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TV-Debatte Nach dem Duell: Was sich Schulz gewünscht hätte - und welchen Themen ihm fehlten


War es das für Martin Schulz? Der SPD-Kanzlerkandidat spielt im TV-Duell auf Angriff. Die Kanzlerin muss sich mehrfach rechtfertigen. Doch nach ersten Umfragen hat es Schulz nichts genutzt. Schulz benannte dafür anschließend Themen, die zu kurz gekommen sind.

Angespannt wirken beide. Jedenfalls am Anfang. Angela Merkel atmet tief durch, sie bemüht sich zu lächeln, presst aber die Lippen aufeinander. Martin Schulz nimmt schon einmal sein Schlusswort vorweg. Dann aber erlebt ein Millionenpublikum am Sonntagabend, wie der SPD-Herausforderer sich in diesem einzigen TV-Duell vor der Bundestagswahl immer mehr in Fahrt redet und der Kanzlerin hier und da einen Stich versetzt. 

Merkel bleibt sich aber treu. Sie argumentiert detailgenau und wehrt sich gegen zugespitzte Positionen, "nur weil wir im Wahlkampf meinen, uns übertreffen zu müssen". Schläfert sie die Nation ein, ist sie die "All-inclusive-Kanzlerin" der Beliebigkeit, halten ihr die Moderatoren vor? Jeder Mensch verändere sich mit Herausforderungen, kontert die CDU-Chefin, die sich für einen himmelblauen Blazer entschieden hat. Die berühmte schwarz-rot-goldene "Schlandkette" von 2013 hat sie in der Schublade gelassen - dieses Mal ziert schlichtes Silber den Hals der Kanzlerin.

Umfragen zufolge hat die Kanzlerin das Duell gewonnen. Blitzumfragen von ARD und ZDF sahen die Kanzlerin vorn, auch in einer stern-Umfrage hatte die Kanzlerin ein Plus.

Schulz: "Zu wenig über Digitalisierung diskutiert"

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz gab sich in einer ersten Einschätzung dann auch etwas nachdenklich. Er wünscht sich nach dem TV-Duell mit Angela Merkel (CDU) ein weiteres Aufeinandertreffen mit der Kanzlerin im Fernsehen. "Ein zweites Duell wäre sicher sinnvoll gewesen", sagt Schulz nach der etwa anderthalbstündigen Debatte am Donnerstagabend. "Ich bin auch gerne bereit für ein solches zweites Duell." Schulz bedauerte, dass verschiedene Themen zu kurz gekommen seien. "Wir haben ganz wenig über die Digitalisierung diskutiert und Zukunftsfragen", sagte Schulz. "Insgesamt hab ich den Eindruck, dass es ein faires Duell war."

In der Debatte selbst fordert der Sozialdemokrat - hellblauer Anzug mit blauer Krawatte - kämpferisch "klare Kante" und bezieht sie auch. Er fordert den sofortigen Stopp der EU-Beitrittsverhandlungen, weil das die einzige Sprache sei, die der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verstehe. Merkel, die noch nie für einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union war, mahnt zur Besonnenheit. Das könne nicht Deutschland allein, sondern müsse die gesamte EU entscheiden. Außerdem sei noch am Freitag Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) ihrer Meinung gewesen - damit legt sie den Finger in die Wunde, wer denn bei den Genossen das Sagen hat?

"Frau Merkel à la bonheur! Ganz toll!"

Zwischendurch verspottet Schulz Merkels Zusicherung, es werde keine Rente mit 70 geben. "Frau Merkel à la bonheur! Ganz toll!", ruft er und hält der CDU-Chefin indirekt vor, zu lügen. Sie habe vor vier Jahren ja auch die Maut verneint und dann sei diese doch beschlossen worden. Da verdreht Merkel fast die Augen, denn sie habe damals nur gesagt, dass es keine Pkw-Maut geben werde, die die deutschen Autofahrer belastet.

Einmal verliert Schulz ziemlich den Faden. Gehört der Islam zu Deutschland? Er sucht nach Worten. Um sich zu retten, sagt er ein Zitat auf, das er sich eigentlich für seine Schlussansprache aufheben wollte, wie er hervorpresst. "Jenseits von richtig oder falsch, gibt es einen Ort, an dem treffen wir uns", zitiert Schulz einen schiitischen Philosophen. Man dürfe nicht eine ganze Religion verhaften für die terroristischen Taten einer kleinen Minderheit.

Steinbrücks Stinkefinger als abschreckendes Beispiel

Aber wie wirken die beiden auf die Zuschauer? Selbst ein Unentschieden wäre für Schulz wohl zu wenig gewesen. Nun die Umfragen, die nur in einigen Punkten (Angriffslust) für ihn sprechen. Zum Glück für Schulz bedeutet ein TV-Duell auch nicht alles. SPD-Herausforderer Peer Steinbrück schaffte es 2013 schließlich, Merkel ein paar Mal in die Enge zu treiben. Sein resoluter Auftritt im Duell brachte ihm aber kein Glück. Kurze Zeit später zeigte er der Republik auf einem Magazin-Cover den Stinkefinger - für Schulz bis heute ein abschreckendes Beispiel. Drei bis vier Punkte habe das Bild seinerzeit die SPD im Endspurt gekostet. Schulz will es besser machen. Drei Wochen bleiben ihm.

feh DPA

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