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Magdalena Rogl "Ich spreche jede Woche auf Veranstaltungen, auf denen ich die einzige Frau bin"

Die Tech-Branche ist eine Männerdomäne. Dass das nicht so sein muss, zeigt Magdalena Rogl. Kein Wunder, dass sich die Microsoft-Managerin für eine Quote stark macht.

Magdalena Rogl ist 35 Jahre alt, Head of Digital Channels und Wertebotschafterin bei Microsoft - und eine von 40 Frauen, die sich im stern solidarisch für die Frauenquote aussprechen.

Warum bezeichnen Sie sich als Quotenfrau?  

Ich bezeichne mich als Quotenfrau, weil ich regelmäßig auf Veranstaltungen oder Konferenzen in der Tech- und Digitalszene spreche, bei denen ich die einzige oder eine der wenigen Frauen bin. 

Warum finden Sie, dass Deutschland mehr gesetzliche Quoten braucht?  

Wir brauchen gesetzliche Quoten, weil Gerechtigkeit und Chancengleichheit selbstverständlich sein sollten – die Realität aber anders aussieht. Weil es ohne gesetzliche Quoten noch mehr als 200 Jahre dauern würde, bis Frauen die gleichen Chancen haben wie Männer

Wir brauchen gesetzliche Quoten, weil nur 14% der DAX-Vorstände weiblich sind. 

Wir brauchen gesetzliche Quoten, weil unsere Töchter und Enkeltöchter die gleichen Chancen haben sollen, wie unsere Söhne und Enkelsöhne.

Bitte vervollständigen Sie den Satz: In diesem Moment wusste ich, es geht nicht ohne Quote.... 

Als ich in einem Vorstellungsgespräch gefragt wurde, wer denn Schuld an der Scheidung von meinem ersten Mann gewesen wäre – und bevor ich Worte finden konnte, die nächste Frage folgte: Ob mein neuer Mann denn keine Probleme damit hätte, wenn ich Vollzeit und auch noch in einer Führungsposition arbeiten würde. Das Gespräch führten zwei Männer. Die sich über diese Fragen und mein schockiertes Gesicht amüsierten.

Wer hat Sie wie gefördert?  

Wenn ich zurückblicke, waren es bisher vor allem Frauen, die mich gefördert haben: Sandra Franz (heute Eventmanagerin), die mich für meinen ersten Job in einer Unternehmenskommunikation vorgeschlagen hat, weil sie mein Potential erkannt hat, obwohl ich keinerlei Erfahrung in diesem Bereich hatte. Anna-Lena Müller (Kommunikationsexpertin), die mir ein Vorstellungsgespräch bei Microsoft verschafft hat und bis heute eine meiner ehrlichsten Unterstützerinnen und Kritikerin ist. Dorothee Bär, die an mich geglaubt hat, als ich noch keinen Namen und Titel hatte, die zu einer engen Freundin und einer wichtigen Vertrauten nicht nur in Digitalfragen geworden ist.

© Carolin Windel / stern

Wer war warum Ihr Vorbild?  

Es gibt viele Menschen, die für mich ein Vorbild sind:  Düzen Tekkal, weil sie sich als Menschenrechtsaktivistin für Werte und eine gerechtere Welt einsetzt. Janina Kugel, weil sie mit Projekten wie #IchWill, in dem sie sich aktiv für die Frauenquote einsetzt, die Wirtschaft diverser und gerechter gestaltet. Miriam Meckel, die sich als Verlegerin von "ada" für einen neuen Journalismus und einen ethischen Blick auf Zukunftstechnologien einsetzt.  Und noch so viele andere Menschen! 

Ich versuche aber vor allem ein Vorbild für mich selbst zu sein, mich nicht zu sehr an anderen zu orientieren, sondern meinen eigenen Weg zu finden. 

In welcher beruflichen Situation hat Ihnen Ihr Frausein geholfen?  

Ich kann mich an keine Situation erinnern, in der mir persönlich mein Frausein beruflich geholfen hätte.  Wahrscheinlich habe ich in der Branche eine höhere Sichtbarkeit, weil ich eine der wenigen jungen Frauen in der Digitalwelt bin. Was ein eher trauriger Vorteil ist: Ich bin empathischer jüngeren Kolleg*innen gegenüber, weil ich weiß, wie schwer sie es oft haben. 

Und in welcher hat es Sie behindert? 

Dafür reicht vermutlich hier der Platz nicht. Ich habe oft das Gefühl, dass ich es als Frau gar nicht richtig machen kann. Viele Frauen berichten von spürbaren Nachteilen bei Einstellungen oder Beförderungen, weil sie potentiell schwanger werden könnten. Ich war schon sehr früh Mutter, das wurde dann als "Gefahr" gesehen, dass ich einer "Doppelbelastung" nicht gerecht werden könnte. Frauen die weiblich auftreten werden als nicht belastbar gesehen, Frauen die selbstbewusst auftreten, werden als unsympathisch bezeichnet.  

Ich bin sehr dankbar, dass ich seit einigen Jahren in einem Unternehmen arbeite, in dem nur noch sehr selten mit solchen Situationen konfrontiert bin – das ist ein Privileg und ich bin davon überzeugt, dass Privilegien mit Verantwortung kommen. Deshalb sehe ich es als meine Verantwortung, mich für Diversität und Inklusion einzusetzen.  

Uns interessieren auch Ihre Erfahrungen und Ihre Meinung. Wie sieht es in Ihrem Job aus? Könnten Sie mehr Frauen oder Männer gebrauchen? Schreiben Sie uns unter quotenfrau@stern.de


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