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Flüchtlingskrise Selbst wenn Millionen kommen - wir haben keine Angst!


Das Volk hat den Politikern vorgelebt, wie Flüchtlingshilfe geht. Auch Angela Merkel hat sich von der Bewegung anstecken lassen. Nun gilt: weiter anpacken, statt Ängste zu schüren.
Ein Kommentar von Patrick Schwarz

Es gibt Zahlen, die verbreiten Angst. Bisher war es die 800.000, die ein mulmiges Gefühl in der Magengrube auslöste. Auch die 1.000.000 geisterte wie ein Schreckensgespenst umher. Das neue Ungeheuer ist die 1.500.000: So viele Menschen könnte die Flüchtlingskrise der "Bild" zufolge bis Ende des Jahre nach Deutschland spülen. 1,5 Millionen, das klingt nach viel, richtig viel. Wie soll Deutschland bloß mit solch einer Masse fertig werden, fragt sich jeder. Die Antwort ist einfach: Nur wenn wir alle anpacken, statt Angst zu haben, dann schaffen wir das.

Es war das Volk, das sich dafür entschieden hat, alle Flüchtlinge willkommen zu heißen. Als die Politiker zauderten, die Behörden paralysiert waren vor Überforderung, die Ungarn anfingen den Stacheldraht auszurollen, sind wir in die Bresche gesprungen. Bevor "Refugees welcome" über die Lippen der Regierungsvertreter kam, stand es auf den Schildern der Menschen am Münchner Hauptbahnhof. Wir haben der Politik unseren Willen aufgezwungen. Deshalb gilt jetzt: Wir müssen durchhalten.

Mithelfen ist zur Pflicht geworden

Ob eine Million oder anderthalb - aufhalten lassen sich die Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Balkan ohnehin nicht mehr. "Germany", "Deutschland", "Alemania", die Flüchtlinge haben ein Ziel vor Augen. Und sie werden einen Weg hierher finden. So sehr man sich vor den Fremden auch fürchten mag, niemand will Deutschland abriegeln. Eine "Orbanisierung" kommt für uns nicht in Frage. Mithelfen statt einzuknicken ist deswegen nicht nur alternativlos. Es ist zur Pflicht geworden.

Die Umstände könnten unbequemer sein. Das deutsche Volk weiß nämlich die wohl mächtigste Verbündete auf seiner Seite: Angela Merkel. In diesen Tagen hat sie zwar Gegenwind - von allen Seiten bläst ihr Kritik entgegen. Und doch bleibt die Kanzlerin unbeirrt. "Mit Zäunen werden wir das Problem nicht lösen", sagte sie kürzlich. Auch eine Beschränkung des Asylrechts kommt für sie nicht in Frage. Deutschlands Mutti macht es vor. Weitermachen, den Zweifeln die Stirn zeigen.

Deutschland steht ein Marathon bevor

Der Startschuss zur Integration der Flüchtlinge ist gerade erst verhallt. Selbst wenn in diesem Jahr eine Million oder mehr von ihnen kommen sollten, spricht das nur dafür, dass diese Zahl in den nächsten Jahren noch weiter steigt. Deutschland hat sich entschieden, einen Marathon zu bewältigen. Und Deutschland braucht einen langen Atem. Uns darf auf den ersten Metern nicht die Puste ausgehen. Nur wenn sich Daniel, Mira, Ali, Ursel, wenn sich alle Deutsche gegenseitig Mut machen und die Kritiker rechts stehen lassen, werden wir gemeinsam die Ziellinie erreichen.

Dann werden wir auf die anfänglichen Zweifel mit einem milden Lächeln zurückblicken. Und sehen dass sich die Anstrengung gelohnt hat. Die Marathondistanz von 42,195 Kilometern macht vielen Läufern Angst. 1,5 Millionen Menschen machen vielen Deutschen Angst. Doch vor Zahlen sollte man sich nicht fürchten.


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