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Deutsche Flughäfen dicht: Aschewolke behält Europa fest im Griff

Der deutsche Flugverkehr steht weitgehend still: Bis auf München haben alle Airports vor der Aschewolke aus Island kapituliert und den Betrieb eingestellt - wann sie wieder öffnen, steht in den Sternen. Die Beschränkungen halten mindestens bis Samstag an.

Die massiven Störungen im Flugverkehr nach dem Vulkanausbruch in Island werden noch mindestens einen Tag dauern. Wie die europäische Flugsicherung Eurocontrol mitteilte, wird es am Freitag im europäischen Luftraum voraussichtlich 17.000 Flüge weniger als normalerweise geben. Nur rund 11.000 Flüge könnten stattfinden.

Auch Deutschland ist massiv betroffen. Derzeit sind alle alle großen Flughäfen geschlossen, nur in München geht der Betrieb derzeit noch weiter. Wann der Luftraum wieder freigegeben werden kann, ist derzeit unklar, teilte die Deutsche Flugsicherung (DFS) am Freitagmorgen mit.

Die Beeinträchtigungen würden mit großer Sicherheit zumindest bis zum Samstag im Norden und in der Mitte Deutschlands bestehen bleiben, sagte der Leiter der Flugmeteorologie des Deutschen Wetterdienstes, Klaus Sturm, am Freitag. Da die Aschewolke langsam in Richtung Süden weiterzieht, könnte mit München demnächst auch der letzte deutsche Flughafen geschlossen werden.

"Nullsteuerung" in Frankfurt

Die Flugsicherung habe die sogenannte Nullsteuerung des Frankfurter Flughafens angeordnet, sagte ein Fraport-Sprecher. Das heißt, dass Maschinen aus Europa mit dem Ziel Frankfurt am Main nicht mehr von ihrem jeweiligen Abflughafen starten dürfen und bereits im Anflug befindliche Maschinen auf einen anderen Flughafen umgeleitet werden, derzeit vornehmlich München. Auch Starts von Frankfurt aus sind vorerst nicht mehr möglich. Eine Nullsteuerung könne aber schneller wieder aufgehoben werden als eine Schließung des Flughafens.

Passagiere sollten sich so früh wie möglich bei ihrer Fluggesellschaft oder ihrem Reiseveranstalter über die Lage erkundigen, empfahl der Fraport-Sprecher. Auf dem Airportgelände wurden Feldbetten für gestrandete Passagiere aufgestellt.

Jetzt auch Osteuropa betroffen

Am Freitag gaben nach den westlichen Ländern nun auch Polen, Tschechien und Österreich Sperrungen bekannt. Sogar in Russland zwangen die winzigen Aschepartikel aus Island etliche Maschinen auf den Boden. Ausländische Fluggesellschaften strichen viele ihrer Flüge nach Europa.

In Großbritannien, Frankreich, Belgien und den Niederlanden saßen Hunderttausende Reisende an den Flughäfen fest - nachdem sie teils bereits eine Nacht auf Feldbetten in den Wartehallen zugebracht hatten. Nicht nur Urlauber, sondern auch Teilnehmer von Sportveranstaltungen und Konferenzen erreichten ihre Ziel nicht.

Bahn: "Es rollt alles, was rollt"

Klar war am Freitagmittag, dass zumindest der britische Luftverkehr mindestens bis Samstagmorgen stillgelegt bleibt. Am Freitag herrschte auf dem Londoner Flughafen Heathrow - einem der wichtigsten Drehkreuze der Welt - gespenstische Stille. Auf den Eurostar umsteigen konnten viele Reisende nicht: Auch am Freitag waren alle Züge von Brüssel oder Paris nach London ausgebucht.

Auch in Deutschland drängten sich in vielen Zügen und Bussen die Reisenden dicht an dicht, die ursprünglich einen Flieger hatten nehmen wollen. Wegen der Nachfrage werde die Kapazität bei Linienbussen um teils 500 Prozent aufgestockt, teilte die Deutsche Touring in Frankfurt mit. Die Deutsche Bahn setzte alle zur Verfügung stehenden Züge ein. "Es rollt alles, was rollt", sagte ein Sprecher.

Ganz im Norden Besserung in Sicht

Unterdessen gaben die Behörden in Schweden und Norwegen den Flugverkehr in den jeweils nördlichen Landesteilen wieder begrenzt frei. Die Konzentration von Lavaasche in der Luft habe deutlich abgenommen, hieß es. In der Region hatten zeitweise auch keine Rettungshubschrauber oder -flugzeuge mehr abheben dürfen - fatel vor allem für Kranke und Verletzte in dünn besiedelten Gebieten.

Der "Nachschub" für die Wolke dürfte vorerst nicht abreißen: Der Vulkan im Süden von Island stößt weiterhin eine gewaltige Menge Lavaasche und Rauch in die Atmosphäre. Wie das Außenministerium in Reykjavik mitteilte, schätzen Experten das Risiko hoch ein, dass diese Aktivität in den kommenden Tagen anhält.

Fluglotsen verschieben Streik

Für eine positive Nachricht in all den Hiobsbotschaften sorgten am Freitag die Fluglotsen: Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) teilte mit, dass angesichts des Flugchaos die ab Dienstag geplanten Arbeitsniederlegungen verschoben werden.

P.S. Sitzen auch Sie wegen der Vulkanaschen-Wolke fest? stern.de hat auf Facebook eine Info-Börse gestartet. Hier können sich Reisende, die Alternativen wie Fahrgemeinschaften, Kombi-Bahnfahrten und ähnliches suchen, austauschen. Oder einfach auch ihre Erlebnisse schildern: www.facebook.com/stern

fw/joe/APN/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters

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