SPD auf 23 Prozent, die CDU würde kräftig verlieren und nur noch 37 Prozent erzielen. Die FDP könnte 7 Prozent der Wählerstimmen für sich verbuchen, die Grünen 5 Prozent. "Wir haben eine Momentaufnahme gemacht", schränkt Forsa-Chef Manfred Güllner im Gespräch mit stern.de ein. "Die eigentlichen Meinungsbildungsprozesse setzen noch ein. Aber die Ausgangslage für die Linke ist natürlich ganz hervorragend im Saarland." Die Landtagswahl in Lafontaines Heimat wird vermutlich kurz vor der Bundestagswahl im September 2009 stattfinden.

Die Popularität der Linkspartei im Saarland ist eng mit der Popularität Lafontaines verknüpft, der dort von 1985 bis 1998 Ministerpräsident war. "Bundesweit ist er zwar der unbeliebteste Politiker", sagt Güllner, "im Saarland genießt er aber etwa bei den Arbeitern und im Gewerkschaftslager immer noch sehr große Sympathien." Könnten die Saarländer ihren Ministerpräsidenten direkt wählen, würden sich 36 Prozent für Amtsinhaber Peter Müller, CDU, entscheiden. 23 Prozent würden für Lafontaine votieren und nur 14 Prozent für den SPD-Spitzenkandidaten Heiko Maas.

Rückhalt unter Arbeitern

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa ermittelte auch, in welchen Wählerschichten Lafontaine am besten punkten kann. Die Ergebnisse sind eindeutig: Der Saarländer erzielt die höchsten Zustimmungswerte bei Arbeitern und Hauptschülern. So wünschen sich 47 Prozent der Arbeiter, dass Lafontaine wieder Ministerpräsident werden wird, unter den Hauptschülern sind es 41 Prozent. In allen anderen Gruppen - Angestellten, Beamten, Selbständigen, höher Gebildeten - liegen die Zustimmungsraten unter 30 Prozent. "Er ist bei den Arbeitern beliebt, weil er dafür plädiert, klassische Arbeiter-Arbeitsplätze zu erhalten, zum Beispiel im Bergbau", sagt Güllner. In den anderen Gruppen haftet dem 65-jährigen der Ruf eines Bürgerschrecks an.

Die Wunschkoalition der Saarländer spiegelt das wieder, was derzeit als "linkes Lebensgefühl" durch die Medien geistert. Unter allen denkbaren Kombinationen liegt ein Bündnis zwischen Linken und SPD vorne - das wollen 21 Prozent. Ein große Koalition würden 18 Prozent bevorzugen, eine schwarz-gelbe Regierung ebenso viele, eine Alleinregierung der CDU nur 14 Prozent. Wie kommt es, dass Peter Müller, CDU, so stark in der Wählergunst abgerutscht ist? Forsa-Chef Güllner führt dies auf den Erfolg der Linken zurück, die auch der CDU Wähler abnehme. Obendrein begehe Müller den Fehler, sich gegen die Berliner Zentrale seiner Partei zu profilieren, also gegen die Kanzlerin und Parteivorsitzende Angela Merkel. Der Wähler scheint diese Taktik nicht zu goutieren. Zumal Angela Merkel die mit weitem Abstand beliebteste Politikerin im Lande ist.

"Maas wird zerrieben"

Am schlechtesten jedoch wird der SPD-Spitzenkandidat Heiko Maas bewertet. "Maas ist ja offenbar ein politisches Leichtgewicht", erklärt Güllner, "er wird zerrieben, er wird an die Wand gedrückt." In Öffentlichkeit laufe es auf ein Duell Lafontaine-Müller hinaus. Maas spiele bei dieser Auseinandersetzung keine Rolle. Entsprechend duster sehen die Antworten auf die Frage aus, wie zufrieden die Menschen mit der Arbeit von Heiko Maas sind. Von allen Befragten erklärten nur 28 Prozent, dass sie mit Maas zufrieden sind, unter den Anhängern der SPD es 41 Prozent. Zum Vergleich: Ministerpräsident Müller kommt unter allen Befragten auf einen Wert von 48 Prozent, unter CDU-Anhängern sogar auf 85 Prozent. Den stärksten Rückhalt genießt Maas noch unter den jungen Erwachsenen. In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen stehen 47 Prozent hinter ihm. In allen nachfolgenden Altersgruppen liegen Maas' Werte deutlich niedriger.

Für die SPD insgesamt ist das Saarland zu einem Problemfall geworden, ein zweites Sorgenkind neben Hessen. "Im Saarland ist es eigentlich noch viel schlimmer als in Hessen für die SPD", sagt Güllner. "Denn hier kämpft sie ja mit der Linken um Platz zwei hinter der CDU. Das will schon einiges heißen, wenn man als Volkspartei mit einer Quasi-Splitterpartei konkurriert." Der Profiteur dieses Spiels ist Lafontaine - und auch Güllner hält es nicht für ausgeschlossen, dass der Saarländer bei den Landtagswahlen eine Art Durchmarsch schafft. "Das Saarland war im Grunde genommen ein konservatives Land, das durch Lafontaine zu einem SPD-Land geworden ist und dann wieder zurückgependelt ist zur CDU. Lafontaine hat jetzt die Chance, zum zweiten Mal den Konservativen die Macht zu entreißen."

Von:

Matthias Weber und