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"Maybrit Illner" Harmonie bei Baerbock und Lindner, Attacken von Röttgen und die Frage: Was steht auf Illners Shirt?

Bei Maybrit Illner wurde über die Finanzierung einer Ampel-Koalition debattiert
Bei Maybrit Illner wurde am Donnerstagabend darüber diskutiert, wie die Pläne einer möglichen Ampelkoalition bezahlt werden sollen
© ZDF / Jule Roehr
Bei "Maybrit Illner" geben Annalena Baerbock und Christian Lindner erneut das harmonische Doppel. Als CDU-Mann Norbert Röttgen das Sondierungspapier einen "Rückschritt" nennt, ist es bei Baerbock jedoch vorbei mit der guten Laune.
Von Simone Deckner

Das Spannendste kommt zum Schluss: Ob denn hier am Tisch der künftige Finanzminister sitzt, will Maybrit Illner von ihrem Gast Christian Lindner wissen. Der FDP-Chef lächelt gebauchpinselt, sagt dann aber, was er bisher immer gesagt hat, wenn es um die konkrete Postenvergabe der neuen Ampel-Koalition und im Speziellen um seinen neuen Posten geht: nichts Konkretes. "Über Ressorts ist noch gar nicht gesprochen worden."

Wie praktisch für Maybrit Illner, dass sie neben sich auf der anderen Seite Annalena Baerbock sitzen hat. "Wäre Robert Habeck der bessere Finanzminister?", ändert sie ihre Frage ab und gibt auch gleich eine Antwort vor: "Sie können einfach ja sagen!" Baerbock überlegt für Lindners Geschmack vermutlich eine Sekunde zu lang, bekommt dann aber doch die Kurve: "Was bringt das denn, wenn ich das jetzt hier am Tisch sage? Das müssen wir gemeinsam besprechen und das tun wir nicht über Fernseh-Interviews." Illner bohrt noch einmal nach: "Sie hätten jetzt einfach 'Ja' sagen können, haben sie aber nicht!" Baerbock entgegnet lächelnd: "Aus meiner Sicht ist das natürlich logisch, aber es sitzen drei Parteien am Tisch." Christian Lindner schaut zufrieden. Noch ganz schön ungewohnt, diese Harmonie.

Eigentlich waren aber nicht Personalien das Thema der Sendung von Maybrit Illner, sondern die Finanzierung der hoch gesteckten Ziele, die sich die "Jahrhundert-Koalition" vorgenommen hat. "Kleinster Nenner oder großer Wurf – Ampel bezahlbar?" oder mit anderen Worten: Wer soll das alles bezahlen?

Darüber diskutierten:

  • Annalena Baerbock, B‘90/Grüne – Parteivorsitzende
  • Christian Lindner, FDP – Parteivorsitzender
  • Norbert Röttgen, CDU – MdB, Mitglied CDU-Präsidium
  • Herfried Münkler – Politikwissenschaftler, Autor (zugeschaltet aus München)
  • Christiane Hoffmann – Autorin im Hauptstadtbüro "Spiegel"

"Sind eine andere Generation von Politikern"

Spannend zu beobachten war, wie sich Annalena Baerbock und Christian Lindner beim ersten öffentlichen Auftritt nach den so harmonisch kommunizierten Sondierungen zeigen würden. Die Antwort: weiterhin harmonisch. Der Wahlkampf sei vorbei, man habe viel zu tun. "Wir sind auch eine andere Generation von Politikern, wo nicht mehr so viel gelabert wird", so Baerbock offensiv.

Norbert Röttgen nahm dies persönlich. Er attackierte den Rest der Sendung vor allem die Grüne: Er habe sich das Sondierungspapier jetzt "drei Mal durchgelesen", erkenne aber nicht, was denn nun das Markenzeichen dieser Regierung in der Klimapolitik sei. Die Grünen hätten sogar "einem Rückschritt zugestimmt", indem sie etwa die von der GroKo festgelegte Überprüfung der CO2-Bilanz von jährlich auf mehrjährig angehoben und gleichzeitig auf mehrere statt einzelner Sektoren (z.B. Verkehr, Wohnen, Industrie) verlängert habe. Die Kritik der Grünen Jugend und von "aktiven Klimaschützern" sei daher berechtigt.

Röttgen versus Baerbock

Baerbock wischte die Kritik als "polemisch" weg. "Im Sondierungspapier steht klar drin: Jeder Sektor muss seinen Beitrag leisten, ansonsten werden wir nicht klimaneutral." Darüber hinaus wolle mal aber auch "mittelfristig checken", welche Ziele erreicht werden, alles im Einklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen. Zu Röttgen gewandt sagte sie: "Wenn wir die Klimaziele unterschreiten, wie sie sagen, können wir das ganze Sondierungspapier in den Mülleimer werfen."

Sie rechne damit, dass die neue Regierung jährlich 50 Milliarden für Investitionen brauche und das in den nächsten zehn Jahren: "Es ist eine Jahrhundertaufgabe, einen klimaneutralen Wohlstand zu schaffen." Die Summe wollte Christian Lindner zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bestätigen, nur so viel: "Wir haben das Ziel, Privatinvestitionen zu akquirieren", etwa über die KfW oder die Deutsche Bahn. Wichtig sei es, "undemokratische Schattenhaushalte zu verhindern".Doch genau diese Gefahr sieht Norbert Röttgen: "Wenn sie Ausgaben verlagern aus dem Bundeshaushalt hinaus, dann führt das zu Intransparenz und weniger parlamentarischer Kontrolle."

"Finanzierung noch riesige Baustelle"

Politikwissenschaftler Herfried Münkler unterstrich, wie wichtig es für die neue Regierung sei, jetzt Kredite aufzunehmen: "Diese Jahrhundertaufgabe braucht Geld über einen langen Zeitraum, mindestens zwei Legislaturperioden." Er sah jedoch noch eine andere Herausforderung: "Politiker sind alles gewiefte Taktiker, aber man braucht etwas ganz anderes: Strategen." Ob die künftige Regierungsmannschaft diese Gabe besitze, müsse man abwarten.

Ebenso kritisch äußerte sich "Spiegel"-Reporterin Christiane Hofmann, die in der Finanzierung noch "eine riesige Baustelle" vor den Koalitionsverhandlungen bei SPD, FDP und Grünen ausmachte: "Der Finanzteil ist im Sondierungspapier der kürzeste Teil", Ideen für eine soziale Umverteilung "fehlen vollkommen". Das sei ein interessanter Punkt, so Illner, auf den man später noch einmal kommen werde. Doch weder dazu noch zu der Frage "Wie viele Kosten werden die Bürger tragen müssen?" gab es Antworten.

Twitter rotiert: "Was steht auf Illners T-Shirt?"

Immerhin gab es eine Antwort auf eine andere häufig gestellte Frage an diesem Abend: "Was stehtauf Illners T-Shirt?", wollten viele Zuseher auf Twitter wissen. "Ich weiß jetzt schon, dass ich die ganze Nacht nicht schlafen kann, wenn ich nicht rausbekomme, was auf dem T-Shirt steht", verzweifelte ein Zuschauer. Die Moderatorin trug ein auffällig gelbes, bedrucktes Oberteil. Weil sie ihren Blazer zugeknöpft hatte, waren jedoch nur einzelne Buchstaben zu erkennen, die keinen Sinn ergaben. Dank Schwarmintelligenz wurde das Rätsel noch während der Ausstrahlung gelöst: "Nothing Beats A Smile" stand da geschrieben.

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