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US-Wahl: Mitternacht in Dixville Notch: Wo die erste Entscheidung fiel

Es ist kalt im Nordosten der USA. In Dixville Notch, einem Nest in New Hampshire, hat es schon geschneit. Gleich um Mitternacht läutet der Ort traditionell den Wahltag ein. Sieben registrierte Wähler waren die ersten.

Blick ins Wahllokal von Dixville Notch, New Hampshire: Hier beginnt traditionell die US-Wahl

Ein Landesgesetz macht es möglich: Im Wahllokal von Dixville Notch, New Hampshire, beginnt seit 1960 die US-Wahl. Kurz nach Mitternacht steht das Ergebnis fest.

Dixville Notch im US-Staat New Hampshire ist wirklich klein. Nicht einmal ein Dutzend Leute wohnen in dem Ort, der fast nur aus einem Hotel besteht, dem Balsams Resort. Und das hat seit 2011 geschlossen, wird zurzeit renoviert. Aber alle vier Jahre sorgt das rund 30 Kilometer von der kanadischen Grenze entfernte Mini-Dorf international für Schlagzeilen.

Wenn der Tag der US-Präsidentenwahl heraufzieht, sofort, wenn es Mitternacht geschlagen hat, treffen sich die Wähler von Dixville Notch an der Wahlurne, geben ihre Stimme ab. So ist das nun schon seit 1960: Die Bewohner von Dixville Notch sind immer die ersten. Und die Wahlbeteiligung liegt immer bei 100 Prozent.


Erstes Ergebnis der Wahl

Sieben registrierte Wähler waren es diesmal, die zu Beginn der Geisterstunde im Wahllokal - einem Raum im Hotel - erwartet wurden, wie Public-Relations-Manager Scott Tranchemontagne sagte. Ja, so klein es auch ist: Die Mini-Ortschaft hat ihren PR-Mann, der hilft, die Dutzenden Journalisten aus aller Welt zu betreuen, die am Tag der Tage nach Dixville Notch kommen. Kalt ist es dort zurzeit. Es hat bereits geschneit.

Wer hier die Wahl gewonnen hat, steht schon kurz nach Mitternacht fest. Sieben Stimmen auszuzählen, das geht schnell. Vier Stimmen entfielen auf die frühere Außenministerin Hillary Clinton, zwei Stimmen auf den Immobilienmilliardär Donald Trump und eine Stimme auf den Drittkandidaten Gary Johnson. Ein achter Wähler war offenbar mit dem Angebot unzufrieden und schrieb den Namen des früheren republikanischen Kandidaten Mitt Romney auf den Wahlzettel. Dann kann das Wahllokal auch gleich schon wieder geschlossen, der Welt das Ergebnis verkündet werden.

Karte mit der Lage von Dixville Notch

Dixville Notch, New Hampshire - unweit der Grenze zu Kanada


Wahl-Party im Wahl-Lokal

An der Wahlurne muss aber auch eine andere stolze Tradition aufrechterhalten werden: Alle vier Jahre Party Time - und eine Gelegenheit, die herbeigeströmten Journalisten zu bewirten, zu zeigen, wie gastfreundlich man in diesem Winkel des amerikanischen Nordostens ist.

Gestartet wurde die Tradition von Neil Tillotson. Der Industrielle hatte das seinerzeit pleite gegangene Hotel aufgekauft, direkt daneben eine Gummifabrik und Wohnheime für die Fabrikarbeiter und Hotelangestellten gebaut. 1988 drängelten sich 38 Wähler an der Urne. Die meisten sind inzwischen weggezogen.

Dixville-Ergebnis selten repräsentativ für die US-Wahl

Dass man so früh die Stimme abgeben darf, ist einem Gesetz in New Hampshire zu verdanken. Es erlaubt Gemeinden mit weniger als 100 Einwohnern, sowohl bei den Vorwahlen als auch dann bei der Präsidentenwahl schon um Mitternacht ihr Wahllokal zu öffnen. Damit sollte einst Eisenbahnarbeitern die Möglichkeit gegeben werden, wählen zu gehen, sich aufs Ohr zu legen und dann pünktlich zur Arbeit anzutreten, wie Tranchemontagne erklärt.

Längst nicht immer spiegelte das Resultat von Dixville Notch, wer dann am Ende Präsident wurde. 1960 etwa, bei der Premiere, hätten sie nicht falscher liegen können: neun Stimmen für Richard Nixon, null für John F. Kennedy.

ivi/dho/Gabriele Chwallek / DPA