Welternährungsprogramm Vereinte Nationen schlagen Alarm


Steigende Lebensmittelpreise, ausbleibende Hilfszahlungen - Die Staatengemeinschaft hat 2009 für den Kampf gegen den Hunger weniger als die Hälfte des eigentlich benötigten Geldes zugesagt. Das UN-Welternährungsprogramm warnt vor drastischen Konsequenzen - auch für die reichen Länder.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hat angesichts ausbleibender Hilfszahlungen und gleichzeitig steigender Lebensmittelpreise in Entwicklungsländern Alarm geschlagen. Die Staatengemeinschaft habe für 2009 lediglich 3,7 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern versprochen und damit weniger als die Hälfte des eigentlich benötigten Budgets, um den am stärksten unter Hunger leidenden Menschen zu helfen, wie WFP-Direktorin Josette Sheeran in Rom erläuterte. Von den versprochenen Geldern seien bislang nur 1,8 Milliarden Dollar eingetroffen. Daher sei das Welternährungsprogramm bereits dazu gezwungen worden, seine Lebensmittelrationen in mehreren Ländern zu verringern.

Diese Entwicklung sei dabei nicht nur sehr bedrohlich für die betroffenen Regionen, sondern gefährde mittelfristig auch die Stabilität der reichen Länder, warnte Sheeran. "Es gibt nichts Grundsätzlicheres als Nahrung. Wenn Menschen sie nicht bekommen, dann gibt es drei Möglichkeiten: Sie rebellieren, sie migrieren oder sie sterben."

WFP kann nur zehn Prozent der Hungernden helfen

Derzeit hungern nach UN-Angaben mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt, vor zwei Jahren waren es noch 860 Millionen. Das Welternährungsprogramm kann lediglich den am stärksten unter Hunger leidenden Menschen helfen, was etwa zehn Prozent der Betroffenen sind. Im vergangenen Jahr waren dies etwa 102 Millionen Menschen in 78 Staaten.

Obwohl die Weltmarktpreise für Weizen und andere Lebensmittel zuletzt gesunken sind, hat sich die Lage in vielen Entwicklungsländern eher noch verschärft. "Die Lebensmittelkrise ist noch nicht überwunden in den Entwicklungsländern. Tatsächlich ist die Lage in vielen Ländern noch alarmierender als vor einem Jahr", sagte Sheeran. Gleichzeitig sei die Hilfsbereitschaft der reichen Länder wegen der Banken- und Wirtschaftskrise deutlich zurückgegangen.

Als Beispiel nannte die Direktorin ein Hilfsprogramm in Bangladesch, wo von den einst 300.000 Kindern derzeit nur noch 70.000 UN-Lebensmittel erhalten. In Kenia seien die Rationen ebenfalls drastisch reduziert worden, so dass von den eigentlich zehn Millionen Bedürftigen nur noch ein Drittel Hilfsnahrung bekommen.

Kurzfristig mehr Nahrungsmittelhilfe nötig

Sheeran appellierte an die reichen Länder der G20, trotz der eigenen Wirtschaftsprobleme mehr Geld für Entwicklungshilfe zu leisten. Die beim G8-Gipfel in Rom beschlossenen Agrarhilfen für Bauern in Entwicklungsländer im Umfang von 20 Milliarden Dollar seien ein wichtiges Signal. Bis diese Hilfe zur Selbsthilfe aber tatsächlich greife, müsse kurzfristig noch mehr in Nahrungsmittelhilfe investiert werden, forderte die Direktorin. Es müsse dabei auch genau geprüft und überwacht werden, ob die in Rom als neu dargestellte G8-Initiative tatsächlich ein zusätzliches Engagement der reichen Länder bedeute oder ob nicht vielmehr die genannte Summe auch bereits versprochene Gelder beinhalte.

Reuters Reuters

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