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Frankfurt: Bundespäsident Gauck hält Rede zur deutschen Einheit

Aus der Sicht des Bundespräsidenten hat Deutschland die Herausforderung der Wiedervereinigung bravourös gemeistert. Doch er ist überzeugt: Eine größere steht dem Land noch bevor.

Der hessische Ministerpräsident und Bundesratspräsident Volker Bouffier (Mitte) ist Gastgeber beim Festakt zur Deutschen Einheit in Frankfurt am Main. 

Der hessische Ministerpräsident und Bundesratspräsident Volker Bouffier (Mitte) ist Gastgeber beim Festakt zur Deutschen Einheit in Frankfurt am Main. 

Die Spitzen des deutschen Staates sind am Samstag in Frankfurt zur zentralen Feier des 25. Jubiläums der Wiedervereinigung zusammengekommen. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) als Gastgeber begrüßte bei strahlendem Sonnenschein Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle.

Nach dem Eintrag ins Goldene Buch feierten sie zusammen mit Gästen im Dom einen ökumenischen Gottesdienst, bevor sie sich zum zentralen Festakt in die Alte Oper begaben. Bouffier und Gauck sprechen dort zu rund 1500 geladenen Gästen, darunter 50 einstige DDR-Bürgerrechtler. Die schwarz-grüne Landesregierung von Hessen hatte außerdem 30 Flüchtlinge eingeladen.

Gauck macht Flüchtlingskrise zum zentralen Thema seiner Rede

Bundespräsident Joachim Gauck hat seine Rede beim zentralen Festakt zum 25. Jahrestag der deutschen Einheit auch der aktuellen Flüchtlingskrise gewidmet. "Wie 1990 erwartet uns eine Herausforderung, die Generationen beschäftigen wird", sagte Gauck am Samstag in der Alten Oper in Frankfurt am Main. Anders als vor 25 Jahren solle diesmal aber "zusammenwachsen, was bisher nicht zusammen gehörte". Diese Herausforderung werde "Generationen beschäftigen".

Wichtig sei in einer vielfältigen Gesellschaft vor allem eine "gemeinsame Wertegrundlage", betonte der Bundespräsident. "Unsere Werte stehen nicht zur Disposition." Ausdrücklich nannte er beispielsweise die Gleichberechtigung von Frauen sowie von Homosexuellen.

Gauck zieht positive Bilanz aus der Wiedervereinigung

Der Bundespräsident legte in seiner Rede Wert darauf, die positive Bilanz der Wiedervereinigung als Vorbild für den Umgang mit der gegenwärtigen Flüchtlingskrise zu nehmen. Aus den Erfahrungen seiner jüngeren Geschichte müsse sich Deutschland den "Geist der Zuversicht" bewahren, mahnte Gauck. "Wir sind die, die sich etwas zutrauen." Allerdings seien auch Deutschlands Möglichkeiten endlich, betonte der Präsident erneut, europäische Solidarität daher unabdingbar. Gauck bedankte sich bei den zahlreichen Freiwilligen, die sich für Flüchtlinge engagieren.

Ebenso bedankte sich Gauck bei den rund 50 Bürgerrechtlern, die zum Festakt in die Alte Oper geladen waren. "Die Friedliche Revolution zeigt: Wir Deutschen können Freiheit", sagte Gauck. Der Prozess der Wiedervereinigung sei deutlich schwieriger gewesen, als es sich die Deutschen in den Jahren 1989 und 1990 erhofft hatten. Vor allem den Ostdeutschen habe der plötzliche Systemwandel viele Härten abverlangt, sagte Gauck. Dennoch habe der frühere Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) Recht behalten: "Es ist wieder zusammengewachsen, was zusammen gehörte", sagte Gauck.

In Berlin wurde am Samstagvormittag die Festmeile am Brandenburger Tor zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung eröffnet. Auf einer großen Bühne am Wahrzeichen Berlins treten im Laufe des Tages die Rockband Revolverheld und die Sängerin Lena auf. Viele Tausende Besucher werden erwartet. Auf dem Platz der Republik am Reichstag sind am Abend eine Rede Lammerts sowie ein Feuerwerk geplant.

Gegen-Demo ohne Zwischenfälle

In Frankfurt hatten zum Auftakt des dreitägigen Bürgerfestes unter dem Motto "Grenzen überwinden" schon am Freitag Zehntausende Besucher in der weitgehend abgesperrten Innenstadt gefeiert. Nach Angaben der hessischen Staatskanzlei waren am ersten Tag etwa 350 000 Menschen auf dem Bürgerfest unterwegs. Bei einer Demonstration gegen die Einheitsfeier zogen am Abend laut Polizei rund 1000 Menschen durch die Stadt. Zwischenfälle gab es nicht.

Zu dem Bürgerfest mit 300 Veranstaltungen werden insgesamt eine Million Besucher erwartet. Bundesländer und Bundesregierung präsentieren sich, es gibt ein umfangreiches Kulturprogramm und eine Sportmeile. Mehrere tausend Polizeibeamte sind im Einsatz.

Das Land Hessen hat für die Feierlichkeiten 3,5 Millionen Euro eingeplant, die Stadt Frankfurt beteiligt sich mit 1,3 Millionen Euro. Der 3. Oktober klingt mit einer Lichtshow am Main aus. 25 Brücken sollen dabei zu sehen sein - für jedes Jahr der Einheit eine.

hev / DPA