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MfS-Akte veröffentlicht: Steinbrück, wie ihn die Stasi sah

Damals, im Kalten Krieg, hielt die Stasi nach einem jungen Sozi namens Peer Steinbrück Ausschau. Und fand einen Mann mit schwer verdächtiger Brille. Alle schmutzigen Details im: LinsenGericht.

Von Andreas Hoidn-Borchers

Achtung, das hier ist eine echte Enthüllung. Wir sehen: Einen doch leicht verschlagen guckenden Mittdreißiger mit zu großer Kragenweite, einer klassischen, getönten Dunkelmänner-Brille, einem untypisch Vertrauen heischenden Lächeln und der typisch unauffälligen Frisur eines – ja, was denn nu? Endlich enttarnten Kollegen von Günter Guillaume? Schauen wir die Fratze des Fürsten der Finsternis vulgo Soffjett bzw. dessen ergebenen Dieners?

Nein, keine Angst, es ist wirklich nur Peer Steinbrück in jüngeren Jahren. Das Bild stammt aus den übrig gebliebenen Beständen des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit, es findet sich auf der letzten der 50 Seiten umfassenden Dokumentation dessen, was der SPD-Kanzlerkandidat als seine "Stasi-Akte" ins Netz gestellt hat, samt einer Erklärung mit der Schlussbemerkung: "Weder die Stasi noch andere Geheimdienste haben je versucht, mit mir Kontakt aufzunehmen."

Deckname "Nelke"

Was das mit Wahlkampf zu tun hat? Es ist der Konter des Artikels zweier "Welt"-Journalisten, der doch ziemlich nahe legt, John-le-Carré-Fan Steinbrück könnte früher von der Stasi und dem russischen Geheimdienst KGB angeheuert worden sein. Daran stimmt offenkundig zweierlei: Steinbrück ist selbst vom Gatten seiner im thüringischen Meiningen lebenden Cousine bespitzelt worden. Und aus ziemlich unerfindlichen Gründen scheint der Führungsoffizier dieses Mannes auf die Idee verfallen zu sein, auch Steinbrück könne man für das miese Spiel gewinnen. Jedenfalls gibt es tatsächlich einen IM Vorlauf für den Decknamen "Nelke", hinter dem Steinbrück versteckt wurde.

Dame, König, As, Spion? Eigentlich ist es eine Lachnummer. Wunderbar zu lesen sind zum Beispiel die Passagen in einem Spitzelbericht, in denen der sich selbst zum "Marxist" erklärt haben Sollende (Nehmt das, ihr Linken in der SPD, das haut euch jetzt vom Melkschemel, wa? Die Geschichte des demokratischen Sozialismus muss in weiten Teilen neu gedichtet werden!) über die real vor sich hin vegetierende DDR herzieht: "Beschneidung der persönlichen Freiheit", keine freie Meinungsäußerungen, keine Reisefreiheit, "Schießbefehl". "Er stellte die feindliche Behauptung auf, dass der real existierende Sozialismus in der DDR nichts mehr zu tun habe mit den Theorien von Marx, Engels und Lenin." In einer Kurzeinschätzung attestiert Stasi-Major Timmler Steinbrück eine "antikommunistische Einstellung".

Jungs von "Welt"

Doch, doch, der Mann war prädestiniert dafür, diesem Staat und dessen Geheimdienst zu dienen, der sogar zu blöd war, den Namen eines seiner auserkorenen Hauptfeinde richtig zu schreiben (Rudolf "Baro"!) oder sich den Namen von Steinbrücks damaligem Minister zu merken (Maihofer statt Matthöfer). Und wenn schon nicht der DDR und ihrer Stasi, dann doch wenigstens dem KGB.

Vom KGB-Spion zum gut dotierten Banker-Basher, das hätten wir mal eine subversive Karriere der Extraklasse gefunden. Schade eigentlich, dass nichts dran ist.

Aber, hey, Jungs von "Welt", macht ja nichts. Das wäre doch auch 'ne schöne Schlagzeile für den Wahlkampf: "Steinbrück versagt als Spitzel. Nicht mal das kann er."