HOME

Umstrittener Wahlkampftermin: Angela Merkel besucht KZ-Gedenkstätte Dachau

Am Dienstagabend stattete die Kanzlerin dem ehemaligen Konzentrationslager Dachau einen Besuch ab. Der Besuch Merkels löste im Vorfeld eine hitzige Debatte aus.

Historischer Tag in Dachau: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Dienstag das ehemalige Konzentrationslager in Bayern besucht. Das hat noch keiner ihrer Vorgänger im Amt getan. "Für mich ist es ein sehr besonderer Moment", sagte Merkel, die bei ihrem Besuch mit Holocaust-Überlebenden zusammentraf. "Die Erinnerung an diese Schicksale erfüllt mich mit tiefer Trauer und Scham."

Der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der KZ-Gedenkstätte Dachau vor einem Wahlkampfauftritt hat im Vorfeld für Diskussionen gesorgt. Während Grünen-Fraktionschefin Renate Künast das Programm kritisch bewertete, erhielt die Regierungschefin Rückendeckung aus der Union und vom Zentralrat der Juden in Deutschland.

Merkel solle einen solchen Besuch "ernst nehmen", sagte Künast der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag in Berlin. "Das sind wir den Opfern schuldig." Die Kanzlerin dürfe "nicht den Eindruck erwecken, der Besuch in Dachau und das Gespräch mit Überlebenden sei bestimmt durch den eine Viertelstunde später stattfindenden Auftritt im CSU-Bierzelt", sagte Künast. "Wir müssen zur Verantwortung vor unserer Geschichte stehen - auch im Wahlkampf."

Es mache einen beiläufigen Eindruck, "wenn man, kurz bevor man dann ins Festzelt geht, noch den Kranz niederlegt und Betroffenheit äußert, sagte der Historiker Wolfgang Benz dem Bayerischen Rundfunk. "Das ist ein bisschen wenig und das ist sehr, sehr spät."

Geschichts- und Verantwortungsbewusstsein

Demgegenüber sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, zu "Spiegel Online", er sei dagegen, "dass wir uns jetzt in eine Meckerecke stellen". Hätte die Kanzlerin nur den Wahlkampfauftritt in Dachau wahrgenommen, "hätte man sie wiederum dafür kritisieren können, dass sie nicht die KZ-Gedenkstätte besucht hat." Er werde "auf jeden Fall der letzte Mensch im Land sein, der einen Besuch der Kanzlerin in der KZ-Gedenkstätte in Dachau kritisiert".

Graumanns Amtsvorgängerin Charlotte Knobloch erklärte, Merkels Besuch belege ihr Höchstmaß an Geschichts- und Verantwortungsbewusstsein. "Es ist bemerkenswert, dass die Bundeskanzlerin mitten in der heißen Wahlkampfphase ihre Planung kurzfristig ändert", erklärte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. "Die zeitliche Nähe zu den Wahlkampfterminen ist doch völlig selbstverständlich."

Auch CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt rechtfertigte das für Dienstagabend geplante Programm der Kanzlerin. "Mit ihrem Besuch in der KZ-Gedenkstätte setzt die Bundeskanzlerin ein eindrucksvolles und ernsthaftes Zeichen", erklärte sie in Berlin. Nach Angaben aus Parteikreisen war Merkel von dem Holocaust-Überlebenden und Vorsitzenden der Lagergemeinschaft Dachau, Max Mannheimer, zu dem Gedenkstätten-Besuch eingeladen worden. Die Einladung war nach Bekanntwerden des Wahlkampftermins ausgesprochen worden.

ivi/AFP / AFP