STICHWORT Der Petersberg - das deutsche »Camp David«


Für Wanderer und Spaziergänger steht der Petersberg bei Bonn vor allem für eine schöne Aussicht. Politikern dagegen gilt der traditionsreiche Ort eher als »deutsches Camp David«. In den vergangenen Jahren war das Gästehaus der Bundesregierung immer wieder Veranstaltungsort für besondere Tagungen und Konferenzen. Hier in der Nobelherberge im Siebengebirge, rund 300 Meter über dem Rhein, fand die Afghanistan-Konferenz statt.

Gekrönte Häupter und bedeutende Staatsmänner waren häufig auf dem Petersberg zu Gast. 1994 trafen sich der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und US-Präsident Bill Clinton dort, vier Jahre später empfing der deutsche Außenminister Klaus Kinkel (FDP) den jordanischen König Hussein in dem Hotel. 1999 fand das informelle Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs in dem hellgelben Gebäude statt.

Der Berg kann hermetisch abgeriegelt werden

Im gleichen Jahr berieten Außenminister verschiedener Staaten über die Kosovo-Krise. Im Jahr 2000 tagte die 15. Außenministerkonferenz zwischen der EU und zentralamerikanischen Staaten auf Einladung von Joschka Fischer (Grüne) auf dem Berg. Das Areal gilt als besonders sicher. Der Berg kann hermetisch abgeriegelt werden.

Mit Sicherheit wird auf dem Petersberg das Bett, in dem Clinton lag, in den nächsten Tagen nicht leer bleiben. Das Gemach, in dem auch schon Queen Elisabeth II nächtigte, war seit seit dem Regierungsumzug nach Berlin nicht immer ausgebucht

gewesen. Hatte bis Herbst 1999 der Bund ein Erstbelegungsrecht für das Gästehaus, kann die Hotelführung seitdem ihre 99 Zimmer frei vermieten. Die 290 Quadratmeter-Suite namens »Berlin« kann inzwischen von jedem Normalbürger gebucht werden, für 2500 Mark (rund 1280 Euro) pro Nacht.

Reizvolles Gästehaus hoch über dem Rhein

Der Bund, dem seit 1978 Immobilie und Berg gehören, reserviert dort fast wie ein normaler Gast. Nur die Suite »Berlin« darf er noch bevorzugt buchen. Das seit 1990 von der Steigenberger-Gruppe betriebene 5-Sterne-Haus ist derzeit durchschnittlich zur Hälfte ausgelastet, zwischen März und Juni bis zu 70 Prozent. Der Bund, der das Haus noch finanziell unterstützt, nutzt die Anlage eher selten. Für Konzerne und Verbände ist das hoch über dem Rhein gelegene Gästehaus ein reizvollen Ort. Auch so manches Brautpaar, darunter Formel-Eins-Weltmeister Michael Schumacher, gab sich in luftiger Höhe das Ja-Wort.

Traditionell bleibt das Gästehaus mit Namen von internationalem Rang verbunden. Das japanische Kaiserpaar, Nelson Mandela oder auch der ehemalige sowjetische Staats- und Parteichef Leonid Breschnew standen einst auf der Gästeliste. PLO-Chef Yassir Arafat, des dänische Königspaar, der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow sowie der ehemalige russische Staatschefs Boris Jelzin weilten auf dem Petersberg, der nur über steile Wanderwege und eine Serpentinenstraße erreichbar ist. Diese Lage wurde Breschnew vor Jahren zum Verhängnis. Er setzte seinen neuen Mercedes-Sportwagen in den Graben. Es war ein Geschenk des früheren Kanzlers Willy Brandt.


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