Turin Kurzentschlossen nach Olympia


Wer heute losfährt, kann morgen live dabei sein: In Turin beginnen am Freitag die Olympischen Winterspiele. Im Internet sind noch Tickets für das Sportevent zu haben. Die Rosinen können sich Kurzentschlossene allerdings nícht mehr rauspicken.

Deutsche Sportfreunde haben Olympia so nahe vor der Haustür wie lange nicht mehr: Turin, wo vom 10. bis 26. Februar die XX. Olympischen Winterspiele ausgetragen werden, liegt direkt jenseits der Alpen. Die Zahl der Fans, die Bobpilot André Lange oder Biathletin Kati Wilhelm anfeuern wollen, dürfte deshalb größer sein als 2002 in Salt Lake City (USA). "Vor allem aus Bayern, Sachsen und Thüringen werden viele Fangruppen nach Turin fahren", erwartet Michael Schirp, Sprecher des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) in Frankfurt. Kurzentschlossene müssen sich allerdings mit den Resten zufrieden geben: Das Kartenkontingent für Deutschland ist nahezu ausverkauft.

Karten noch verfügbar

"Wir haben insgesamt 12.000 Tickets genommen, und der Verkauf lief sensationell", sagt Jens-Joachim Brösel vom Veranstalter Dertour, dem Karten-Generalagenten des NOK in Frankfurt. Die größte Nachfrage habe es bei Biathlon-, Ski-Alpin- und Eisschnellauf-Wettkämpfen gegeben. Zu haben seien vor allem noch ungünstige Plätze an der Bobbahn sowie Karten etwa für Curling, Skeleton und Damen-Eishockey - also für Sportarten, in denen die deutschen Medaillenchancen eher klein sind.

Die Kartenpreise sind dabei insgesamt günstiger als 2002. Für die Eröffnungsfeier kostet der Eintritt je nach Tribünenplatz 250 bis 850 Euro - in den USA waren bis zu 1300 Euro fällig. Auch die Karten für das ausverkaufte Eishockeyfinale waren mit 250 bis 400 Euro billiger: Vor vier Jahren mussten bis zu 660 Euro auf den Tisch gelegt werden. Wer die Karten nicht bei Dertour kaufen will, kann das bis zum Beginn der Spiele auch im Internet unter http://torino2006.ticketone.it tun. Mit einem Ticket-Schwarzmarkt in Turin ist ebenfalls zu rechnen.

Lieber mit der Bahn anreisen

Die Anreisemöglichkeiten ins Piemont werden zum Teil extra zu den Spielen ausgebaut. So verlängert die Deutsche Bahn vom 10. bis 25. Februar mehrere Nachtzüge, die sonst in Mailand enden, nach Turin. Die Ausgangsbahnhöfe liegen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und im Rhein-Ruhr-Gebiet. Air Berlin nimmt Turin vom 6. bis 17. Februar an vier Tagen in den Flugplan auf. Die Maschinen starten in Nürnberg, Zubringer gibt es von 13 deutschen Flughäfen sowie von Wien aus. "Rückflüge sind zwischen dem 17. und 27. Februar buchbar", sagt Sprecherin Claudia Löffler. Täglich wird Turin zudem von Lufthansa angeflogen, mit Umsteigen in München oder Frankfurt.Autofahrer haben die Wahl zwischen mehreren Routen. Aus Bayern sei die Fahrt über den San Bernardino oder den Brenner zu empfehlen, sagt Katja Frisch vom ADAC in München. Aus dem übrigen Bundesgebiet sei es sinnvoller, eine Strecke durch den Gotthardtunnel oder den Großen Sankt Bernhard in der Schweiz zu wählen. In Turin selbst sei es dann ratsam, das Auto möglichst oft stehen lassen zu können. "Es wird sicher ein hohes Verkehrsaufkommen geben", sagt die ADAC-Sprecherin. Während der Spiele werde es in der Stadt Sperrungen und Parkverbote geben. "Autofahrer müssen deshalb mit Behinderungen rechnen." Wer dennoch nicht mit Flugzeug oder Bahn anreisen will, sollte vor allem auf die so genannten Olympic Lanes achten. Nur Sportler und Funktionäre dürfen die Spezialspuren benutzen. Wer als Tourist auf ihnen fährt, müsse mit Strafen bis zu 71 Euro rechnen.

Hotels verlangen kräftige Zuschläge

Kurzentschlossen in die Olympiastadt aufzubrechen, erscheint wenig empfehlenswert. Die Hotelsituation in und um Turin gilt als nicht einfach, zum Teil liegen die Wettkampfstätten auch weit von der Hauptstadt des Piemont entfernt. "Von Turin bis zu den Skipisten in Sestriere sind es auch ohne dichten Verkehr etwa eineinhalb Stunden Fahrt", sagt Brösel. Dertour quartiere seine Ski-Alpin-Kunden deshalb in einem "Club Med" auf französischem Boden unweit der Pisten ein. Auch Konkurrent Vietentours aus Düsseldorf, der insgesamt 1500 Gäste zu den Winterspielen bringt, hat neben Häusern in Turin und in den italienischen Alpen einen Hotelpartner in Frankreich unter Vertrag.Wer spontan losfährt, werde es mit Unterkünften im näheren Umfeld von Turin schwer haben, sagt auch Helmut Voss vom Sportreisenanbieter Voss+Votava in Unna, der sich diesmal "in die heiße Nummer mit den Zimmern nicht reingewagt" hat. Zwischen Turin und Mailand ein Zimmer zu bekommen, sei zwar möglich. "Aber dann muss man mitten in der Nacht losfahren, um morgens an den alpinen Wettkampfstätten zu sein."

Wer solche langen Fahrtzeiten umgehen will, habe kräftig in die Tasche greifen müssen, sagt Frank Jungemann, Olympia-Projektleiter bei Vietentours: In Sestriere etwa koste eine Nacht in einem Drei-Sterne-Hotel mit Frühstück während der Spiele 500 statt der sonst üblichen 75 Euro. "Da wird schon sehr die Hand aufgehalten."Die Olympia-Nachfrage aus Deutschland sei bei Vietentours geringer gewesen als erwartet, sagt Jungemann. Ein Grund sei die Fußball-WM im Sommer: Wer 2006 maximal eine Sportreise unternehmen will, entscheide sich im Zweifel eher für das Großereignis im eigenen Land. Auch dass die XXI. Olympischen Winterspiele wieder weit entfernt sind, spielt offenbar keine Rolle - sie finden 2010 in Vancouver in Kanada statt.

GMS

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