Vermittlung Gefangenenaustausch ist abgeschlossen


Israel und die Hisbollah-Miliz haben ihren Gefangenenaustausch abgeschlossen. Beide Maschinen, die die Freigelassenen nach Beirut und Israel bringen, sind vom Köln-Bonner Flughafen abgeflogen.

Israel und die pro-iranische Hisbollah-Miliz haben ihren Gefangenenaustausch abgeschlossen. Auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln-Bonn startete nach Angaben von Augenzeugen ein israelisches Flugzeug mit dem Geschäftsmann Ehanan Tannenbaum und den Leichen von drei Soldaten an Bord in die Heimat. Wenig später startete ein deutscher Luftwaffen-Airbus, der etwa 30 von Israel freigelassene arabische Gefangene nach Beirut bringen sollte.

Eine offizielle Bestätigung für den vollständigen Vollzug der Vereinbarung gab es zunächst nicht. Die Flugzeuge waren kurz vor 07.00 Uhr in Köln eingetroffen. Nachdem israelische Experten dort die Leichen von drei vermissten Soldaten identifizierten, wurden in Israel die ersten von 400 Palästinensern freigelassen und arabische Gefallene zurückgegeben.

Großaufgebot von Feldjägern und Zivilkräften

Eine Boeing 707 der israelischen Luftwaffe transportierte ca. 30 Häftlinge nach Köln, 35 Araber und den als Helfer der Hisbollah verurteilten Deutschen Steven Smyrek. Die prominentesten Gefangenen an Bord waren die Hisbollah-Führer Mustafa Dirani und Scheich Abdul Karim Obeid. Die ausgetauschten Häftlinge sollten später nach Beirut geflogen werden. Das Flugfeld in Köln - Bonn war mit einem Großaufgebot von Feldjägern und Zivilkräften abgeriegelt. Hunde und Nachtsichtgeräte wurden eingesetzt.

Es war eines der größten Austauschverfahren in der Geschichte des Nahost-Konflikts. Er war unter Vermittlung Deutschlands zustande gekommen. Geheimdienstkoordinator Ernst Uhrlau sagte im ARD-"Morgenmagazin", der Ringtausch sei politisch bedeutsam für Deutschland. Zuvor hatte Uhrlau Iran für dessen Rolle beim Zustandekommen des Austauschs gewürdigt, der von hochkarätigen Vertretern der Bundesregierung begleitet werden soll.

Von langer Hand vorbereitet

Die Aktion war von langer Hand vorbereitet worden. Dazu nutzte die Bundesregierung ihre über Jahre aufgebauten Kontakte in der Region. Deutschland ist seit Anfang der 90er Jahre als Vermittler in Austauschverfahren zwischen den Konfliktparteien eingeschaltet.

Mitarbeiter vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK), darunter ein Arzt, begleiteten die Gefangenen auf ihrem Weg nach Deutschland. Mit allen Häftlingen seien in den vergangenen Tagen Einzelgespräche geführt worden, ob sie mit dem Austausch einverstanden seien, sagte IKRK-Sprecher Florian Westphal in Genf. Das IKRK überwache auch die Freilassung der rund 400 Gefangenen an der israelisch-palästinenschen Grenze. Darüber hinaus wollte Israel dem IKRK auch die sterblichen Überreste von 59 getöteten libanesischen Kämpfern freigeben. Die Organisation wollte diese am Freitag den Familien übergeben.

Überschattet von einem Selbstmordanschlag in Jerusalem

Überschattet wurde der Gefangenen-Austausch von einem Selbstmordanschlag in Jerusalem, bei dem nur etwa 15 Meter vom Amtssitz des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon entfernt mindestens zehn Menschen ums Leben kamen. Der Sprecher des Außenministeriums, Jonathan Peled, erklärte, die Palästinenser würden nur "schweren Herzens" freigelassen, "weil wir wissen, dass diese 400 sehr schnell in den Kreislauf der Gewalt zurückkehren werden".


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