HOME

Gewalt in Flüchtlingsheimen: "Eine religiöse oder ethnische Trennung kann keine Lösung sein"

Der Gewalt in Flüchtlingsheimen steht Deutschland bisher ratlos gegenüber. Eine getrennte Unterbringung nach Herkunft und Religion halten deutsche Politiker dennoch nicht für eine brauchbare Lösung.

Die Erstaufnahmelager für Flüchtlinge platzen aus allen Nähten. Wie hier in Kassel-Calden kommt es zunehmend zu Gewalt.

Die Erstaufnahmelager für Flüchtlinge platzen aus allen Nähten. Wie hier in Kassel-Calden kommt es zunehmend zu Gewalt.

Ausnahmsweise sind sich fast alle politische Fraktionen einig: Flüchtlinge sollten nicht nach Herkunft und Religion getrennt untergebracht werden. Rainer Wendt von der Polizeigewerkschaft hatte dies gefordert. Vor allem Christen sollten "unter besonderen Schutz" gestellt werden, so der Vorschlag des Vorsitzenden nach den Ausschreitungen in Calden und Suhl. Dort war es in den vergangenen Tagen und Wochen vermehrt zu Schlägereien und Übergriffen unter Flüchtlingen verschiedener Nationalitäten gekommen.

"Man muss sensibel bei ethnischen Konflikten agieren, aber eine pauschale religiöse oder ethnische Trennung kann nicht die Lösung sein", erklärte Ralf Stegner, stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD,  der "Rheinischen Post".

Roger Lewentz (SPD), Innenminister von Rheinland-Pfalz äußerte sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mit den Worten "Eine Trennung nach Religionen oder gar Ethnien ist bei dem derzeitigen Ansturm kaum praktikabel."

Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linken, bezeichnet die Trennung von Flüchtlingen nach ihrer Religion als  "ein Armutszeugnis für die Bundesrepublik als Aufnahmeland und ein falsches Signal an die Schutzsuchenden". Außerdem stellt sie in der Pressemitteilung fest: "Wenn Tausende Menschen in einer nur für einige hunderte Bewohner ausgelegten Unterkunft leben müssen, wird es immer zu Aggressionen kommen, selbst wenn alle Bewohner demselben Kulturkreis angehören."

"Wir achten auf eine konfliktsensible Unterbringung und versuchen, Menschen aus unterschiedlichen Ländern auf verschiedene Stockwerke oder eigene Unterkünfte zu verteilen. Das ist in der derzeitigen Krisensituation nur eingeschränkt möglich, wir wollen es aber ausbauen, sobald der Zuzug wieder geordnet abläuft.", sagte Thüringens Justiz- und Migrationsminister Dieter Lauinger "Spiegel online".

"Die Bedingungen, unter denen Flüchtlinge in entlegenen Unterkünften leben müssen, tragen dazu bei, dass Frust und auch Gewalt zunehmen werden", sagte Volker Beck, Innenpolitischer Sprecher der Fraktion im Gespräch mit dem stern. "Man darf vor menschenfeindlichen Gesinnungen nicht durch Segregation kapitulieren, sondern muss allen neu bei uns ankommenden Menschen klar machen, dass Diskriminierung aus religiösen Gründen in Deutschland nicht geduldet wird."

Bloß die CDU/CSU-Fraktion ist einer getrennten Unterbringung nicht abgeneigt. "Wo die Möglichkeit zur getrennten Unterbringung besteht um Konflikpotential zu reduzieren, sollte man dies tun", sagt Stephan Mayer (CSU), innenpolitischer Sprecher der Fraktion. Schlägereien in Flüchtlingsunterkünften halte er für inakzeptabel: "Wer unsere Rechtsordnung so eklatant bricht, muss die volle Stärke des Rechtstaats spüren. Wo möglich müssen diese Menchen auch abgeschoben werden."

Die Rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner sagte dem "Deutschlandfunk": "Wir haben Flüchtlinge, auch bei uns in Rheinland-Pfalz, die sich weigern, von Frauen das Essen anreichen zu lassen. Wir haben natürlich Menschen und Personen, die mit einem Bild zu uns kommen aus einer patriarchalischen Gesellschaft. Wenn diese Personen bei uns bleiben wollen, dann ist eines klar, dass sich ihr Bild auch ändern muss. Wir werden nicht Frauen als Chefinnen deshalb abziehen, damit Männer mit einem solchen Frauenbild irgendwann eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben."

lsc/amü/ww