VG-Wort Pixel

Podcast "heute wichtig" Putin isoliert und schwach: "Die Mobilisierung war sein größter Fehler"

Russlands Präsident Wladimir Putin
Russlands Präsident Wladimir Putin
© Gavriil Grigorov/Sputnik / AFP
Die Ankündigung zur Teilmobilisierung Ende September war für die Russ:innen dramatischer als der Kriegsbeginn am 24. Februar – das sagt Leonid Wolkow, Vertrauter des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, in der 374. Folge" heute wichtig".

Erst durch die Mobilisierung sei der Krieg in der Ukraine in jede russische Familie eingezogen, ob sie wollten oder nicht. "Väter, Söhne, Männer werden für den Krieg mobilisiert und sterben dort", sagt Leonid Wolkow – die mögliche Einberufung, sie drohe Millionen von Männern. Und in dieser Lage, sagt er, suchen die Russ:innen, auch solche, die bisher Putin-Fans waren, nach Antworten. Antworten, die die Putinsche Propaganda-Maschine langsam aber sicher nicht mehr liefern kann. "Die Mobilisierung war Putins größter Fehler und hoffentlich sein letzter."

Leonid Wolkow ist Vertrauter des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny und Chef seines Stabs. Er saß selbst mal im Stadtparlament von Jekaterinburg und beobachtet die russische Politik sehr genau – mittlerweile aus Vilnius in Litauen. Zu den Referenden über einen Beitritt der Regionen zur Russischen Föderation in Donezk und Luhansk im ostukrainischen Donbass sowie in den südukrainischen Regionen Cherson und Saporischschja hat Leonid Wolkow nur eines zu sagen: "Das war kein Referendum, das war ein Zirkus. Keiner wird das anerkennen." 

"Ich glaube nicht an den atomaren Gegenschlag"

Aus seiner Sicht dient die Annexion der Gebiete ausschließlich dazu, dass Putin sich die Legitimation für Gegenangriffe sichert, im Zweifel mit Atomwaffen: "Ein Angriff gegen diese Gebiete ist dann ein Angriff gegen Russland." Aber auch dazu hat der Autor von "Putinland: Der imperiale Wahn, die russische Opposition und die Verblendung des Westens" eine klare Meinung: "Ich glaube nicht an den atomaren Gegenschlag. Atomwaffen sind eine Erpressung. Das ist eine terroristische Strategie. Es darf keine Verhandlungen mit Terroristen geben. Das ist meine Antwort." Leonid Wolkow fordert den Westen dazu auf, diese Erpressung, wie er sagt, einfach nicht zu beachten. "Denn betrachten wir diese als gültiges Argument, haben wir schon verloren." 

Putin ist einsam und isoliert

Der Autor ist sich sicher, dass auch die Mobilmachung keine großen Veränderungen für Russland bringen wird: "Die ukrainische Armee ist aktuell einfach größer, stärker und die Motivation ist größer." Und vor allem innerhalb des Landes sieht er den wachsenden Widerstand. "Ich erwarte, dass es zu einem riesigen Eliten-Konflikt kommen wird." Denn die Menschen in Putins engstem Umfeld hätten alles verloren, ihre Lebensqualität sinke und keiner verstehe, wie, wann das alles zu einem Ende kommen wird. "Putin ist jetzt sehr isoliert und einsam. Das ist natürlich sehr gefährlich, aber es bietet auch Möglichkeiten für die, die einen Coup planen." Dass der kommt, hält Leonid Wolkow für sehr realistisch: "Denn niemand, kein Oligarch, kein Regierungsmitglied profitiert von diesem Krieg."

Verpassen Sie auch sonst keine Folge von "heute wichtig" und abonnieren Sie unseren Podcast bei: Audio Now,Spotify, Apple Podcasts, Deezer, Castbox oder in ihrer Lieblings-Podcast-App. Bei inhaltlichen Fragen oder Anregungen schreiben Sie uns an heutewichtig@stern.de

Mehr zum Thema

Newsticker