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Winterspiele in Sotschi: Westerwelle will keinen Olympia-Boykott

Olympia trotz Schwulenhass: Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat sich gegen einen Boykott der Spiele von Sotschi ausgesprochen. Dieser würde mehr schaden als nützen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat sich gegen einen Boykott der olympischen Winterspiele in Sotschi wegen des russischen Anti-Homosexuellen-Gesetzes ausgesprochen. "Ich halte die Diskussion über Olympia-Boykotte für falsch", erklärte Westerwelle am Sonntag nach Angaben eines Sprechers während einer Nahostreise. "Das schadet dem berechtigten Anliegen des Minderheitenschutzes mehr, als es ihm nutzt." Die Behandlung von Homosexuellen in Russland bezeichnete Westerwelle als nicht akzeptabel. "Der russische Staat muss den Schutz von Homosexuellen sicherstellen."

Die Duma hatte im Juni ein Gesetz zum Verbot der "Werbung für nicht traditionelle sexuelle Beziehungen" verabschiedet. Kritikern zufolge sind damit alle Demonstrationen Homosexueller verboten. Auch Sympathiebekundungen könnten verfolgt werden.

IOC verlangt Erklärung

Dies hat weltweit Proteste und eine Diskussion etwa über einen Boykott der Olympischen Spiele ausgelöst. Am Freitag hatte IOC-Präsident Jacques Rogge von Russland eine Erklärung verlangt, wie das Gesetz während der vom 7. bis zum 23. Februar 2014 angesetzten Spiele umgesetzt werden soll. Er wies darauf hin, dass die Olympische Charta eine Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung untersagt.

Am Samstag demonstrierten mehrere hundert Menschen in London nahe dem Amtssitz des britischen Premierministers David Cameron und forderten die Regierung auf, Druck auf Russland wegen des Gesetzes auszuüben. Cameron twitterte, Großbritannien werde die Spiele nicht boykottieren.

Auch US-Präsident Barack Obama hat sich gegen einen Boykott der Spiele ausgesprochen. Die beste Art von Protest wäre es, wenn homosexuelle Athleten gewännen, sagte er am Freitag. "Ich freue mich unter anderem darauf, dass einige schwule und lesbische Sportler vielleicht Gold, Silber oder Bronze nach Hause bringen", erklärte er. "Wenn Russland keine schwulen oder lesbischen Sportler hat, wird es ihre Mannschaft vermutlich schwächen."

Beck fordert Verlegung der Spiele

In Deutsachland forderte der Grünen-Politiker Volker Beck in der Zeitung "Welt am Sonntag", wenn die Sicherheit von Schwulen und Lesben nicht gewährleistet sei, "muss man sich einen anderen Austragungsort überlegen". Der SPD-Politiker Johannes Kahrs sagte, das Gesetz verstoße gegen die IOC-Satzung. Auch ein Boykott der Spiele sei eine Überlegung wert, sagte er der Zeitung. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte, Ausgrenzung und Boykott seien keine guten Vorzeichen für die Olympischen Spiele in Sotschi.

mai/Reuters / Reuters