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Semsrott und Sonneborn: "Inkompetenz und moralische Wurstigkeit": Satire-Politiker attackieren von der Leyen scharf

Die beiden EU-Satire-Politiker Martin Sonneborn und Nico Semsrott haben Ursula von der Leyens Nominierung als Kommissionspräsidentin scharf kritisiert. Mit derber Wortwahl und bedrucktem Pullover sprachen sie sich gegen die deutsche Politikerin aus.

Nico Semsrott im EU-Parlament

Trug einen eindeutig zweideutigen Pullover im EU-Parlament: Nico Semsrott.

DPA

Für Martin Sonneborn und Nico Semsrott ist die Sache klar: Ursula von der Leyen sollte auf keinen Fall EU-Kommissionspräsidentin werden. Ihren Unmut über ihre Aus-dem-Nichts-Kandidatur und das Postengeschacher der Staats- und Regierungschefs brachten die beiden Europa-Politiker am Dienstag in Straßburg zum Ausdruck.

Semsrott zieht im Parlament seinen Pullover aus

Zunächst sorgte Semsrott für eine Unterbrechung der Debatte im EU-Parlament. Der Kabarettist von der deutschen Gruppierung Die Partei meldete sich während der Diskussionen zu Wort und stellte einen Antrag auf Überprüfung von Interessenskonflikten der Kandidatin Ursula von der Leyen. Er habe auch schon einen Vorschlag, wie das aussehen könne, sagte Semsrott weiter und zog seinen Kapuzenpullover aus. Darunter trug er einen weiteren Pullover, der übersät war mit Aufklebern von Unternehmensberatungen wie KPMG, McKinsey oder PwC.

Gemeint war das offenbar als Anspielung auf die Beschäftigung teurer Berater in von der Leyens Verteidigungsministerium und auf die europäische Zusammenarbeit in Verteidigungsfragen. Parlamentspräsident David Sassoli ging auf den Antrag nicht ein, und die Debatte wurde fortgesetzt.

Sonneborn findet deutliche Worte

Später bezog auch sein Parteikollege Sonneborn Stellung. Von der Leyen sei europapolitisch "völlig kenntnisfrei" und vor allem durch teure Berater und Missmanagement aufgefallen, sagte er im EU-Parlament. 

Die künftige Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, habe in der Vergangenheit außerdem öffentliche Gelder veruntreut und nie eine nationale Notenbank geleitet. Der künftige Ratspräsident Charles Michel habe nicht einmal in Belgien eine funktionierende Regierung bilden können.

"Um diese Parade von Inkompetenz und moralischer Wurstigkeit abzusichern, paktieren Sie mit der illiberalen Pis-Partei, dem Möchtegern-Faschisten Orban und Benito Salvini?", sagte der deutsche Abgeordnete mit Blick auf die rechtsnationale Regierungspartei in Polen, Ungarns nationalkonservativen Premier Viktor Orban und den rechten italienischen Innenminister Matteo Salvini. Benito war der Vorname des faschistischen italienischen Diktators Mussolini (1883 - 1945). 

"Wir sollten Europa nicht den Laien überlassen. Zwinkersmiley", sagte Sonneborn weiter. Von der Leyen reagierte mit einem Lachen auf den Beitrag des Politikers.

mik / DPA / AFP