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Und jetzt ... Django Asül: Aufruf zum Welt-Merkel-Tag

Heute ist Weltmännertag. Aber er wird als Weltpaketbombentag begangen. Das hat Gründe. Kann Merkel sie beseitigen, darf sie auf ihren eigenen Gedenktag hoffen.

Ein satirisches Kalendarium von Django Asül

Der 3. November ist der Weltmännertag. Das mutet verstörend bis seltsam an. War es doch bisher nur schützens- und bemitleidenswerten Gruppierungen und Spezies vorbehalten, einen eigenen Tag zu haben.

Darum hat sich auch noch nie jemand gestört daran, dass Blumen, Tiere und am 8. März sogar Frauen ihren Tag haben. Wenn aber der Mann von Welt jetzt auch einen Tag hat und es fällt niemandem so richtig auf, läuft irgendetwas falsch. Entweder verkaufen sich die Männer unter Wert oder aber die Frauen haben endlich die Gleichberechtigung auch kalendarisch bestätigt bekommen. Doch die aktuellen Umstände werden Veränderungen nach sich ziehen. Der 3. November wird spätestens nächstes Jahr entweder Weltpaketbombentag oder EU-Staatsanleihentag sein. Zu verdanken ist dies ausschließlich der deutschen Kanzlerin.

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Die explosive Stimmungslage dürfte die Kanzlerin kein bisschen überrascht haben. Schließlich fragt sich seit Monaten jeder in ihrer Umgebung, ob nun der Stuttgarter Bahnhof oder die Anleihen besonders fleißiger EU-Staaten ihr zuerst um die Ohren fliegen. Wer nun meint, man könne unterirdische Bauvorhaben nicht mit unterirdischen Staatsfinanzen vergleichen, irrt gewaltig. Streng genommen ist Griechenland quasi ein S21 auf europäischer Basis. Bei beiden Angelegenheiten zählte der politische Wille. Und wo politischer Wille drauf steht, ist gesunder Menschenverstand schon mal ganz weit weg.

Von einer vernünftigen Kalkulation ganz zu schweigen. In Athen und in Stuttgart wurde sich rechnerisch so weit von der Realität wegbewegt, bis man sich zwar sehenden Auges, aber mit bestem Gewissen auf dem Weg ins Verderben machte. Was wiederum viel über das Gewissen von Politikern verrät.

Große Überraschung herrscht darüber, dass nicht Bahncard-Inhaber, sondern Griechen die erste Paketbombe geschickt haben. Angesichts der tristen Haushaltslage hätte niemand mehr den Griechen private Sprengvorräte zugetraut. Logischerweise reichte es nur noch für selbstgebastelte Pakete. Laut Polizeiaussagen hätten für die Konstruktion die Kenntnisse eines Gymnasialschülers ausgereicht.

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Zumindest um das Niveau des griechischen Gymnasiums muss man sich schon mal keine Sorgen machen. In diesem Punkt liegt Griechenland also noch deutlich vor Deutschland. Was wiederum bedeutet: Die Qualität des Schulsystems hat nur bedingt etwas mit Geld zu tun. Andererseits muss man sich schon fragen, woher selbst das Geld für das Porto stammt, wenn der Grieche sich doch angeblich fiskalisch und finanziell auf Höhe Grundwasserspiegel befindet. Glaubt man griechischen Medien, hatten die Täter Bücher ausgehöhlt und darin Feuerwerkspulver versteckt. Die Explosion sollte durch Funken entfacht werden. Einen richtigen Zünder habe es nicht gegeben, heißt es. Für einen zum ruhigen Aktionismus neigenden Innenminister de Maiziere wird der Fall klar sein: Bücher an Gymnasien werden ab sofort verboten. Dafür darf jeder Haushalt bis zu drei Zünder vergnügungssteuerfrei erwerben, aber nicht in der Nähe von Büchern aufbewahren.

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Die griechische Regierung sieht sich natürlich in Zugzwang, weil sie eh als Depp der europäischen Nation gilt. Und setzt passend dazu ein verheerendes Zeichen: Kurierdienste ins Ausland werden für 48 Stunden gestoppt. Diese zwei Arbeitstage werden dann beim nächsten Streik (prognostiziert auf Mitte November) verrechnet. Dabei muss sich der Grieche sowieso schon seit Monaten mit dem Stigma des europäischen Faulpelzes herumquälen. Zum Glück konterkariert ein Grieche in deutschen Landen das suboptimale Image seiner Heimat auf ideale Weise: Eintracht Frankfurts Stürmer Gekas trifft nach Belieben in der Bundesliga und führt die Torschützenliste mit neun Toren an. Er liegt ein Tor vor dem Senegalesen Cissé und zwei Tore vor dem Bosnier Dzeko.

Damit wäre auch geklärt, welche Länder noch weit vor der Türkei für die EU-Aufnahme in Frage kommen. Gut, Senegal liegt nicht direkt in Kerneuropa. Aber wer Rumänien und Bulgarien in die EU aufnimmt und Griechenland drin lässt, wird sich auch gegenüber afrikanischen Ländern nicht lumpen lassen.

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Und weil wir grad beim Fußball sind: Wäre Merkel verantwortlich für eine Fußballmannschaft, würde es dem Verein in Bälde gehen wie Schalke 04. Denn was ist das Merkel-Deutschland? Ein hochverschuldeter Haufen, der nebenbei auf europäischer Ebene glänzen soll, obwohl er schon in der heimischen Liga nichts mehr gebacken kriegt. Streng- beziehungsweise sprenggenommen hat ja Merkel angefangen mit der europäischen Detonationalromantik. Die von ihr vorgeschlagenen Maßnahmen beim Jux-Gipfel in Brüssel zwecks Euro-Rettung machten Griechenland zu einem neuerlichen finanzpolitischen Sprengsatz.

Explosionen werden aus Griechenland, Irland und Portugal vermeldet. Die Detonationen beschränken sich allerdings auf die Risikoaufschläge für Staatsanleihen. Der mögliche Euro-Crash heißt im Fachjargon nur noch Merkel-Crash. Auch wenn es die ostdeutsche Wirtschaftsleuchte stets gut meint, so hat sich dennoch eine neue Konstante in der Wirtschaftswelt manifestiert: Wo sich Merkel einmischt, ergreifen die Investoren die Flucht. Kritik an der CDU-Chefin verbietet sich. Und für Häme ist sowieso kein Platz. Nachdem sie sich beim Thema Atom und S21 gewaltig verspekuliert hat, bleibt ihr nur noch die EU, um ihre Zockermentalität auszuleben. Zudem zeigt die Situation auch die Defizite der Anleger auf. Sie hauen ab aus den EU-Anleihen, obwohl es gerade jetzt ideal zum Einsteigen wäre. Denn Merkel wird ja den Euro nicht vor den wichtigen Landtagswahlen in Baden-Württemberg beerdigen.

Nein, wer oben ohne bei den Wagner-Festspielen erscheint, hat schon einen Sinn für Dramaturgie und Timing.

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Wie jetzt, mögen sich Beobachter fragen, die Verhandlungen in Brüssel waren doch aus Merkelscher Sicht ein voller Erfolg? Ja, genau das ist die Erkenntnis des EU-Gipfels: Auch oder vor allem gerade wenn Merkel ihre Ideen auf europäischer Ebene durchsetzt, stehen danach alle schlecht da. Und selbstverständlich darf Deutschland dann am meisten bluten mittels EU-Rettungsschirm, dessen größter Einzahler logischerweise Deutschland ist. Auf wessen Wunsch hin dieser Rettungsschirm installiert wurde, dürfte unschwer zu erraten sein.

Sollte es jemals einen Weltmerkeltag geben, hat nicht nur der Mann von Welt, sondern auch Deutschland noch einmal die Kurve gekriegt.